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B. Kerner verlässt die Fernsehküche

02.01.2008 | 18:20 |  >>STADTMENSCHEN VON ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Johannes B. Kerner, Deutschlands erfolgreichster Talkshow-Moderator, hat genug davon, anderen in die Töpfe zu schauen. Und er entschuldigt sich bei Eva Herman.

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Wenn man nicht wüsste, dass Johannes B. Kerner alles, was er sagt, tatsächlich ernst meint, man könnte glauben, der farblose Moderator hätte sich einen Scherz mit einem Kollegen erlaubt.

Während der vergangenen Monate wurde unentwegt (und nicht nur in Deutschland) über den grassierenden Kochshow-Boom geschrieben und geredet – und wieder geschrieben. Und Kerner wurde dabei immer wieder als perfektes Beispiel herangezogen, wie man das wirklich richtig macht, so eine Küchenshow moderieren. Seit mehr als zwei Jahren führt der 43-jährige Bonner jeden Freitagabend durch „Kochen bei Kerner“. Und wenn er da mit seinem schicken Anzug im Hamburger Hightech-Kochstudio steht und dem spitzbärtigen Rolf Zacherl, dem für manche ein wenig prolligen Tim Mälzer, dem Urgestein des Fernsehkochens, Johann Lafer, und der omnipräsenten Sarah Wiener beim Braten, Blanchieren und Zwiebelschneiden über die Schulter sieht, dann mögen das die Zuseher offenbar. Auch wenn er zwischendurch nervige Streber-Fragen stellt. Durchschnittlich 1,7 Mio. Menschen schalten „Kochen bei Kerner“ jeden Freitagabend ein, und damit ist die Sendung die beliebteste von insgesamt (und grob geschätzten) 30 TV-Kochformaten im deutschen Fernsehen. Und trotzdem hört Kerner jetzt damit auf. Wie er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ am Mittwoch verraten hat.


Für mich sind das 40 Sendungen im Jahr weniger“, sagt Kerner ganz pragmatisch. Im Jahr 2008 würde er, der gelernte Sportmoderator, ja noch an anderer Front gebraucht. Für die Fußball-Europameisterschaft im Juni und für die Olympischen Spiele in Peking kurz darauf. Seine reine Talk-Sendung, die „Johannes B. Kerner Show“, die er seit bald zehn Jahren vier Mal die Woche in der sogenannten „Zweiten Primetime“ moderiert, bleibe ihm ja auch noch. „Ohne Reduzierung ginge das alles nicht“, gesteht der Strahlemann des deutschen Fernsehens ein. „Eher kurzfristig“ werde er also die Kochsendung am Freitag abgeben. An wen sei aber noch nicht bekannt.

Kerner selbst will sich dafür (und nicht nur wegen Euro und Olympia) wieder mehr dem Sport widmen, der ihn Anfang der Neunzigerjahre bekannt gemacht hat. Damals begann er 1994 als Moderator des Sat1-Fußball-Magazins „ran“, wo ihm die guten Quoten zwei Jahre später seine erste eigene Talkshow „Kerner“ bescherten – und ihn der ZDF 1998 zu sich holte.

Von nun an ging es für den ehrgeizigen B. Kerner (das B steht nicht für Bundesliga, wie manche meinen, sondern für Baptist) stets steil bergauf. Im ZDF setzt man seit mehr als zehn Jahren konsequent auf den Quotenbringer (der Vertrag für die Talkshow wurde kürzlich um drei Jahre verlängert) und stärkt ihm auch gern den Rücken, wenn es mal wieder Kritik hagelt. Und die hagelte es im vergangenen Jahr überdurchschnittlich oft. Weil er als Testimonial für den Börsegang von Air Berlin die Aktien des Unternehmens als „Sieger-Aktien“ anpries und Wertpapier-Experten davor warnten. Und weil er Eva Herman, die Ex-„Tagesschau“-Sprecherin, frühzeitig aus seiner Sendung warf, weil sie ihre davor getätigten, positiven Aussagen über die Familienpolitik im Nationalsozialismus nicht zurücknehmen wollte. Mit den Worten „Autobahnen geht halt nicht“ ließ er sie gehen. Das bedauere er sehr, sagt er der „Süddeutschen“. Er traut sich das zu sagen, weil er weiß, der ZDF hält trotzdem viel von ihm. Mit und ohne Kochlöffel.

