"Coffeehouse Conversations": Fremde treffen im Kaffeehaus

Monika Kalcsics lädt mit ihrem Mann Eugene Quinn nach britischem Modell zu „Coffeehouse Conversations“. Ein Abend im Café Museum. Ins Gespräch kommt man zu zweit, ein Wiener, ein „Fremder“.

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„Weder Dating noch Therapie“: Fremde treffen im Kaffeehaus – (c) Robert Jaeger

„USA Today“ hat schon berichtet, der „New York Times“ war es schon einen Tipp wert, nächsten Samstag berichtet das taiwanesische Fernsehen – über das, was da monatlich in zwei Wiener Kaffeehäusern vor sich geht. „Das“ nennt sich „Vienna Coffeehouse Conversations“ und gründet eigentlich auf einer britischen Idee; allein, es passt eben auch gut nach Wien. So gut, dass die „Conversations“, die eigentlich nur bis August laufen sollten, schon kurz nach Beginn auf unbegrenzt verlängert worden sind.

Samstag, 19 Uhr, Café Museum am Karlsplatz. Am Eingang zum Extrazimmer steht eine Dame und verteilt bunte Klebepunkte – je nachdem, ob man (zumindest gefühlter) Wiener ist oder nicht. Monika Kalcsics, Organisatorin von „Space and Place“, erklärt die Idee, frei nach dem Oxforder Philosophen und Historiker Theodore Zeldin. „Wer bist du?“ – das sei, ihm zufolge, die größte Frage des 21. Jahrhunderts. Bei der Antwort helfe das Gespräch mit anderen, mit Fremden. „Bei den Coffeehouse Conversations kann man jemanden kennenlernen, mit dem man sonst wohl nicht ins Gespräch gekommen wäre“, erklärt Kalcsics. „Und dabei feststellen, was einen selbst gerade bewegt.“

Ins Gespräch kommt man zu zweit, ein Wiener, ein „Fremder“, anhand eines Fragenmenüs, das das Kaffeehausmenü begleitet. „Wogegen haben Sie als Kind rebelliert?“ steht da, oder auch: „Wo sind die Grenzen Ihres Mitgefühls?“ Man müsse nicht alles beantworten, sagt Kalcsics; man müsse sich am Ende auch nicht mögen, nur andere Sichtweisen kennen gelernt haben: „Es soll nicht Speeddating sein und auch keine Psychotherapie.“

Sie selbst hat das Format einst in London und Oxford ausprobiert und damals „fast dagegen rebelliert“: „Reden kann ich doch, mit Fremden auch. Und das noch nach vorgegebenen Fragen zu müssen – das ist eine Provokation ans erwachsene Ich.“ Das Gespräch mit einem Broker aus der City of London („sicher oberflächlich, geldorientiert“) sei dennoch aufschlussreich gewesen. Überhaupt bezeichnet die gebürtige Grazerin, die in Innsbruck Politik und Spanisch studiert hat, Kommunikation als ihr Leitmotiv. Ob als Radiojournalistin oder, wie früher, in der Kommunikation der Katastrophenhilfe der Caritas.

„Space and Place“ hat die 38-Jährige vor einem Jahr mit ihrem Mann Eugene Quinn gegründet, einem Londoner, der vor zehn Jahren erstmals von Zeldins Format der „Conversation Dinner“ gehört hat. Quinn, ein Radioproducer, kann auf eine „nicht sehr strukturierte“, aber spannende Karriere verweisen, er arbeitete auf einem Greenpeace-Schiff, in einer Londoner Anwaltskanzlei oder reiste, von Beatnik-Büchern inspiriert, durch die Welt. In Wien lebt er seit vier Jahren, wo er nun, unter anderem, wieder fürs Radio arbeitet, den Sängerknaben beibringt, auf Englisch zu singen, und als Öko-Reiseleiter englische Touristen in Zügen durch Europa begleitet. In Wien, stellt er fest, „leben so viele Expatriates – aber mit den Einheimischen haben sie fast keinen Kontakt.“ Auch das wolle er ändern.

Und so findet man sich abends im Café Museum mit einer jungen britischen Mutter am Tisch, die in Wien-Währing lebt. Und erfährt von einem toten pakistanischen Vater, früher Verantwortung und drohender Zwangsheirat, spricht über Kinder, das Leben im Ausland und die Schatten des Zweiten Weltkriegs in Wien. Zwei Stunden, dann ist das Gespräch offiziell beendet. Aber niemand steht auf.

Auf einen Blick

Monika Kalcsics und Eugene Quinn verstehen sich mit ihrer Organisation „Space and Place“ als kulturelle Raumgestalter. Bei ihren „Vienna Coffeehouse Conversations“ unterhalten sich ein Wiener und ein Wien-Besucher (oder jemand aus Wiens internationaler Community) mittels eines Fragenkatalogs. Café Museum und Café Heumarkt. Info: www.spaceandplace.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2013)

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