Verlorene Ehre des königlichen Schwiegersohnes

Iñaki Urdangarin, Schwiegersohn von König Juan Carlos, hat den Monarchen in einer Finanzaffäre um die Unterschlagung von acht Millionen Euro entlastet – das Königshaus habe ihn niemals beraten, sagte er vor Gericht.

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Verlorene Ehre koeniglichen Schwiegersohnes
Urdangarin – (c) EPA (ISAAC BUJ)

Palma de mallorca. Mit ernstem Gesicht, in Schal und Mantel gehüllt, schritt der in Ungnade gefallene königliche Schwiegersohn den kurzen Weg zum Gerichtsgebäude. Iñaki Urdangarin, Ehemann von Prinzessin Cristina, musste am Wochenende vor dem Untersuchungsrichter wegen des Vorwurfs des Betrugs aussagen.

„Dieb, Dieb“, riefen einige hundert Demonstranten, die von der Polizei bis zur nächsten Straßenecke zurückgedrängt worden waren. „Gib uns unser Geld zurück!“ An Hauswänden klebten Plakate mit dem Konterfei Urdangarins und der Forderung: „Schluss mit der Korruption!“ Von einigen Balkonen baumelten lange rote Paprikawürste, die „Chorizo“ heißen, was auf Spanisch zugleich auch „Gauner“ bedeutet. „Weg mit der spanischen Krone“ und „Schluss mit der Monarchie“, tönte es durch die Gasse.

Drinnen erwartete Urdangarin der Untersuchungsrichter José Castro, der seit knapp zwei Jahren gegen den früheren prominenten Handball-Nationalspieler ermittelt. Es war übrigens die zweite Vorladung für den königlichen Schwiegersohn. Bereits vor einem Jahr hatte er alle Vorwürfe bestritten. Auch wenn inzwischen weiteres Belastungsmaterial gegen ihn und auch mehrere geheime Konten in Andorra, Luxemburg und der Schweiz auftauchten.

Urdangarin soll jahrelang als „Berater“ für die Organisation von Sportevents hohe Summen öffentlicher Gelder kassiert haben, meist ohne wesentliche Gegenleistungen zu bringen. Seine dubiosen Geschäfte soll er über eine gemeinnützige Stiftung und unter missbräuchlicher Nutzung seiner königlichen Beziehungen abgewickelt haben. Bisherigen Schätzungen zufolge sollen Urdangarin und ein Sozius mehr als acht Millionen Euro ergaunert und am Fiskus vorbeigeschleust haben.

 

Prinzessin und König verwickelt

Im Verhörzimmer hing – wie in den meisten Justizsälen Spaniens – ein Porträt von König und Staatschef Juan Carlos. Auch auf den Monarchen fiel ein Schatten, nachdem Urdangarins Geschäftspartner Diego Torres ausgesagt hatte, dass Juan Carlos von den Deals gewusst, mit Kontakten geholfen und Entscheidungen abgesegnet habe. Genauso sei Urdangarins Frau, Prinzessin Cristina, als Teilhaberin im dubiosen Firmengeflecht eingeweiht gewesen. Nun bemühte sich Urdangarin vor dem Richter um die Ehrenrettung der Königsfamilie: In einer Erklärung, die er im Gerichtssaal verlas, dementierte er jegliche Verwicklung des Königshauses: „Ich erkläre hiermit, dass das Königshaus mich bei meinen Aktivitäten nicht beriet und auch keine Entscheidungen traf.“ Vielmehr habe der König, als erste öffentliche Kritik an den Geschäften aufgekommen sei, ihm empfohlen, sich aus den „nicht angemessenen“ Tätigkeiten zurückzuziehen – was er dann auch getan habe.

Juan Carlos hatte ebenfalls schon Schutzwälle aufgebaut und Urdangarin von allen offiziellen Anlässen ausgeschlossen, auch dessen Biografie samt Fotos von der Website des Hofes gelöscht. Die Stadtverwaltung von Palma hat derweil bereits Urdangarin und seine Prinzessin, die auch „Herzöge von Palma de Mallorca“ genannt werden, mit dem Entzug der Ehre abgestraft: Eine zentrale Prachtallee in der City, welche bisher „Rambla de los Duques de Palma de Mallorca“ hieß, heißt jetzt nur: „La Rambla“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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