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Habsburg, Bond und Seneca

07.11.2008 | 19:18 |  >>STADTMENSCHEN VON GEORG RENNER (Die Presse)

Warum Eduard Habsburg über Donald Duck philosophiert, Daniel Craig gut findet und „Birds of the West Indies“ in seiner Bibliothek steht.

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Was haben James Bond, Donald Duck und der römische Philosoph Seneca miteinander zu tun? Eduard Habsburg (aus der ungarischen Linie des einstigen Herrschergeschlechts) hat sich mit dieser Frage beschäftigt und sieht bemerkenswerte Parallelen zwischen den popkulturellen Figuren und der von Seneca erörterten stoischen Philosophie: An der Universität Lugano hat der 41-Jährige über die Eigenschaft der Ente referiert, allen Niederlagen zum Trotz immer wieder aufzustehen – wie das Seneca empfiehlt.

Eigentlich hat sich der Nachkomme der kaiserlich-königlichen Familie in seinem Philosophiestudium ja auf die geistigen Erben Thomas von Aquins, die Thomisten, spezialisiert. Weil die Beschäftigung mit diesen aber eine eher brotlose Kunst ist, werkt Habsburg heute eher im Bereich seiner zahlreichen anderen Interessen – „Irgendwie muss ich meine fünf Kinder ernähren“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“.

Und so macht sich der promovierte Philosoph Gedanken über Comic- und Filmhelden von Duck bis Batman, schreibt Drehbücher für Serien wie „Soko Donau“, verfasst Romane („Die Reise mit Nella“) und Kurzgeschichten und führt Touristen durch das Schloss Grafenegg der befreundeten Familie Metternich.


Aber Habsburgs ganz besondere Leidenschaft ist und bleibt die Auseinandersetzung mit dem besten Mann Ihrer Majestät, 007, James Bond. Der smarte Martini-Trinker hat ihn beeindruckt, seit ihm vor etlichen Jahren „in einer Bibliothek in einem venezianischen Palazzo“ – noblesse oblige – eine Signet-Ausgabe von Casino Royale in die Hände gefallen ist.

Seither hat sich der Habsburger mit allen Details von Bonds literarischem und filmischem Leben auseinandergesetzt – mit den teuren Marken (Martini, Bentley), den nervenaufreibenden Spielen (Golf, Baccarat) und den von Fleming besonders ausschweifend beschriebenen Speiseszenen. Dazu bunkert er in seinem Zuhause am niederösterreichischen Manhartsberg Stapel von Sekundärliteratur – unter anderem das vogelkundliche Birds of the West Indies, dessen Autor, der Ornithologe James Bond, Fleming als Namensgeber für seinen Superagenten diente. Dieses Wissen samt aller faszinierenden Details hat er jetzt in dem Büchlein „James Bond in 60 Minuten“ (Thiele Verlag) zusammengefasst. Darin offenbart er unter anderem auch, dass er Daniel Craig mit seinem kantigen, aggressiven Auftreten als Bond-Darsteller schätzt – der entspreche nämlich, wie einstmals der junge Sean Connery, sehr dem Vorbild aus Flemings Romanen: Dem Agenten, der allen Niederlagen zum Trotz immer wieder auf die Beine kommt.
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Auf einen Blick

Eduard Habsburg-Lothringen hat sich mit James Bond, Donald Duck und anderen popkulturellen Figuren beschäftigt. Unter anderem hat der Philosoph vor kurzem „James Bond in 60 Minuten“ veröffentlicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2008)

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1 Kommentare
Gast: Graf Gudenus
09.11.2008 10:23
0 0

Palatinische Linie der Domus Austriacæ beherrschte gerne entsprechende Diszupline,

so einer eine Sprache der Zigeuner, schrieb dazu wissenschaftliche Abhandlungen. Also nothing to write home about, ausser zwecks Bildung jener, die mental nach dem Pflug bzw. gar vor dem Pflug geht.

In dem Kreise stammt man gerne auch vom Hause Sachsen ab, wo ein König sich Dante widmete, man also mit Senecca aufgewachsen ist. Hier würde man dem Kaisersohn hineininterpretieren, andere mögen anderer Meinung sein. Tolerant hat man zu sein!