Seelenstrizzi mit Mieselsucht: Karlheinz Hackl über sich selbst

02.04.2013 | 18:29 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Karlheinz Hackl erzählt von Nachtclubkönig Schimanko und einfachen Verhältnissen. Morgen singt er Lieder von Georg Danzer in der Eden-Bar.

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Atomblitz‘ hat er gebrüllt, und zwar ziemlich martialisch“, erinnert sich Karlheinz Hackl im Extrazimmer der Frommen Helene. Die Bekanntschaft mit dem späteren Nachtclubkönig Heinz Werner Schimanko hatte ihren Anfang an einem prosaischen Ort genommen, der Wiener Maria-Theresien-Kaserne. Schimanko war damals Ausbildner beim Bundesheer. Ein Schrank von einem Mann, dem Hackl vor allem eines konzediert: „Er war ein echter Schinder.“

Als Hackl viele Jahre später in die Wiener Eden-Bar zitiert wurde, um dort einen Vertrag für ein Engagement in Reichenau zu unterschreiben, begegnete man einander unter gänzlich anderen Umständen wieder. Am Trottoir vor dem Etablissement stand Schimankos legendärer Rolls Royce. Schimanko strotzte vor Selbstbewusstsein, schließlich hatte er sich mit der Eden, dem Moulin Rouge und dem Hotel Orient ein kleines Imperium aufgebaut.

Und auch Hackl, obwohl eher schmächtig, trat mit breiter Brust in die Bar, schließlich war er schon einige Jahre Publikumsliebling der Wiener Theaterszene. „Der Schimanko war der Inbegriff von einem Macho“, erinnert sich Hackl, „der strahlte eine Eleganz und gleichzeitig alle vorstellbaren Abgründe aus. Schimanko saß in allen Opernpremieren, war oft im Theater und gleichzeitig eine Art Edelzuhälter, der vielleicht auch zugehaut hat.“


Die Persönlichkeit Schimankos und die Atmosphäre der Eden ließen Hackl nicht mehr los. Während seines langen Genesungsprozesses nach einem Gehirntumor ging Hackl oft mit seiner Tochter hin und machte Gedächtnisübungen. Seiner zweiten Frau Maria machte er in der Eden den Verlobungsantrag. „Das Flair fand ich immer klasse, die Musik, das Licht, alles.“ Und jetzt singt er hier sogar. Lieder von Georg Danzer, dessen Kunst er schon lange mochte, aber den er erst näher kennengelernt hat, als er schon sehr krank war. „Er fragte mich, ob ich empört bin, dass ausgerechnet ich Krebs bekommen habe. Das konnte ich bejahen. Wir haben uns lange über die Krankheit unterhalten. Er hat mir ein paar Lieder geschrieben.“

Eines hieß „Immer lacht einer im Theater“, „und dann das ,Abschiedslied‘, das ich eh in der Eden singen werde“. Das dazugehörige, feine Album „Mein Leb'n“ ist vor vier Jahren rausgekommen. Nicht allen gefiel es. „Eine Dame hat mich auf der Straße aufgehalten und beschimpft. ,Sie wissen eh, dass des ein Kummerl war?‘ sagte sie (Anm.: ein Kommunist). Egal, Danzer war ein ausgezeichneter Arrangeur und ein begnadeter Texter.“

Überdies kam Danzer, wie Hackl, aus einfachen Verhältnissen. Hackl wuchs in einem Gemeindebau in Wien-Margareten auf. „Die Leute glauben immer, ich wär von aristokratischer Herkunft. Viele glauben gar nicht, dass ich einem Liliom-Milieu entstamme.“ Es ist die Sprache, die Art, wie Danzer mit Dialektausdrücken Poesie zaubert, die Hackl so liebt. Mit viel Animo interpretiert Hackl Lieder zeitloser Verruchtheit, etwa den „Vorstadtcasanova“, der die „unzähligen Madln im Stiegenhaus übers Geländer biegt“.

Hackl sieht sich als „Seelenstrizzi“, als einen, der ein bisschen kompliziert ist und ständig Unruhe stiftet. Zu seinen besten Freunden zählt Hackl den Schauspielkollegen und Gastronomen Hanno Pöschl, der selbst einst einen von der Kritik bejubelten Liliom im Molnar-Stück gab. Sie haben auch abseits der Bühne einiges erlebt. Gemeinsam mit Paulus Manker besetzten Hackl und Pöschl 1984 die Stopfenreuther Au. „Damals waren der Manker und der Pöschl noch befreundet. Die zwei verstehen sich heute so gut wie der Androsch und der Vranitzky. Da ist alle Vermittlung sinnlos.“

Die Freundschaft zwischen Pöschl und Hackl hielt. „Der Hanno hat mich immer im Spital besucht“, freut sich Hackl. „Er hat mir gutes Essen gebracht, ist mit mir spazieren gegangen. Und ich hab ihn ang'fäult. Er hatte viel Geduld mit mir.“ Die fehlt Hackl leider immer noch. Aber er bemüht sich. Er kocht und er plant Benefizveranstaltungen für Krebskranke. Das macht ruhiger. Und doch ist seine Lieblingsbeschäftigung urwienerisch: „Ich häng herum und bin mieselsüchtig.“

Auf einen Blick

Karlheinz Hackl (63) spielte ab 1978 am Wiener Burgtheater, ab 1996 unterrichtete er am Reinhardt-Seminar. 2003 wurde bei ihm ein Tumor im Gehirn entdeckt und wenig später entfernt. 2012 erhielt er den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk. Er ist mit Kollegin Maria Köstlinger verheiratet. Am 4. und am 11. April singt Hackl in der Eden-Bar Lieder, die der verstorbene Georg Danzer für ihn geschrieben hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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2 Kommentare
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danzer

herr hackl sollte einmal die menschenverachtenden worte des danzer nachlesen, welche er vor jahren über das lokal motto geschrieben hat.

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VON GANZEM HERZEN :

Viel Glück !

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