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Feier: Troubadour der Wiener Nacht

19.09.2008 | 18:22 |  >>STADTMENSCHEN VON ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Das Schmachten gehört zu seinem Geschäft. Barsänger Franco Andolfo feiert am Samstag seinen 70er nach. In seinem Wohnzimmer, der Eden Bar.

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Welche schlechte Angewohnheit wird der Spezies der Barsänger am häufigsten nachgesagt? Es ist, mit Sicherheit, das lange Schlafen. So soll auch Franco Andolfo seinen Tag erst zwischen zwei und drei Uhr nachmittags beginnen. Erzählt man sich.

Und das stimmt nicht. Auf die Frage, wann er in der Regel das Bett verlässt, sagt Andolfo: „Ich stehe gegen zehn Uhr vormittags auf.“ Früher also, aber noch immer nicht sehr früh. Was verständlich ist, denn Andolfo steht zwar nicht mehr (wie davor fast 40 Jahre lang) sechs Mal die Woche in der Eden Bar (und im Sommer im Casino Velden) auf der Bühne, aber immerhin noch drei Mal pro Woche. Seinen „Dienst“ beginnt er nie vor 22 Uhr. Im Laufe einer solchen „Eden“-Nacht singt er dann drei Mal – um 23 Uhr, kurz vor ein Uhr nachts und kurz vor drei Uhr – je 25 Minuten. Was er singt, hat zwangsläufig mit süßlich klingenden Melodien zu tun, mit einfachen, aber manchen sehr zu Herz gehenden Texten. Das Schmachten gehört zu seinem Geschäft. Schmachten auf Bestellung, könnte man es auch nennen. Denn Andolfo arbeitet gerne auf Zuruf, freut sich sogar, wenn ihm die Gäste sagen, was er singen soll. Auf diese Weise hat sich der Troubadour des Wiener Nachtlebens bis heute seine Fans erhalten. Die neuerdings sogar ein wenig um die Gunst des Sängers ringen. Aber dazu später mehr.


Das war nämlich nicht immer so. Die Blütezeit von Franco Andolfo ist zweifelsohne schon eine Weile vorbei. Er selbst nennt die Jahre von 1968 bis 1980 die „beste Zeit“ seines Lebens. Dazwischen, 1976, übernahm der mittlerweile verstorbene Lokalbetreiber Werner Schimanko die „Eden Bar“ – und bekam Andolfo gleich dazu. Weil sich die Ausgehkultur in den späten Achtziger- und Neunzigerjahren aber stark veränderte, war auch das Geschäft in der „Eden“ nicht mehr so rosig verlaufen. Der im italienischen Este geborene Sohn eines Fabrikarbeiters sah sich deshalb im Jahr 2000 nach einer anderen Bühnenheimat um. Schimanko soll davon aus der Zeitung erfahren haben. Mittlerweile singt Andolfo aber wieder in der – nun von Schimanko-Tochter Michaela geführten – „Eden Bar“. Dort wird dem dreifachen Vater, der seit 1955 in Österreich lebt, am Samstag ein Fest zum 70er ausgerichtet. Das zweite eigentlich, denn der Geburtstag am 7.Juli wurde dort schon im Sommer im kleinen Rahmen begossen.

Diesmal aber haben sich auch die offenbar immer noch zahlreichen Andolfo-Fans angesagt. Gerhard Tötschinger etwa, der Lebenspartner von Christiane Hörbiger (die Anfang Oktober ebenfalls 70 wird), hält die Laudatio, Miguel Herz-Kestranek, Adi Hirschal und (als besonders treuer Fan) Paul Schauer haben ihr Kommen zugesagt. Auch eine kleine Fehde ist nun ausgebrochen. Schauspielerin Brigitte Neumeister wäre an diesem Abend gerne mit Andolfo auf der Bühne gestanden. Weil daraus doch nichts wurde, schmollt sie jetzt und gratulierte dem Jubilar am Mittwoch ganz „privat“ (und eigentlich verspätet) und lud zur Sicherheit auch einen Fotografen ein. Einer Tageszeitung erzählte sie dann, warum sie am Samstag nicht dabei sein wird.


Keine trüben Gedanken plagen hingegen Andolfo selbst. Er hat seit kurzem eine junge Freundin (39) und sich vorgenommen, nicht mehr so sehr den alten Zeiten nachzuhängen. Wobei, ins Schwärmen kommt er schon: „Früher waren die Leute Gewohnheitsmenschen. Sie sind ins gleiche Restaurant gegangen, in die gleiche Bar. Heute ist das anders.“ Deshalb freut sich Andolfo, der Frank Sinatra der Wiener, auf Samstag. Sein Geburtstagsfest ist mehrfach überbucht. Und das war schon lange nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2008)

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