Wie wohl Hillary Clinton, die dieses Wochenende zur Eröffnung der Biennale Venedig angekündigt ist, reagieren wird, wenn sie in einem nachgebauten „Oval Office“ im Italienischen Pavillon Sharon Stone als Alter Ego sehen muss, in einem großartig, inklusive aller Klischees gefälschten US-Wahlkampf-Spot von Künstler Vezzoli? Genau jener Hollywoodstar, von dem sich Hillary Clinton bei einer Aids-Gala in Wien erst vor kurzem offizielle Fotos mit ihrem Gatten (vergeblich) verbat?
Wahrscheinlich reagiert sie ähnlich cool wie Kunstministerin Claudia Schmied, die bei der hochoffiziösen Eröffnung des österreichischen Pavillons am Freitag wie alle anderen erstaunt aus der sehr kunsteuphorischen Rede von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erfahren durfte, dass eine „Pro Austria“-Stiftung für Kunstförderung geplant ist.
Neue „Pro Austria“-Stiftung?
Schmieds ebenfalls überrascht lauschender Kabinettschef Wandaler wusste davon bislang ebenfalls nichts – und verwies für nähere Infos prompt auf das (Kunst?-)Kanzleramt. Etwa eine kleine, frech im Kultur-Revier wildernde Retourkutsche des Bundeskanzlers für Schmieds Sieg im Kampf um den Operndirektor?
„Natürlich nicht!“, wurden derartige süffisante Kommentare aus der massig angereisten heimischen Kunstszene vom federführenden Kanzlerbüro dementiert. Denn gerade vor aller Neugieriger Augen – u.a. der Museumsdirektoren Max Hollein, Peter Noever, Agnes Husslein – sollte zwischen Schmied und Gusenbauer wohl post-operettenhafte Einheit zelebriert werden. Startenor-Namen waren trotzdem nicht das, was der Kanzler in seinen zwei venezianischen Nächten, die er (großteils) im Kloster auf San Giorgio Maggiore verbrachte, zu hören wünschte. Hörte man.
Schmied und ihr Mini-Tross erledigten die offiziellen Ö-Termine – vom exklusiven Mittagessen im Palazzo Contarini bis zur rustikalen Strand-Disco-Party mit Kanzler, BP Fischer, Minister Bartenstein, alle samt Ehefrauen, und everybody's Maler-Darling Herbert Brandl – jedenfalls auffallend gut gelaunt.
Ebenfalls äußerst gefasst reagierten die ministeriellen Brandl-Groupies Herr und Frau Bartenstein, als sie von Galeristin Rosemarie Schwarzwälder erfahren mussten, dass um die Biennale-Gemälde bereits wichtigere Interessenten, Museen und internationale Sammler, ritterten.
Einige Bilder etwa hat bereits die deutsche Sammlung Rheingold erworben, die sie, ergänzt um frühere Werke Brandls, als Dauerleihgabe in die Albertina geben wollen. Womit es zumindest noch jemanden gab, der in Venedig einen veritablen Grund zum Strahlen hatte – Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2007)