12.02.2012 07:22 | Meine Presse Merkliste0

"Germany's next Topmodel": Farblose Models aus der Retorte

05.06.2008 | 18:23 |  >>STADTMENSCHEN VON ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Die dritte Staffel von „Germany's Next Topmodel“ ist seit gestern vorbei, und die ersten beiden Siegerinnen sind schon längst wieder vergessen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

 

Sie trug ein silberglänzendes Kleid mit asymmetrischem Ausschnitt. Die Katzenaugen waren frisch nachgezogen, die roten Haare zu einer wilden Mähne auffrisiert, als sie beim 16.Wiener Life Ball ankam. Fotografiert wurde die – passend zum Ball-Motto – galaktisch gestylte Barbara Meier aber nur, weil ihr ein umsichtiger Fädenzieher im Hintergrund vor dem Einzug auf den Rathausplatz die weibliche Claudia Schiffer, Markus Schenkenberg, zur Seite gestellt hatte. Ihn kennt und erkennt man, sie (noch) nicht.

Oder vielleicht überhaupt nie mehr. Denn Barbara Meier hat ihr Jahr als Siegerin von „Germany's Next Topmodel“ ab heute hinter sich. Ab jetzt gibt es eine neue Siegerin bei der Pro7-Modelcasting-Show. Eine Neue, die sich den Fotografen und Laufstegen der Welt (oder eher nur Deutschlands) stellen wird dürfen – und müssen. Das ist so wie bei den Schönheits-Missen. Auch „Miss World“ oder „Miss Austria“ ist man exakt ein Jahr lang. Ein Jahr, in dem die frühere Mathematik-Studentin Barbara Meier zwar viel gesehen hat (von Fernseh- und Fotostudios bis zu Charity-Events wie dem Life Ball), richtig gut ins (Model-)Geschäft gekommen ist sie nicht.


Die anfangs scheue 21-Jährige aus dem oberbayrischen Amberg hat in dem Jahr immerhin an Selbstbewusstsein gewonnen. Auch schon etwas. Und weil zwischen dem Shooting für das Titelbild der deutschen „Cosmopolitan“, Werbeaufnahmen für den Schokoriegel Yogurette und den einzigen größeren Laufstegauftrag bei der Berlin Fashion Week offenbar genug Zeit bleibt, hat Meier kürzlich entschieden, ihr Mathematik-Studium zu beenden. Ganz nebenbei ist sie Botschafterin für das „Jahr der Mathematik 2008“.

Ähnlich unspektakulär wie Meiers Werdegang im Modelbusiness ist auch der von Lena Gercke, Siegerin der allerersten „Next Topmodel“-Staffel, die Heidi Klum zum Zeitpunkt ihres Sieges zum Verwechseln ähnlich sah (was damals viele als Grund für ihren Sieg werteten). Die gerade erst 18-jährige Gercke hat nur leider (noch) kein zweites Standbein, immerhin hat sie nach und trotz ihrem Show-Sieg die Matura gemacht. Auf ihr ruhten nach dem Sieg die allermeisten Blicke. Was wird aus einer 16-jährigen Schülerin, die ein TV-Casting gewinnt, hatten sich viele gefragt. Am Life Ball hätte man sie vermutlich auch nicht erkannt.

Die Sendung auf Pro7 verzeichnet allerdings auch im dritten Jahr durchwegs gute Einschaltquoten. Die deutschen Zeitungen und Webseiten waren in der vergangenen Woche voll von Analysen und Berichten über die oft als unfair und Klum-lastig bezeichnete Sendung.

Auch die Online-„taz“ ließ am Donnerstag in der „Entscheidung des Tages“ ihre Leser über Heidi Klums Sendung abstimmen. Die Antwort „Klum ist ekelhaft und macht sich zum Maß aller Dinge“ wurde mit 54 Prozent am meisten angeklickt. Die Kritik der Intellektuellen gehört zur Sendung wie die vielen Fans, die zugeben, der Sendung verfallen zu sein.

