Wissenschaft und Redoute: Von Experimenten und Tradition

Das Experiment Wiener Ball der Wissenschaften ist gelungen. Der Andrang im Rathaus war groß – genauso wie in Graz bei der Opernredoute.

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Erföffnung des Wiener Balls der Wissenschaften
Erföffnung des Wiener Balls der Wissenschaften – APA (GEORG HOCHMUTH)

In einem vollen Rathaus begrüßte SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl am Samstagabend die Ballbesucher. Und versprach zugleich, dass der erste nicht der letzte Ball für die Wissenschaft sein würde. Deren Stellenwert solle vielmehr jenem von Kunst und Kultur entsprechen, Wien sich zu einer Weltstadt des Wissens wandeln. Außerdem solle „schön feiern, wer viel arbeitet“. Dieser Einladung folgten etwa 2.500 Gäste, etwa die Hälfte davon Studenten. „Viele internationale Studenten nutzen die Gelegenheit, um einmal einen Wiener Ball zu erleben“, sagt der Chef des Organisationsteams, Oliver Lehmann. Sie mengten sich unter Forschungsgrößen wie Archäologin Sabine Ladstätter, Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny und Logikexperten Helmut Veith. Stark vertreten war auch die Molekularbiologie: Neben Renée Schroeder waren etwa Josef Penninger und Giulio Superti-Furga gekommen. Ebenfalls unter den Gästen: die designierte Rektorin der WU, Edeltraud Hanappi-Egger, Vet-Med-Uni-Rektorin Sonja Hammerschmid und Boku-Rektor Martin Gerzabek. Weiters: der erst kürzlich gekürte Wissenschaftler des Jahres, Weltraumwissenschaftler Wolfgang Baumjohann.

Die bunte Mischung der Besucher brachte einen nicht ganz strengen, teilweise erfrischend unkonventionellen Dresscode mit sich. Und davon, dass die Veranstaltung ursprünglich als Antwort auf den Akademikerball gedacht war, sprach kaum jemand. „Man braucht diesen Grund nicht“, hieß es vom Universitätsbeauftragten der Stadt Wien, Alexander van der Bellen. Der Ball sei mehr als eine Gegenveranstaltung, vielmehr sollten sich Unis und Bevölkerung weiter annähern. Diese Gelegenheit nutzten auch die Vizebürgermeisterinnen Renate Brauner (SPÖ) und Maria Vassilakou (Grüne), Stadtrat Manfred Juracka und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler (beide ÖVP).

Ball-Premiere übertrifft Erwartung

Dass der erste Wiener Ball der Wissenschaften bereits bei seiner Premiere ausverkauft war, habe die Erwartungen bei Weitem übertroffen, sagt Organisations-„Kopf“ Lehmann. Kurzfristig wurden sogar noch die Veranstaltungsräume erweitert. Der Quantenphysiker und Präsident der Akademie der Wissenschaften, Anton Zeilinger, ließ sich ein Computerspiel zeigen, das Quantenforscher Hans-Jörg Schmiedmayer mit dänischen Kollegen aufgebaut hatte. Die Wissenschaft war Programm: Die „Festliche Ouvertüre“ stammte vom Studenten-Orchester der Konservatorium-Wien-Privatuniversität. Im Festsaal schmückten Projektionen der Angewandten die Decke und Venusfliegenfallen aus dem Botanischen Garten der Uni Wien die Tische.

An einem Roulettetisch wurde die Wahrscheinlichkeitstheorie erklärt, die Casinos Austria boten ein „Lexikon des Glücks“ – aber ohne Risiko: Die Ballgäste spielten ohne Einsatz und um Sachpreise. Heiß her ging es gleich daneben in der Quantendisco. Besucher sollten das Doppelspaltexperiment nachempfinden und wie Welle und Teilchen wirken. Getanzt wurde zu Projektionen aus dem Physiklabor. Ein Experiment war der Ball insgesamt: „Wir wollten sehen, ob sich das Format des Wiener Balls mit Wissenschaft verbinden lässt“, sagt Lehmann. Es lässt sich. Experiment gelungen.

Weniger experimentell, dafür sehr traditionell ging in der Grazer Oper zugleich der Höhepunkt der steirischen Ballsaison über die Bühne. Bei der Opernredoute gab es keine wissenschaftliche, dafür eine politische Überraschung: Als Landeshauptmann Franz Voves mit ÖBB-Chef Christian Kern als Gast erschien, sorgte das in der Oper und noch danach für Gesprächsstoff.

Voves mit Überraschungsgast Kern

„Das war seit Jahren geplant“, so Voves, und habe nichts mit der aktuellen Debatte zu tun. Voves hatte Kern zu Jahresbeginn für „mit Sicherheit politiktauglich“ erklärt, was Nationalratspräsidentin Doris Bures zuvor bezweifelt hatte. Die Opernredoute als Ort für berufliche Gespräche schätzte auch ein entspannt wirkender LHStv. Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der am Vormittag den Auftakt des Gemeinderatswahlkampfs zu absolvieren hatte: „Die Opernredoute ist immer eine gute Gelegenheit, Gespräche auch mit der Wirtschaft zu führen.“ Ebenfalls auf der Redoute: Landtagspräsident Franz Majcen (ÖVP), die Landesräte Bettina Vollath (SPÖ), Christopher Drexler, Christian Buchmann sowie der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (alle ÖVP) .

Auch Prominenz aus den Medien war vertreten: Die Styria-Vorstände Markus Mair, Klaus Schweighofer und Malte von Trotha. „Die Presse“-Geschäftsführer Rudolf Schwarz und Herwig Langanger, „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak, „Kleine Zeitung“-Chefredakteur Hubert Patterer sowie „Profil“-Herausgeber Christian Rainer und „ZiB“-Moderatorin Nadja Bernhard.

 

(gral/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2015)

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