Ian Fleming: Der Bond-Erfinder in Kitz

Dass Agent 007 in Österreich auf Schurkenjagd geht, hat einen Grund: Schöpfer Ian Fleming hat sich in Kitzbühel seine Hörner abgestoßen.

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(c) AP

Hier war früher die Bar. Und hier ist Fleming gesessen, wenn er eine Schreibpause eingelegt hat“, erzählt Luigi von Pasquali, Hausherr von Kitzbühels traditionsreichem Nobelhotel Tennerhof. Von Pasqualis Großmutter kaufte das Anwesen 1924. Ungefähr zur selben Zeit verließ der junge Ian Fleming nach mäßigem Erfolg die königlich-britische Militärakademie Sandhurst.

Um seine Deutschkenntnisse für eine Karriere im Auswärtigen Dienst zu verbessern, schickte ihn seine Mutter nach Kitzbühel. Er bezog Quartier in der damaligen Pension Tennerhof, mit Panoramablick auf den Hahnenkamm.

Fleming stammte aus streng konservativem Elternhaus. Sein Vater Valentine Fleming war für die Konservativen im britischen Unterhaus gesessen, bis er 1917 im Ersten Weltkrieg fiel. Als Sohn Ian in den 1920ern nach Kitzbühel kam, lernte er eine für ihn bis dato unbekannte Welt kennen. Denn die Gamsstadt war schon damals beliebter Ferienort der High Society. Fleming lernte schnell, sich anzupassen, und bald eilte dem attraktiven jungen Briten in Kitzbühel der Ruf eines Womanizers voraus.

Zu Flemings prägendsten Erfahrungen seiner Kitzbüheler Zeit, die er selbst als „die goldenen Jahre“ bezeichnete, zählte seine leidenschaftliche Affäre mit Lisl Popper. Fleming lernte die um acht Jahre ältere Popper 1926 in Kitzbühel kennen. Im Gegensatz zum Erfolgsautor Fleming, der oft als melancholisch und düster beschrieben wurde, sei der „junge Kitzbüheler Fleming aufregend und lebendig“ gewesen, sagte Popper nach dessen Tod 1964: „Not like an Englishman at all!“

Wie wichtig ihm seine „wilden Jahre“ in Tirol gewesen sind, bewies Flemings letzter Wille: Er verfügte, dass drei für ihn besonders wichtige Menschen je 500 Pfund erhalten sollten, um „sich davon etwas Extravagantes zu leisten“. Eine dieser drei Personen war Lisl Popper.

Doch Hinweise auf die Aufenthalte in Kitzbühel finden sich auch in einigen von Flemings Werken. Die Romanfigur James Bond erlernte beispielsweise in Kitzbühel das Skifahren. Dass der Skilehrer von 007 ein gewisser Hans bzw. Hannes Oberhauser gewesen sei, wie von Fleming beschrieben, ließ sich jedoch beim „Presse“-Lokalaugenschein nicht verifizieren. „Mein Mann war nie Skilehrer, aber der Name ist hier sehr gängig“, erzählt die Witwe des Hans Oberhauser, der vom Geburtsdatum her in Frage käme.

Der schillernde Franz Reichsgraf von Schlick zu Bassano und Weißkirchen, den der junge Ian Fleming zum Protagonisten eines seiner ersten Essays machte, hat hingegen tatsächlich in Kitzbühel gewirkt. Er war stadtbekannter Playboy, Rennfahrer, Gründer des Kitzbüheler Sportclubs und späterer Eigentümer von Schloss Lebenberg – heute ein Luxushotel. „Ja, Fleming war um 1933 im Schloss zu Gast und dürfte damals Bekanntschaft mit dem Grafen gemacht haben“, erinnert sich der ehemalige Hoteldirektor Otto Langer.


Mittlerweile wurde Kitzbühels Rolle als Wirkungsstätte des jungen Ian Fleming auch literarisch festgehalten. Der fünfte und letzte Teil der Romanserie „Young Bond“, in der Autor Charles Higson über das Leben des jungen James Bond schreibt, spielt in der Gamsstadt.

Das Buch mit dem Titel „By Royal Command“ erschien im September 2008 in Großbritannien und enthält zahlreiche versteckte Hinweise auf Ian Flemings Zeit in Kitzbühel.

ZUR PERSON

Ian Fleming (28. Mai 1908 – 12. August 1964) wurde als Autor der James Bond-Bücher und des Kinderbuches „Chitty Chitty Bang Bang“ weltberühmt.

In jungen Jahrenverbrachte Fleming in Kitzbühel eine für ihn prägende Zeit. Neben seinen Playboy-Qualitäten entdeckte er hier sein Faible für Bergsteigen und Skifahren. Diese Erfahrungen übertrug er zum Teil auf seinen Romanhelden James Bond: So hat 007 in Kitzbühel Skifahren gelernt und verbrachte dort seine Flitterwochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2008)

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