Normalsterbliche Eltern tragen Babyfotos üblicherweise in der Geldtasche spazieren, bei prominenten Eltern füllt sich die Geldtasche durch Babyfotos ebenfalls – wenn auch indirekt. Letzter Streich: Angelina Jolie und Brad Pitt streiften 14 Millionen Dollar (9 Millionen Euro) dafür ein, dass sie die ersten Fotos ihrer Zwillinge exklusiv zum Abdruck verkauften.
Diese Summe legten das amerikanische „People“-Magazin und die britische Klatsch-Zeitschrift „Hello“ für die Bilder von Brangelina mit den Sprösslingen Knox Leon und Vivienne Marcheline auf den Tisch. Das ist der höchste Preis, der je für Babyfotos bezahlt wurde – mit Abstand.
Als Jennifer Lopez und Ehemann Marc Anthony im Frühjahr ihre Zwillinge Max und Emme ebenfalls im „People“-Magazin präsentierten, wurden sie mit gerade einmal 6 Millionen Dollar abgespeist. Geradezu lächerlich wirken dann schon die 1,5 Millionen, die Sängerin Christina Aguilera für die ersten exklusiven Bilder von ihrem Sohn Max – wieder mal von „People“ – bekam. Die selbe Summe konnte Schauspielerin Jessica Alba einstreifen, als sie Tochter Honor Marie für das „OK!“-Magazin fotografieren ließ.
Nun weiß man ja, dass Kinderfotos bei den Betrachtern verzückte Gesichtsausdrücke und infantil anmutende Freudenskundgebungen („Ja mein Gott, ist der süüüß“ etc.) auslösen, doch ist dieses Verhalten wirklich derartige Summen wert? Es scheint fast so. Als etwa Pitt und Jolie 2006 ihr erstes leibliches Kind für 5 Millionen Dollar in „People“ präsentierten, feierte das Magazin einen neuen Verkaufsrekord. Und „Vanity Fair“ konnte sich über 4000 neue Abonnenten freuen, als man die ersten Bilder von Suri Cruise präsentierte – die Tochter von Tom Cruise und Katie Holmes wurde von Annie Leibovitz für eine 22-seitige Sonderbeilage rund um das prominente Baby fotografiert. Über den genauen Preis, den das US-Magazin dafür hingelegt hatte, drang jedoch nichts an die Öffentlichkeit.
Kann man Prominenten, die ihre Kinder zum Teil schon vor der Geburt zu Geld machen, reine Profitgier unterstellen? Nun, in manchem Fall mag das so sein – man denke an Larry Birkhead, Ex-Freund des im Frühjahr 2007 verstorbenen Models Anna Nicola Smith. Nachdem er vor Gericht das Sorgerecht für seine Tochter erstritten hatte, posierte er mit ihr auch gleich im „OK!“-Magazin – und bekam mit 2 Millionen Dollar um einiges mehr, als er zuvor selbst als Promi-Fotograf verdienen konnte.
Auf der anderen Seite können genau solche inszenierten Fotos dafür sorgen, dass Paparazzi nicht mehr allzu lästig sind. Noch Ende Juli waren etwa zwei Fotografen mit Tarnanzügen in das Brangelina-Anwesen eingedrungen – erst mehrere Leibwächter konnten sie nach einer Prügelei stellen. Mit Veröffentlichung der Babyfotos ist die Luft nun draußen, grobkörnige und unscharfe Bilder der Kinder am Markt nicht mehr viel wert.
Übrigens: Die 14 Millionen wandern nur für kurze Zeit in die Portemonnaies von Herrn und Frau Jolie-Pitt. So wie schon bei Tochter Shiloh soll der Erlös aus den Bildern für einen guten Zweck gespendet werden.
■14 Millionen Dollar waren die ersten Fotos von Knox Leon und Vivienne Marcheline wert. Die Zwillinge von Angelina Jolie und Brad Pitt sind damit Rekordhalter, was die Gagen betrifft. Shiloh, das erste leibliche Kind des Paares war für 5 Millionen abgelichtet worden. Das Geld wollen die beiden Schauspieler für wohltätige Zwecke spenden. [People]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2008)

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