Sieben Dinge über Ellen

Sie musste sich lange von Dosensuppe ernähren, ärgert als Lesbe in Hosenanzügen gern Taliban und betreibt ein eigenes Label. Und heute Nacht sorgt sie als Moderatorin für Frauenpower.

Ellen DeGeneres accepts the award for favorite daytime tv host for her show 'The Ellen DeGeneres Show' at the 2014 People's Choice Awards in Los Angeles
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Ellen DeGeneres accepts the award for favorite daytime tv host for her show 'The Ellen DeGeneres Show' at the 2014 People's Choice Awards in Los Angeles
Ellen DeGeneres accepts the award for favorite daytime tv host for her show 'The Ellen DeGeneres Show' at the 2014 People's Choice Awards in Los Angeles – REUTERS

Eine Frau als Moderatorin der Oscar-Verleihung ist noch die Ausnahme, aber Ellen DeGeneres gibt in der Filmnacht heuer schon zum zweiten Mal den Ton an. Ein Porträt in sieben Fakten, die Sie über Ellen wissen sollten.


Sie ist die witzigste Frau der USA. Ja, das hat sie schriftlich. Ellen Lee DeGeneres, 55, aus New Orleans begann ihre Komikerkarriere (nach Umwegen als Anstreicherin, Kellnerin, Boutiqueverkäuferin und Barfrau), indem sie in einem nationalen Wettbewerb zur „witzigsten Person Amerikas“ gekürt wurde. Und zwar schon 1982, als sie noch auf dem Boden einer winzigen Kellerwohnung schlief und so wenig Geld hatte, dass sie sich von einer Dose Suppe am Tag ernährte. Sie schrieb (aus eigener Erfahrung) einen Sketch über Flöhe und schickte ihn an Fernsehlegende Johnny Carson, fest entschlossen, als erste Komikerin in seiner „Late Show“ zu sitzen. Ihr Wille geschah: „Wenn man seine Ziele nur laut und klar formuliert und das Universum wissen lässt, was man möchte, dann kann man das auch erreichen“, sagte sie in einem Interview mit der „FAZ.“ Die weiteren Ziele des Multitalents: eine eigene Talkshow und die Oscar-Verleihung moderieren. Da hat sie ihr Soll längst übererfüllt: Ihr täglicher Nachmittagstalk Ellen ist die beliebteste Quasselstunde im US-Fernsehen, und die Oscars moderiert sie heuer schon zum zweiten Mal.


Sie sieht sich als Ärgernis der Taliban.
2007 moderierte sie als erste homosexuelle Moderatorin die Academy Awards und genoss es, ausdrücklich darauf hinzuweisen: „Gäbe es keine Schwarzen, Juden und Schwulen, gäbe es keine Oscars.“ Ellen hat nicht nur selbst 13 Emmys gewonnen, auch ihr trockener Humor bei ihren Emmy- und Oscar-Moderationen ist legendär. Unvergesslich, wie sie auf dem Parkett mit dem Staubsauger hantierte und Steven Spielberg fast wegsaugte. Sie setzt so niedlich blauäugig zum Angriff an, dass die Amerikaner ihr die kleinen Boshaftigkeiten verzeihen. Im November 2001, kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center, flachste sie bei der Emmy-Verleihung: „Mal ehrlich: Was könnte die Taliban mehr ärgern als eine lesbische Frau in einem Hosenanzug in einem Saal voller Juden?“


Sie macht Humor sexy. Ellen kann alles. Sie tanzt mit Barack Obama, schlägt Tiger Woods beim Golf, besiegt David Beckham beim Torwandschießen und bringt Unterwäschemodel Miranda Kerr bei, wie sexy geht. So hat sie es sogar zu einem Award von Victoria's Secret gebracht: „Die Trophäe für die sexiesten Lippen hat Scarlett Johannsen gewonnen“, kündigte Ellen enttäuscht an, „Taylor Swift wurde für ihre sexy Haare ausgezeichnet, aber ich gewann die Trophäe für den sexiesten Sinn für Humor.“ Und dazu einen Modelvertrag mit der Firma Covergirl. Wie schön, dass eine eher klein gewachsene Frau mit Ende 40 ohne Botox und Schönheits-OPs für Make-up wirbt. „Wirklich cool, dass sie wissen, dass man Schönheit in verschiedener Weise definieren kann“, sagt Ellen dazu. „Schönheit hat mit Selbstvertrauen zu tun. Damit, dass man sich innerlich gut fühlt und damit, zu wissen, wer man ist.“


Sie hat noch berühmtere Cousinen.
Madonna ist Ellens Cousine elften Grades. Ellen hat aber auch eine Cousine, die noch berühmter ist: Kurz bevor Kate Middleton ihren Prinz William heiratete, präsentierte Ellen in ihrer Show einen Brief von der neuenglischen Gesellschaft für Ahnenforschung, der New England Genealogical Society, der beweist: Catherine, die Herzogin von Cambridge, ist ihre Cousine 15. Grades. Die beiden haben einen gemeinsamen Urahnen, Thomas Fairfax. Ellen DeGeneres rechnet sich deshalb gute Chancen auf die britische Thronfolge aus. Die schlagfertigste amerikanische Komikerin auf dem Thron der eher humorlosen Queen? Da könnte sich selbst ihre Royal Highness das Kichern nicht verkneifen.


