Dass Kronprinzessin Victoria und ihr langjähriger Freund Daniel Westling ihre Freizeit gemeinsam verbringen, ist in Schweden ein offenes Geheimnis. Die meisten meinen auch den Grund zu kennen, warum die beiden noch nicht verlobt oder zumindest offiziell „Sambo“ sind, wie man in Schweden zwei informell Zusammenlebende nennt: König Carl Gustaf widersetze sich der Liaison seiner Ältesten mit ihrem ehemaligen Fitnesstrainer.
Doch Schweden ist das Land, in dem das Steueramt mehr Macht hat als selbst der König, und so kann Herr Westling es nun dem Fiskus danken, dass er künftig Schloss Drottningholm als Wohnadresse auf die Visitenkarte schreiben darf. Nicht das Hauptschloss, wo die Königsfamilie residiert: das ginge erst nach einer Hochzeit. Aber zumindest den „Pagenflügel“ nebenan, in dem der 34-jährige ab 1. Juli für 4868 Kronen (518 Euro) eine Zwei-Zimmer-Wohnung bezieht. Bisher wohnte Daniel offiziell mitten in Stockholm, inoffiziell aber bei Victoria in ihrem Appartement im „Seeflügel“.
Doch wenn man in Stockholm gemeldet ist, tatsächlich aber in Ekerö wohnt, der Kommune, in der Drottningholm liegt, dann gibt es ein Durcheinander in der Steuerrechnung: Ekerö hat Anspruch auf die Steuerkronen aus den Westlingschen Gyms, die jetzt in der Stockholmer Kassa klirren. So geht das nicht, da mag der König meckern, wie er will. Darum ist Westling ab Jahresmitte Steuerzahler in Ekerö.
Natürlich nährt das bei den royal gesinnten Schweden die Hoffnung auf eine baldige Hochzeit. Da aber hat Carl Gustaf noch mitzureden. Victoria ist wohl die einzige 30-jährige in Schweden, deren Verlobung vom Ja-Wort des Herrn Papa abhängt: ohne Zustimmung des Monarchen darf eine Thronfolgerin keine Ehe eingehen. Unter den Hofauguren gibt es zwei Lesarten des königlichen Zögerns: die eine sagt, dass er Zeit brauche, um sich an den Schwiegersohn zu gewöhnen, dessen mangelnde Bildung und Weltgewandtheit ihm als Hindernis erscheine.
Die zweite, bösere, behauptet, dass Carl Gustaf durch sein konsequentes „Nein“ Victoria zum Abdanken zwingen wolle. Dass sie sagt: habt mich gern, ich heirate Daniel dennoch, und damit auf ihren Thronanspruch verzichtet. Das wäre Carl Gustafs späte Rache, denn die Änderung des schwedischen Grundgesetzes zugunsten weiblicher Erbfolge war seinerzeit gegen seinen Willen geschehen. Dann wäre Prinz Carl Philip der kommende König, wie es sein Vater immer wünschte.
Anderseits sind sich alle außerhalb des Schlosses einig, dass Victoria die weitaus bestgeeignete ist, die Krone aufzusetzen. Und da Daniel Westling eine Ausbildung durchläuft, die aus dem wilden Typen einen geschniegelten Schönling gemacht hat, der sich beim Smalltalk nicht blamiert, glauben die meisten nun, dass ein Happy End durch den Einzug auf Drottningholm näher ist. „Daniel ist ein moderner Gentleman, der seine Aufgabe schultern wird“, so Hofexpertin Catarina Hurtig und sagt voraus: „Verlobung im Herbst, und dann eine große Sommerhochzeit im nächsten Jahr“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2008)
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