Die beiden Schicksalsgenossinnen Meier und Gercke haben bei der Pressekonferenz vor dem Ende der dritten Staffel in einem Kölner Hotel immerhin eines geschafft: Sie werden mit ihren vollen Namen genannt. Den neuen Finalistinnen Jennifer, Janina und Christina war das nicht gegönnt. Zum schön Lächeln braucht man offenbar keine Identität.

Die Sendung

„Germany's Next Topmodel“ auf Pro7 mit Heidi Klum gilt auch nach der dritten Staffel als umstritten. Die Mädchen würden systematisch degradiert, heißt es oft.

Auch Exmodel Tatjana Patitz plant ein solches TV-Format.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Gast: Titania
06.06.2008 15:21
0 0

ein bisschen Objektivität schadet nie

Warum wird nur immer so viel abgeläster, wie wenig die neuen Topmodels eigentlich erreicht haben. Hier spricht wohl der Neid. Die Mädels bekommen eine Chance, von der viele nur träumen können oder eben neidisch und unsachlich werden. Wer von den großen Models ist denn schon nach einem oder zwei Jahren so bekannt gewesen, dass sie jeder Ottonormalo gekannt hat?

Hübner
06.06.2008 03:48
0 0

Fädenzieher im Hintergrund

Mit Desinformation ist das so eine Geschichte, oft läßt es sich schwer sagen ob Schwachsinn oder Böswilligkeit der Fall ist; was nicht heißt, daß sie nicht bestraft wird, so oder so.

Gast: gast
05.06.2008 23:37
0 0

Schwarzmalerei

Mal schreibt ihr Janina sei 23 dann wieder 24, was denn nun?

Zudem habe ich nicht ein einziges positives Komentar über Heidi gelesen.
Ich finde wir sollten stolz auf unsere Heidi sein, sie hat eine sympatische Ausstrahlung, wovon sich z.B. Schlägerbraut Naomi und andere mal eine Scheibe abschneiden können. Heidi ist natürlich und auf dem Teppich geblieben!

Antworten Gast: Silvia
06.06.2008 22:45
0 0

Re: Schwarzmalerei

Also ich glaube nicht, dass wir Stolz auf Heidi sein können.
Sie denkt meiner Meinung nach nur an PR und Geld.
Das ganze öffentliche Geschmuse mit Seal, nehme ich ihr in der Form nicht ab, es ist für mich eine Show, um noch mehr Werbeaufträge(Geld) zu bekommen.
Auch finde ich, dass eine Mutter mehr für ihre Kinder und nicht nur für die Medien da sein sollte.
Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so für ihre Kinder da ist, wie es sein sollte und wie sie es brauchen.
Gut Aussehen tut sie, eine gute Figur hat sie auch für ihr Alter, aber ob sie eine gute Mutter ist, wage ich zu bezweifeln.

Antworten Gast: Dasha
06.06.2008 18:39
0 0

Re: Schwarzmalerei

BITTE??? Heidi Klum ist auf dem Teppich geblieben? Nee, echt nicht. Ihre aufgesetzte gute Laune ist genauso FAKE wie die Boobs von Pamela Anderson... Sorry

Gast: gast
05.06.2008 22:15
0 0

weibliche Claudia Schiffer?

"[...] ein umsichtiger Fädenzieher im Hintergrund vor dem Einzug auf den Rathausplatz die weibliche Claudia Schiffer, Markus Schenkenberg, zur Seite gestellt hatte."

- Also ist Markus Schenkenberg eine weibliche Version der (männlichen?) Claudia Schiffer?

Gast: T
05.06.2008 20:43
0 0

Schlecht recherchiert

Liebe Kollegen,

Amberg, der Heimatort der letztjährigen Topmodel-Gewinnerin Barbara Meier, liegt nicht in Oberbayern, sondern in der Oberpfalz. Nun mag die Region im Osten des Freistaats aus Sicht des Wiener Journalisten unbedeutend oder gar gänzlich unbekannt sein, eine Entschuldigung für schlampige Recherche darf dies aber nicht sein.

In diesem Sinne: etwas mehr Genauigkeit, dann klappt's auch mit dem EM-Titel.

Nix für unguat
T.