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„Achttausender besteigen ist nicht kreativ“

14.09.2007 | 18:33 |  >>STADTMENSCHEN VON ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Bergsteiger Reinhold Messner und Sportartikel-Hersteller Heiner Oberrauch haben vieles gemeinsam: Sie sind Weinbauern und Ruinenbesitzer. „Die Presse“ sprach mit den Freunden.

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Wien hat seit diesem Wochenende ein neues Bergsportgeschäft. Mitten in der Innenstadt. Der Inhaber des Familienunternehmens Salewa ist der Südtiroler Heiner Oberrauch (47). Seine Familie ist eng mit Reinhold Messner (62) verbunden.

Die zwei Südtiroler verbindet aber nicht nur die Arbeit mit den Bergen, sie sind auch beide Wein- und Bergbauern – und Ruinenbesitzer. Es lag also auf der Hand, dass Messner als „Stargast“ zur Geschäftseröffnung am Donnerstag kam – inklusive Segnung durch Dompfarrer Anton Faber. Mit Wien wird die zwei in Zukunft noch etwas verbinden: Eine von Oberrauchs Töchtern beginnt, so wie Messners 19-jährige Tochter, im Oktober ihr Studium in Wien. „Die Presse“ traf die engen Freunde im neuen Geschäft.

 

Die Presse: Herr Oberrauch, es heißt, Sie wollen Salewa in Zukunft auch in anderen Bergsportorten eröffnen. Jetzt ist ja Wien nicht unbedingt ein Bergsportort – warum also Wien?

Heiner Oberrauch: Weil Wien eine hohe alpinistische Tradition hat. Und es soll hier das Tor zu den neuen Märkten in Osteuropa sein.

 

Reinhold Messner: Es gibt in Wien eine 150-jährige Tradition die Alpen betreffend.

Wie lange sind Sie befreundet?

Oberrauch: Ich war 14, da hat der Reinhold einen Kletterkurs gemacht und wir sind zusammen am Rosengarten eine Tour gegangen. Als junger Bergsteiger war er natürlich das große Idol. Und sein Bruder Sigfried (verunglückte 1985 durch einen Blitzschlag am Stabeler Turm, Anm.) verbindet uns, der hat 1983 mit mir angefangen, Salewa in Italien zu vertreiben.

 

Messner: Seit ein paar Jahren widmen wir uns dem Thema Berg, da arbeiten wir also auch ganz konkret zusammen: Ich mache die Bergmuseen, der Heiner wird in Bozen eine große Zentrale für Salewa schaffen, so wollen wir Bozen zur Berghauptstadt Europas machen, was derzeit noch Chamonix ist.

 

Oberrauch: Und ganz wichtige Bausteine dabei sind die fünf Bergmuseen, die zusammen das „Messner Mountain Museum“ sind.

 

Messner: Das Herzstück der Museen liegt in der Burgruine Siegmundskron, oberhalb von Bozen. Ich selbst wohne im Schloss Juval im Vinschgau, das auch ein Museum beheimatet. Wir sind alle Ruinenbesitzer.

 

Sie auch, Herr Oberrauch?

Oberrauch: Ja, ich habe genau auf der anderen Talseite von Bozen eine Ruine. Wir können also Feuerzeichen hin und her schicken. Wir nennen uns Kulturburg und Restaurant.

 

Und Sie wohnen dort auch?

Oberrauch: Nein. Das widerspricht dem Familiengeist. Bei uns gilt eher die gepflegte Einfachheit.

 

Sie beide – als Burgbesitzer – haben also ziemlich viel Geld mit dem Geschäft „Berg“ verdient?

Messner: Also, der Heiner musste ja Geld verdienen mit seinen Geschäften, sonst wäre es ja nicht weitergegangen. Bei mir ist es ein bisschen anders. Ich habe mich immer nur gefragt, ob ich meine Projekte überhaupt finanzieren kann. Dass eine solche Tour dann als Abfallprodukt auch wirtschaftlich so viel abwirft, dass man die nächste machen kann, das ist eine Selbstverständlichkeit.

 

Herr Messner, Sie sind Bergsteiger, Wirt, Autor. Als was sehen Sie sich?

Messner: Ich habe keinen Beruf. Ich habe u.a. Hoch- und Tiefbau studiert, das aber nie ausgeübt. Ich sage auch, der Mensch muss nicht unbedingt einen Beruf haben. Ich habe mich im Grunde in lauter nicht gelernten Tätigkeiten versucht und alle 15 Jahre einen Umstieg gewagt. Ich war Felskletterer, dann Höhenbergsteiger, dann Grenzgänger in der Horizontalen, dann Forscher, Politiker und jetzt bin ich Museumsgestalter.

 

Letzte Woche hat die österreichische Bergsteigerin Gabriele Kaltenbrunner geheiratet. Sie haben sie kritisiert, weil sie ständig darüber spricht, alle 14 Achttausender besteigen zu wollen. Warum?

Messner: Nein, es ist einfach so, die Achttausender besteigen ist heute keine wichtige Geschichte mehr. Das ist auch nicht kreativ. Sie ist eine großartige Bergsteigerin, aber mich wundert das ihr nichts Gescheiteres einfällt.

 

Aber das ist doch das, was Sie auch gemacht haben?