ZUR PERSON

Das B. in Johannes B. Kerners Namen steht für Baptist. Der 1964 in Bonn geborene wuchs bei seinem Vater in Berlin auf, studierte BWL. 1984 begann er mit einem Praktikum beim Sender Freies Berlin (SFB), führte ab 1992 auf SAT1 durch die Sportsendung „ran“.

Seit 1998 moderiert er vier Mal die Woche seine eigene Talkshow auf ZDF, seit 2004 zusätzlich am Freitag „Kochen bei Kerner“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2008)

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6 Kommentare
Gast: Knut
05.01.2008 16:26
0 0

Nicht entschuldigt!

Sie behaupten in Ihrem Text, Herr Kerner habe sich bei Frau Herman entschuldigt. Das ist falsch!
Ganz im Gegenteil, bei dem Interview in der SZ hat der Herr bewußt eine neue Lüge aufgetischt. Er behauptete, Frau Herman habe gehen WOLLEN, und er habe sie nicht zurück gehalten.
Gehen wollte Senta Berger, die das mehrfach ankündigte und doch nicht tat.

Gast: Rosi L.
04.01.2008 12:02
0 0

Unwahrheit

Eva Herman hat nie positive Aussagen über die Familienpolitik des Nationalsozialsmus gemacht. Sie spricht von Familienwerten, die von Nationalsozialisten MISSBRAUCHT wurden.
Aus dem Zusammenhang reißen, verzerren und dann plakativ wiedergeben: Diese Taktik wird immer wieder angewendet um Menschen mit unbequemen Meinungen zu diskreditieren.

mountain
03.01.2008 10:41
0 0

Ich mag es nicht, wenn man mich anlügt.

Ich mag Die Presse.com eigentlich.

Aber Lügen mag ich mir nicht servieren lassen.

Was Sie in diesem Artikel Frau Herman nachsagen ist UNWAHR!

Es tut mir persönlich leid, dass Sie sich hier auf die Seite der mächtigen Lügner stellen.

Segantini2
02.01.2008 22:12
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Verfälschende Lobhudelei

Es gibt keinerlei NS-"positive" Äußerungen der "Laut gegen Nazis" engagierten Autorin, sondern lediglich ein verfälschtes Zitat, das Herman mehrfach richtigstellte: "damals wurden diese Werte pervertiert und mißbraucht". Sie zeigte weiterhin auf, daß dem Experten zufolge bereits das Befahren einer Autobahn NS-verherrlichend wäre. Diesem Disput war die Runde nicht gewachsen, und Herman "flog 'raus", wie die ZDF-eigene Website zu berichten weiß. Seltsam, daß Kerner der Süddeutschen nun eine ganz und gar unglaubwürdige Version dessen anbietet, was Millionen von Zuschauern als ekelhaften Schauprozeß empfanden.

Antworten Gast: gastO5
03.01.2008 11:21
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was Millionen von Zuschauern als ekelhaften Schauprozeß empfanden?

schön locker bleiben.
milliarden zuschauer fanden wohl eher die herman ekelhaft.

Antworten Antworten Gast: Knut
06.01.2008 16:58
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Re: was Millionen von Zuschauern als ekelhaften Schauprozeß empfanden?

Zitat: milliarden zuschauer fanden wohl eher die herman ekelhaft.

Da greifen Sie recht hoch! Die Sendung wurde nicht weltweit ausgestrahlt und erreichte deswegen keine Milliarden Zuschauer, sondern gerade einmal 2,65 Millionen. Von denen haben sehr viele Sympathie für Frau Herman empfunden. Nicht ihrer Thesen wegen, sondern wegen des unsäglichen Umganges mit einem Menschen, der sich erlaubt hat, eine andere, eigene Meinung zu artikulieren!