Vienna Globe: Design aus dem Wiener Melting Pot

Drei Ex-Rotkreuz-Mitarbeiterinnen bieten im Vienna Globe Produkte heimischer und zugereister Designer. Vorbild ist der Pariser Concept Store Merci.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Es gibt Armbänder aus Schallplatten, Schürzen aus Herrenhemden, Ringe aus Schreibmaschinentasten – oder auch Lampen, die durch Fotos scheinen, und die etwa eine Kubanerin zeigen, oder aber das Kleine Café aus Wien. Es ist bunt, stylish, aber auch gemütlich im The Vienna Globe, und wenig erinnert an das, was hier in der Zieglergasse vorher war: ein Geschäft für Trauerwaren nämlich. Das erwähnen die drei Chefinnen des Globe nur ungern, und außerdem: Minoo Amir-Mokri-Belza, die Perserin unter ihnen, hat zur Verblüffung der beiden anderen alles ausgeräuchert. Mit einem original persischen, elektrischen Räuchergerät. Wenig mystisch, aber offensichtlich wirkungsvoll.

Vorbild für das Geschäft, das die drei ehemaligen Rot-Kreuz-Mitarbeiterinnen Amir-Mokri-Belza, Brigitte Lendl und Julia Lehner soeben eröffnet haben, ist der Pariser Concept Store Merci, dessen Erlöse zum Teil in eine Bildungsstiftung fließen. „Mir hat die Idee gefallen, etwas Schönes mit etwas Sozialem zu verbinden“, sagt Minoo Amir-Mokri-Belza. „Wir haben in den letzten Jahren viele Menschen mit Migrationswurzeln kennengelernt, und uns gedacht, es wäre wahnsinnig schön, eine Plattform für deren Können zu schaffen.“ Weil es aber kein Ghetto sein soll, sind auch nationale Künstler vertreten, die allenfalls binnenmigrantische Geschichte verzeichnen können, oder wie Brigitte Lendl „tschechische in vierter Generation“.

„Echte“ Migrantin ist Amir-Mokri-Belza. Die Iranerin kam nach der Revolution als Achtjährige nach Österreich. „Die Willkommenskultur war Anfang der Achtzigerjahre in Österreich nicht sehr ausgeprägt“, erinnert sich die Juristin, die sich auf Migrations- und Asylrecht spezialisiert hat. „Ich habe Glück gehabt, aber es war nicht leicht.“

Lendl wiederum ist eigentlich Historikerin, arbeitete lange im Tourismus, später für den Verein Lernen aus der Zeitgeschichte, der auch hinter dem Holocaust-Projekt Letter to the Stars steht. Aus Letzterem wuchs das Projekt XChange, das Role Models mit Migrationswurzeln an Schulen vermittelt und das sie mitbegründete (und das heute im Roten Kreuz beheimatet ist). Nicht zuletzt die bemerkenswerte Einrichtung im Vienna Globe stammt von der dritten im Bunde: Julia Lehner arbeitete ursprünglich in der Luxushotellerie, zuletzt betreute sie Startwohnungen für Flüchtlinge – und sie sammelt mit ihrem Mann alte Möbel.

 

Mentoring für zehn Designer

Alle drei genießen es, nach Jahren in großen Unternehmen, herauszufinden, „wie weit man auf eigene Faust kommt“. Immerhin, man lernt sogar Kaffee kochen: Charles Fürth, der das angeschlossene Mini-Café mit Bohnen beliefert, ließ die Damen nicht ohne eingehende Schulung ans Werk. Wichtiger Teil des Globe Vienna ist dessen Mentoringprojekt für zehn Designer, die es noch nicht geschafft haben: „Um integriert zu sein, braucht man berufliche Anerkennung. Das ist im kreativen Bereich schon so schwer genug.“ Überhaupt wollen die Mütter von fünf Kindern ihr Konzept offen halten. „Wir sind nicht nur ein kleiner Laden, wo wir Zeug verkaufen“, sagt Amir-Mokri-Belza. „Wir halten die Idee groß. Da kann noch viel entstehen.“

AUF EINEN BLICK

The Vienna Globe bietet Produkte von rund 50 Designern, dazu Lesungen und Vernissagen. Im Café gibt es Hummus oder Minibrettljause. In einem Mentoringprojekt werden zehn Designer betreut, Stefan Slupetzky, Toni Kronke (Watchado) und andere teilen Erfahrungen. Der Erlös bestimmter Produkte geht an die Vereine Tralalobe (für unbetreute minderjährige Flüchtlinge) und Concordia. 7., Zieglergasse 65. theviennaglobe.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2014)

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