„Der Räuber“-Dreh in Wien

Franziska Weisz und Andreas Lust stehen derzeit für den Film „Der Räuber“ vor der Kamera. Für seine Rolle wurde Lust zum Marathonläufer.

Andreas Lust
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Andreas Lust
(c) Teresa Zötl

Er ist müde, sagt Andreas Lust. Er hätte es nicht dazusagen müssen. Man sieht es dem Schauspieler an. Die Drehtage beginnen, wie man sich das gemeinhin so vorstellt, frühmorgens und enden spät, das hinterlässt Spuren. „Noch eineinhalb Wochen“, sagt Lust, während er an diesem Nachmittag am Wiener Westbahnhof steht und einen Schluck Kaffee aus einem Tchibo-Pappbecher nimmt. Und sonst vorerst nichts tut.

Denn Drehen heißt auch: Warten. Die Filmcrew sucht gerade eine passende Location für eine Schlüsselszene, die hier am Bahnhof gedreht werden soll. „Der Räuber“ heißt die Produktion, eine Verfilmung des Romans von Martin Prinz. Lust, 41, spielt die Hauptfigur, einen Bankräuber, der als Marathonläufer der Polizei buchstäblich davonläuft. Die Geschichte basiert auf dem wahren, spektakulären Fall des „Pumpgun-Ronny“, der Ende der Achtziger mehrere Überfälle (mit Ronald Reagan-Maske, daher der Name) und einen Mord beging und der Polizei als trainierter Läufer buchstäblich davon lief.

Rettenberger, wie der Räuber im Film heißt, „ist ständig in einer emotionalen Extremsituation“, sagt Lust. „So eine Rolle nimmt man als Schauspieler natürlich dankbar an.“ Noch ein Schluck Kaffee. Und weiter warten.

Die Crew rund um Regisseur Benjamin Heisenberg hat sich inzwischen für den „Okay Reiseproviant“-Shop als Drehort entschieden und bespricht den Ablauf. Franziska Weisz, die Rettenbergers Freundin Erika spielt, verlässt in der Szene den Shop, bekommt inmitten der Bahnhofshektik einen entscheidenden Anruf von Rettenberger (mehr sei nicht verraten), das Gespräch verläuft emotional, Weisz wird am Ende weinen.

Die meisten Passanten, die hier zu ihren Zügen eilen, scheinen das Drehteam trotz des vielen technischen Equipments gar nicht zu bemerken. Einige wollen zusehen und stehen dabei im Bild. „Die Leute müssen hier weg“, ruft Regisseur Heisenberg. Die Leute folgen brav.

Die Maskenbildnerin streicht Weisz noch schnell Puder auf die Wangen. Klappe. Take 1. Weisz verlässt das Geschäft, greift zum Handy (auf dem Lust anruft), spielt die Szene. Klappe.

Dann wieder: Warten. Heisenberg und Weisz besprechen, an die grauen Schließfächer des Bahnhofs gelehnt, die Szene noch einmal. Dann wieder alles von vorne, Take 2. Diese Szene, wird Weisz später erzählen, sei für sie einer der Höhepunkte des Films, ein sehr emotionaler Moment.

Ein „Luxustag“ sei das heute, meint Lust. Drehbeginn war erst um sieben Uhr früh, üblich sei vier Uhr. Für Lust war der Dreh auch körperlich herausfordernd. Gemeinsam mit Autor Prinz (der auch das Drehbuch mitverfasst hat) hat er sich zur Marathontauglichkeit hochtrainiert. Gedreht wurde auch beim Vienna City Marathon im Frühling. Lust lief Teile der Strecke mit und musste als einer der ersten Läufer ins Ziel am Heldenplatz einlaufen. Anzahl der Versuche: Nur einer. „Ein Hammer“, war das, erinnert sich Lust, als ihm die Menschenmenge zugejubelt habe, nicht wissend, dass hier ein Film gedreht wurde. Der ORF-Kommentator zeigte sich live auf Sendung ob des unerwarteten Läufers (der in der offiziellen Liste natürlich nicht aufschien) verwirrt.

Episoden wie diese erzählt Lust gerne. Eigentlich, meint er, wollte Heisenberg die Bankräuber-Story „wie eine Tierdoku“ drehen. Eine „geniale“ Idee, wie Lust fand. Und zusagte. Von der Dokuidee ist man mittlerweile wieder abgekommen, um mit dem Film eine breitere Masse zu erreichen.

Im Zuge der Recherchen traf sich Lust auch mit der Lebensgefährtin von „Pumpgun-Ronny“. Die wollte aber nicht viel erzählen. Für Lust aber genug, um herauszufinden, dass die Beziehung der beiden „im echten Leben noch wesentlich schräger gewesen sein dürfte, als wir sie im Film spielen.“

Ein paar Mal noch wird die Bahnhofsszene wiederholt, dann ruft einer: „Fertig. Drehschluss“. Es ist kurz nach 17 Uhr, eine Stunde später als geplant, fällt die letzte Klappe. Für heute.

Zum Film

Der Roman „Der Räuber“von Martin Prinz wird derzeit in Wien und Niederösterreich von Regisseur Benjamin Heisenberg verfilmt. In den Hauptrollen sind die Wiener Schauspieler Andreas Lust und Franziska Weisz zu sehen. Produziert wird der Film von der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion. Geplanter Kinostart: Herbst 2009.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)

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