Sie schlachtet keine heiligen Kühe. Zumindest die Hofhunde der Queen wären bei ihr gut aufgehoben, denn Ellen ist überzeugte Tierschützerin. Sie hat nicht nur selbst drei Hunde, vier Katzen und zwei Pferde, sondern setzt sich regelmäßig für Tierschutzorganisationen ein. „Wir machen uns alle vor, dass es irgendwo eine glückliche Kuh gibt, die einen schnellen, schmerzlosen Tod stirbt und dass das okay ist“, sagt DeGeneres, „aber in Wahrheit leidet jedes einzelne der Tiere, die geschlachtet werden.“ Und das ist mehr als ein PR-Gag. Auf ihrer Webseite „Going vegan with Ellen“ verrät sie Rezepte für Gurkennudeln und Kürbistorte. Bei ihrer Hochzeit kam kein tierisches Produkt auf den Tisch, und sie hat eine Kuh namens „Holy“ („heilig“) adoptiert.


Sie sticht Hollywoods Traumpaare aus.
Ellen war 1997 auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Popularität – dann outete sie sich bei Fernsehlegende Oprah Winfrey und in ihrer eigenen Sitcom „Ellen“ als Lesbe. Für ihren Mut wurde sie mit einem Emmy belohnt, aber das nutzte nichts mehr: Konservative Christen riefen zum Boykott ihrer Sendung auf und schafften es, die Sendung abzusetzen. Vier Jahre stand Ellen, selbst streng christlich aufgewachsen war, im Karriere-Abseits. Sie tingelte als Stand-up-Comedian durch Clubs, um sich über Wasser zu halten. Von der meistgeliebten zur meistgehassten Entertainerin – aber auf Dauer konnten die Amerikaner ihrem trockenen Humor nicht widerstehen und nun ist sie wieder Everybody's Darling: In den vergangenen sieben Jahren wurde sie jedes Jahr zur beliebtesten Moderatorin einer Tages-Talkshow gewählt. Schon 2008 hat sie ihre Partnerin mit der Zuversicht geheiratet, „dass die Tatsache, dass Schwule und Lesben nicht heiraten durften, uns bald genauso absurd vorkommen wird wie einst das Wahlverbot für Frauen“. Sie und ihre Ehefrau Portia di Rossi stechen sogar Hollywoods Traumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt aus: Amerikaner sagen bei Umfragen regelmäßig, wenn sie die Wahl hätten, von einem Hollywood-Paar adoptiert zu werden, dann am allerliebsten von Ellen und Portia.


Sie ist wie ein brillantes Kind.
Jeder, der ihre Show regelmäßig sieht, weiß, dass Ellen gerne spontan tanzt, aber die wenigsten wissen, dass sie ein eigenes Musiklabel gegründet hat: Eleveneleven. Das heißt so, weil sie angeblich oft die Nummer 11:11 sieht, wenn sie morgens auf ihren Wecker starrt. Ihre Künstler wählt Ellen auf originelle Weise: Meist klickt sie sich durch YouTube-Videos, bis sie eine Band findet, die sie interessiert. Dann lässt sie Zuschauer abstimmen, wen sie am besten finden. Dabei scheut sie nicht davor zurück, junge Talente zu fördern: Ihr jüngster Star, Savannah Robinson, war bei der Entdeckung erst zwölf. Das passt, denn Kollege Robin Williams beschrieb Ellens quirligen Stil einmal so: „Man hat das Gefühl, man hat es mit einer sehr brillanten Zwölfjährigen zu tun.“

Steckbrief

Ellen Lee DeGeneres
wurde am 26. Januar 1958 in Metairie in Louisiana geboren, später zog sie mit ihrer Mutter nach Atlanta. Ihr Studium brach sie ab, verdiente ihr Geld mit Gelegenheitsjobs.

Ihr Handwerk lernte sie als Stand-up-Komikerin in kleinen Clubs. Seit 2003 holt sie ausgefallene Gäste und Stars in ihre Talkshow „The Ellen DeGeneres Show“.

Seit 1997 bekennt sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität. Seit fünf Jahren ist Ellen DeGeneres mit der Schauspielerin Portia de Rossi verheiratet.

DeGeneres löst heuer Seth MacFarlane auf der Oscar-Bühne ab. Er hat sich 2013 mit beleidigenden Witzen Kritik eingehandelt. Ellen hat die Oscars bereits 2007 moderiert. ABC

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2014)

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