Gesucht: Der perfekte Partner für ein Kind

Auf der US-amerikanischen Online-Plattform Modamily.com kann man Partner für die Elternschaft finden. Der Name ist eine Anspielung auf die Patchwork-Familienserie "Modern Family".

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(c) Erwin Wodicka

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Diese bittere Erkenntnis traf mehr und mehr Freunde und Kollegen im Umfeld des Amerikaners Ivan Fatovic, die bis dahin eigentlich alles richtig gemacht hatten. Die Ausbildung war mit Auszeichnung absolviert, die Karriere lief glänzend, das Heim war makellos dekoriert und zur Hälfte abbezahlt – nur die Sache mit dem Partner fürs Leben war irgendwo auf der Strecke geblieben. Und das wurde mit Ende 30 für immer mehr von ihnen zum Problem: Die Uhr tickte, der Kinderwunsch wurde größer und die Option, „irgendjemanden“ zwecks Familiengründung zu heiraten, war keine. Eine Situation, der Fatovic mit der Gründung einer Online-Plattform begegnete, die bei der Lösungen dieses Dilemmas helfen soll. Modamily nannte der 38-Jährige seine Website, als Abkürzung von „Modern Family“, der TV-Serie, die für ihre Geschichten über eine Patchwork-Großfamilie mit den unterschiedlichsten Lebensmodellen seit Jahren Preise einheimst.

Vor knapp zwei Jahren gegründet, kann Modamily.com mittlerweile über 8000 User vorweisen, die ernsthaft auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin für eine gemeinsame Elternschaft sind. 65 Prozent der registrierten Nutzer sind Frauen, die überwiegende Mehrheit heterosexuelle, bisher lediglich 20 Prozent homosexuelle Menschen. Wobei Fatovic davon ausgeht, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren mit der Anzahl der Staaten, die die gleichgeschlechtliche Ehe erlauben, wachsen wird.

„Modamily richtet sich an Menschen, die bereit sind, verantwortungsvolle Eltern zu werden, in welcher Konstellation auch immer“, definiert Fatovic seine Zielgruppe im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Für Preise zwischen 29,95 US-Dollar (22 Euro) für das Monats-Onlineabo bis zum Paket mit persönlichem Concierge-Service für vier Monate um 199,95 US-Dollar (rund 145 Euro) finden Kunden mit Kinderwunsch hier neben zahlreichen Informationen zu rechtlichen Aspekten, medizinischen Möglichkeiten und Adoptionsverfahren ein Service, das dem klassischer Partnersuche-Websites nicht unähnlich ist. Mitglieder füllen bei der Anmeldung einen Fragebogen aus, der Auskünfte über Grundsätzliches wie Alter, Familienstand, ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Beruf und Vermögensverhältnisse gibt. Darüber hinaus werden in einem sogenannten „Quiz“ auch Fragen nach den Vorstellungen, die der- oder diejenige für den erwünschten Nachwuchs hat, gestellt und beantwortet. Soll es eine private oder öffentliche Schule sein? Welche Rolle wird die Religion in der Erziehung spielen? Ist es gewünscht, in einem gemeinsamen Haushalt zu leben? – das sind nur einige der Fragen, die die Modamily-User beantworten müssen, um eine mögliche Übereinstimmung herauszufiltern. „Wir empfehlen hier eine Kompatibilität von mindestens 75 Prozent“, erklärt Fatovic. Dann habe eine Kontakaufnahme aus seiner Sicht Sinn. Denn als Plattform für potenzielle Leihmütter, Samen- oder Eizellenspender sieht er seine Seite nicht. Zwar spreche nichts dagegen, wenn jemand auch auf seiner Website versuche, dafür einen Partner bzw. eine Partnerin zu finden, grundsätzlich unterscheide sich sein Modell aber von üblichen Seiten darin, dass es bei Modamily vor allem um „involvierte Elternschaft“ geht, wie Fatovic es formuliert.


Involvierte Elternschaft. Um die geht es auch Rachel Hope. Die 42-jährige Immobilienentwicklerin und Buchautorin hat gerade bei Modamily den Vater für ihr drittes Kind gefunden, der in das Leben und die Erziehung des gemeinsamen Nachwuchses intensivst eingebunden sein soll. Dass ein solches Konzept für sie persönlich möglich ist und funktioniert, hat Hope bereits mit den Vätern ihrer beiden älteren Kinder herausgefunden. „Der Vater meines Sohnes und ich haben dieses Konzept quasi erfunden“, lacht die Kalifornierin, deren Buch „Family by Choice – Platonic Partnered Parenting“, bei Amazon als E-Book erhältlich ist. Als junge Umweltaktivistin hatte sie mit 19 zwar schon einen ausgeprägten Kinderwunsch, aber kein Vertrauen in die Ehe. Zu viele waren in ihrem Umfeld bereits in die Brüche gegangen, als dass sie ihr Kind dem Risiko aussetzen wollte, Schaden durch das Scheitern der elterlichen Beziehung zu nehmen. So verwirklichte Hope mit einem engen Freund, zu dem sie aber nie eine Liebesbeziehung hatte, den Plan des Co-Parenting, der gemeinsamen Erziehung. Der heute erwachsene Sohn Jesse wuchs auf einem großen Grundstück mit zwei Häusern auf, in dem seine Eltern lebten; Tochter Grace kam vor fünf Jahren in einer ähnlichen Konstellation zur Welt und soll nun noch ein Geschwisterchen bekommen, ehe die biologische Uhr ihrer Mutter abgelaufen ist. „Die höre ich mit 42 natürlich laut ticken“, gibt sie zu. Von gedankenlosen Experimenten zur Verwirklichung romantischer Hippie-Ideale ist Hope allerdings weit entfernt. Sie rät, wie auch der ausführliche Ratgeberbereich auf Modamily, jedem potenziellen Elternpaar zu ausführlichster vertraglicher Festlegung aller nur erdenklichen Details und betont, dass ein uneingeschränktes Bekenntnis zur gemeinsamen Elternschaft, das bedingungslos das Wohl des Kindes in den Vordergrund stellt, die Basis dieses Familienmodells sei.

Das steht auch für Fatovic im Mittelpunkt, der sich durch seine Arbeit immer wieder harscher Kritik konservativer Organisationen ausgesetzt sieht.

„Wir sagen nicht, dass das eine oder das andere Familienmodell besser oder schlechter ist“, betont er, „wir verstehen uns lediglich als ein Angebot, Menschen in Kontakt zu bringen, die verantwortungsvolle Eltern werden und ein Kind mit Liebe großziehen wollen.“ Ein Angebot, das bereits von Erfolg gekrönt wurde: Das erste Modamily-Baby kam im vergangenen Jahr im kanadischen Toronto zur Welt.

Wahlfamilien

»Family by Choice - Platonic
Partnered Parenting«
von Rachel Hope gibt Informationen von der Partnersuche bis zur Vertragsgestaltung. 130 Seiten, 7,82 Euro; E-Book: 4,55 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2014)

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