Doda ist ein Phänomen. Sie ist eine dieser schwer erklärbaren Erscheinungen, die es in jedem Land gibt. In den USA heißt dieses Phänomen Paris Hilton, in Deutschland Verona „Blubb“ Feldbusch (obwohl sie jetzt lieber wie ihr Mann – Pooth – genannt werden will), in Polen ist es Dorota Rabczewska, kurz: Doda. All diese Frauen sind irgendwie berühmt. Warum sie berühmt sind, kann niemand so genau erklären.
Die häufigste Antwort in Polen: Doda ist berühmt, weil sie berühmt ist. Dabei verbindet die 28-Jährige mit dem Publikum eine Art Hassliebe. In diesen Tagen ist sie zur „unbeliebtesten TV-Person“ des Landes gewählt worden. Nicht mehr genau herauszufinden ist, wann Doda erstmals auf der Bildfläche erschienen ist. Die einen glauben, es war die Teilnahme an der Realityshow „Bar“, die sie bekannt gemacht hat. Wieder andere versichern glaubwürdig, sie habe bei einem Talentwettbewerb mitgemacht. Tatsache ist: Doda ist die Tochter des polnischen Gewichthebers Paul Rabczewski und war sehr früh in der Leichtathletik sportlich tätig. Mit 13 begann sie eine Gesangs- und Schauspielausbildung. Ihre Gabe, omnipräsent zu sein, hat sie aber vermutlich nicht gelernt, sondern bereits im Blut gehabt.
Einig sind sich die Polen zumindest, wenn es um die hervorstechenden Qualitäten von Doda geht. Sie habe „sehr große Augen“, heißt es in Polen – wobei die „Augen“ natürlich eine schmeichelhafte Umschreibung für zwei andere bemerkenswerte Tatsachen der schrillen Dame sind. Selbst dem polnischen Außenminister ist Doda nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Als Radoslaw Sikorski jüngst auf USA-Besuch war, schwärmte er während eines Interviews in den höchsten Tönen. „Wir in Polen haben unsere eigene Paris Hilton, die heißt Doda“, erklärte der Politiker. „Sie ist nicht so reich, aber sie ist besser ausgestattet. Und sie singt besser.“ Da kann dem Minister in keinem Punkt widersprochen werden. Die außergewöhnliche Gesangesgabe wird von allen bestätigt, die schon einmal – rein zufällig natürlich – eine Sendung mit ihr gesehen haben.
Doda hat aber nicht nur „sehr große Augen“ und eine klasse Stimme, sie hat auch etwas im Kopf. „Doda Idiota“, reimten die Polen nach den ersten TV-Auftritten der künstlichen und vermeintlich talentfreien Blondine. Eines Tages aber geschah Verwunderliches. In einer Sendung, in der der Intelligenzquotient von Prominenten getestet wurde, ließ Doda die verblüffte Konkurrenz weit hinter sich. Sie hat einen IQ von 156. Sie ist also nicht das ordinäre Dummchen, das sie so gerne in der Öffentlichkeit gibt.
Das schürte den Verdacht, dass Doda die Medien nur benutzt – und nicht umgekehrt. Auf jeden Fall weiß sie, was das Publikum will. Als die 28-Jährige während einer TV-Sendung den polnischen Exfußballnationaltorwart Radoslaw Majdan kennen und lieben lernte, zelebrierte das Glamourpaar ihre turbulente Ehe in aller Öffentlichkeit. Was an eine andere weitgehend talentfreie Frau aus dem britischen Showbiz erinnert: Victoria Beckham.
Das Paar wurde prompt auf „die polnischen Beckhams“ getauft – sie sind an dieser Rolle allerdings grandios gescheitert. Inzwischen lebt man wieder getrennt. Unzählige Spötter prophezeiten danach (wieder) das Ende der Karriere. Weit gefehlt. Denn Doda schwirrt hartnäckig weiter durch die Klatschspalten der Zeitungen und lächelt in jede Kamera. Mit ihren großen Augen.
■Die polnische Sängerin Dorota Rabczewska, kurz: Doda, 28, hat einen IQ von 156, geht ihren Landsleuten mit ihrer Dauerpräsenz im Fernsehen und in den Klatschspalten der Zeitungen dennoch auf die Nerven.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2009)
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