Kunstwoche in der Ordenfabrik

Bei der Art Week Vienna spielen Off-Spaces eine immer größere Rolle. Wie das Moë in einer einstigen Ordenfabrik beim Brunnenmarkt.

Katharina Day, Christian Bazant-Hegemark, Alisa Beck und Alexander Felch vom Moë-Team (v. l.) mit einer Arbeit von Monsterfrau.
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Katharina Day, Christian Bazant-Hegemark, Alisa Beck und Alexander Felch vom Moë-Team (v. l.) mit einer Arbeit von Monsterfrau.
Katharina Day, Christian Bazant-Hegemark, Alisa Beck und Alexander Felch vom Moë-Team (v. l.) mit einer Arbeit von Monsterfrau. – Clemens Fabry / Die Presse

Wer vom Yppenplatz durch die Thelemangasse zum Gürtel geht, muss wissen, was er sucht. Von der Straße aus sieht man vom Moë nur eine Garagentür, bestenfalls einen dunklen Vorhang.

Dahinter erstreckt sich ein Labyrinth: Kleine Ausstellungsräume, einer davon mit einer Bühne für Konzerte, eine Werkstatt, eine Halle, in der eine Leuchtinstallation und ein kastenartiges Gebilde der Künstlerin Lena Wicke-Aengenheyster alias Monsterfrau auf die Performance an diesem Abend warten. Weiter hinten: Ateliers für zehn Künstler und, eine Wendeltreppe darüber, eine Wohnung für bis zu drei Artists in Residence, gerade bewohnt von Briten und einem Künstler aus Istanbul; die letzten Gäste kamen aus Hamburg und Seattle.

Es ist ein vielfältiges Leben, das sich in dieser ehemaligen Metallwarenfabrik verbirgt. Einst besaß hier die Familie Mandelbaum eine Manufaktur für Orden und Medaillen. Schriftsteller Frederic Morton, geborener Mandelbaum, schrieb über diesen Ort seiner Kindheit seinen Roman „Ewigkeitsgasse“. Die Familie emigrierte nach New York, die Fabrik blieb: Bis vor wenigen Jahren wurden hier Gürtelschnallen für das Bundesheer produziert.

Just in New York lernte Moë-Gründerin Hannah Menne jene Form der temporären Raumnutzung kennen, die sie aus Wien nicht kannte. Über eine Studienkollegin von der Akademie der Bildenden Künste erfuhr sie 2010 von der leer stehenden Fabrik. „Sie sind dann einfach einmal über ein Fenster eingestiegen und haben sich das angeschaut“, erzählt Christian Bazant-Hegemark, Maler und Teil des heute sechsköpfigen „Entscheidungsgremiums“.

Es sind Orte wie diese, die zum Zehnjahres-Jubiläum der Vienna Art Week neben den etablierten Institutionen zunehmend in den Fokus rücken. Wobei Alisa Beck, die sich als Kunsthistorikerin im Moë engagiert, nicht gern von Off-Space spricht. „Das gibt es im Englischen gar nicht, dort heißt es artist run space.“ Ein von Künstlern geführter Ort – „das trifft unser Selbstverständnis viel schöner“. Dass der Ort besetzt sei, war in der Vergangenheit ein gängiges Missverständnis. Man zahlt regulär Miete, und inzwischen, sagt Bazant-Hegemark, hätten die Förderstellen auch das „transmediale“ Konzept verstanden. Jeden Dienstag wird im Moë (zu dem Namen kursieren verschiedene Erklärungsansätze) eine Ausstellung eröffnet, Mittwochs ist „Diskurstag“, der Donnerstag gehört der Musik. Freitags und Samstags mieten sich oft Künstler für eigene Veranstaltungen ein. „Dass wir als Kunstraum ernst genommen werden“, sagt Bazant-Hegemark, „darüber hätten wir vor zwei Jahren noch gelacht.“ Dass man Teil von Initiativen wie der Art Week sei – das helfe jedenfalls sehr.

 

Eröffnung im Dorotheum

Und es ist ein Zeichen für die Entwicklung der Kunstwoche vom elitären Kunstexperten-Netzwerk zum breit angelegten Festival. Eröffnet wurde die Art Week am Montagabend freilich nicht an einem Off-Space, sondern (immerhin mit Party) im Dorotheum. Die Konzentration von Kunst auf Zeiträume und Orte sei wichtig, meinte dabei SP-Kulturminister Josef Ostermayer, „denn dadurch wird ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erregt“.

„Letztendlich ist es eine Werbeaktion“, meint auchBazant-Hegemark. „Aber eine mit einem ziemlich guten Programm.“

AUF EINEN BLICK

Moë ist ein Off-Space in der Hernalser Thelemangasse 4. Seit seiner Gründung 2010 hat sich der Ort zu einer immer professionelleren Mischung aus Ausstellungsort und Atelierhaus entwickelt. Im heutigen Team sitzen Hannah Menne, der Maler Christian Bazant-Hegemark, die Musikerin und Finanzexpertin Katharina Day, der Neurowissenschafter Matthias Gassner, Kurator Alexander Felch und die Kunsthistorikerin Alisa Beck. Während der Art Week finden bis Samstag täglich Veranstaltungen statt: www.variable.cc

Die Vienna Art Week findet heuer zum 10. Mal statt und bietet bis 23. November 200 Veranstaltungen von 70 Partnern von Albertina bis Belvedere. Kulturtheoretiker Gerald Straub führt dazu jeden Tag eine andere Jubiläumstour. Am Freitag öffnet die Akademie der Bildenden Künste mit Friday Exit ein neues Experimentierlabor. Beim Open Studio Day am Samstag laden 100 Künstler in allen Bezirken von 13 bis 18 Uhr in ihre Ateliers. Außerdem gibt es am Freitag und Samstag geführte Studio Visits z.B. zu den Praterateliers. Programm: viennaartweek.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2014)

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