Messner: Die 14 Achttausender waren bei mir am Ende eine Summe von vielen verschiedenen Zugängen. Aber mir ging es nie um die 14 Achttausender, sondern um die Besteigung eines Achttausenders im Alleingang, die Besteigung des Everest ohne Sauerstoffmaske etc. Am Ende kamen halt alle 14 Achttausender heraus. Sie hat ja, glaube ich, schon zehn. Jetzt soll sie mal die vier machen und dann werden wir alle applaudieren. Ich mein', die Paris Hilton geht ja auch überall herum und sagt, heute macht sie das und jenes. Oder der Grasser und die Fiona. Und Kaltenbrunner macht das halt so ähnlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)

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9 Kommentare
Gast: Manfred Salzkammergut
03.12.2007 20:47
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Lieber Herr Messner

Lieba Herr Messner,
bei Ihnen hat sich höchstwahrscheinlich das Ego verselbständigt; früher hatten Sie es grad so unter Kontrolle - aber wenn man in der Wirtschaft was erreichen will, muss man wohl sein Gefühl abgeben und zu einem mehr oder minder dumpfen A... mutieren!
Tun Sie es, doch auch für mich und meine Bergkameraden gilt ab jetzt: Hände weg von Ihnen und Salewa-Produkten.
Bin gespannt, ob Fahrenheit 453 auch für ihr Buch "Überlebt" gilt - muss ich gleich heut am Lagerfeuer noch ausprobieren.
Füttern Sie Ihr Ego in Zukunft ALLEINE.
Manfred.

Gast: bernhard
16.09.2007 19:42
0 0

"kreativer" Rufmord

Hrn. Messner alpine Leistungen sind bekannt. Dass sie auf einer eher fragwürdigen Ideologie basieren, hat Stefan Meineke in seiner ausgezeichneten Analyse "Zwischen Wahn und Wirklichkeit" im AV-Jahrbuch 2003 sehr gut dargelegt (Lesen!). Messners Kreativität beschränkt sich in den letzten Jahren jedoch ausschließlich auf die Erlangung maximaler Medienpräsenz. In diesem Bereich sucht er daher vornehmlich seine "Feinde" und versucht sie mit fiesen Methoden zu vernichten. Dass das, was er über Gerlinde Kaltenbrunner schreibt, falsch ist, weiss jeder, der sie kennt oder sich mit ihrem Werdegang beschäftigt, dass seine Aussagen einen auf niedrigstem Niveau versuchten Rufmord darstellen, wird wohl jedem anständigen Leser klar werden. Es ist bedauerlich, dass eine "Qualitätszeitung" wie die Presse Hrn. Messner eine Bühne für seine Hasstiraden bietet. Meine Konsequenz aus diesem Artikel ist: Messner ignorieren, keine Salewa-Produkte kaufen und mein Presse-Abo kündigen.

Gast: iisalmi
15.09.2007 11:05
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grösse

... und mich wunderts dass dem Herrn Messner auch heute nichts Gscheiteres einfällt als ueber das Tun der andren Gericht zu sitzen, 'richtig' und 'falsch', 'kreativ' und 'unwichtig' zu definieren. Keine Frage. dass Herr Messner in den Bergen Grosses geleistet hat. WAHRE Grösse verträgt sich meiner Meinung nach mit Selbstherrlichkeit jedoch nur schlecht.

Gast: Blitzky
14.09.2007 22:16
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Wenn zwei das Gleiche machen...

.. ist das noch lange nicht das Selbe!
Messner hat sich bekanntlich in maximal kreativer Art den Gipfeln entgegen zelebriert, während Frau Kaltenbrunner nur ganz ordinär schnaufend die Berge hochkeucht. Da liegen doch Welten dazwischen. Völlig unglaublich, dass das nicht alle Leser sofort erkannt haben....

Gast: N:N
14.09.2007 19:47
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Ach ja und noch was

Frau Kaltennbrunner brach eine Expedition am Mount Everest ab weil ihr Kamerad höhenkrank geworden ist.

So etwas "Kreatives" wäre Ihnen niemals eingefallen.

Hoffentlich lesen Sie das!!

Gast: N:N
14.09.2007 19:41
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Ach ja und noch was

Frau Kaltenbrunner hat sämtliche Berge im Alpinstil bezwungen und hatte nicht wie Sie einen A...voll an Material und Seilzügen und Helferleins die für Sie den Weg frei gemacht haben

Gast: N:N
14.09.2007 19:38
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Herr Messner

Sie rennen ja auch in der ganzen Welt herum und erzählen was Sie nicht alles gemacht haben!!! Sie erzählen es sogar hier!

Die letzte Aussage über Frau Kaltenbrunner ist eine präpotende Frechheit. Alles was aber Sie machen ist was Besonderes nicht war?

Für diese Charaktereigenschaft haben Sie schon oft den Titel "Gröbaz" eingefahren - mit Recht wie ich meine.

Antworten Gast: Walther Lücker
24.11.2007 10:10
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Re: Herr Messner

Nur zur Aufklärung: Der Titel "Gröbaz" wurde Reinhold Messner von Journalisten verliehen. Er stand wahrscheinlich zum ersten Mal im "Spielgel". "Gröbaz" ist eine Abkürzung und bedeutet und der Lanversion: "Größer Bergsteiger aller Zeiten". Es ist dies wahrscheinlich der wertvollste Titel, den Reinhold Messner je von Journalisten erhalten hat.

Antworten Antworten Gast: N:N
03.07.2008 12:10
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Re: Re: Herr Messner

Sorry das wußte ich nicht. Aus den Büchern die ich gelesen habe war zu erkennen dass dort das "Gröbaz" eben etwas ironisch, kritisch benutzt wurden