Down under the Bridge: „Bedrohte Art“ spielt unter Brücken

Wie aus einem kleinen Konzert ein inoffizielles Street Music Festival wurde. Wiens Singer-Songwriter bespielen den Donaukanal.

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„iO!“, Isaac Thompson, David Stellner, Raphael Widmann unter der Rossauer Brücke (v. l.). – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Eigentlich sollte es nur ein kleines Konzert werden. Akustikgitarren, Geige, Gesang. Ein paar Singer-Songwriter, die unter der Rossauer Brücke am Donaukanal spielen. Nun dürfte es eine Großveranstaltung werden – wobei, Veranstaltung im rechtlichen Sinn ist es keine, eher eine Art inoffizielles Street Music Festival mit wohl tausenden Besuchern. Neun Musiker bzw. Gruppen werden kommenden Samstag ab 14 Uhr unter der Rossauer Brücke auftreten, ab 19 Uhr (und, im Fall von Schlechtwetter auch am Nachmittag) spielen einige von ihnen im benachbarten Flex.

Das Flex Café sperrt anlässlich des Festes schon am Nachmittag auf. Auch die Gastronomen des Donaukanals unterstützen das Event – dürfte es bei Schönwetter doch die Massen an den Kanal bringen. Die Initiatoren erwarten null bis 6000 Besucher, via Facebook angekündigt haben sich mittlerweile aber schon mehr als 11.000. Spielt das Wetter mit, wird das inoffizielle Festival wohl wachsen, den Donaukanal entlang wollen etliche Straßenmusiker spielen, die das bei den Initiatoren schon angekündigt haben.

Dabei hat das Ganze klein angefangen: mit der Idee einiger Singer-Songwriter, David Stellner, iO! (der Künstlername eines Musikers), Isaac Thompson und Raphael Widmann, einmal statt an den „offiziellen“ Straßenmusiker-Standplätzen oder bei Indoor-Konzerten einmal gemeinsam am Donaukanal zu spielen. Stellner erstellte ein inoffizielles Facebook-Event. Und während die Musiker am Anfang schon von ein paar Dutzend Zusagen (positiv) überrascht waren, ging die Zahl der Zusagen plötzlich durch die Decke. Mehr als 10.000 wollen kommen und das benachbarte Flex wurde zum quasi inoffiziellen Partner.

Noch lange vor dem Donaukanaltreiben, das für das letzte Maiwochenende angesetzt ist, ist das wohl schon das zweite Großevent am Kanal dieser Saison: Vorigen Samstag haben sich beim (ebenfalls vor allem via Internet angekündigten) Event „22 Grad“ die Technofans bis in die Nacht am Kanal gedrängt. Auch am Tel Aviv Beach fand am Samstag die große Opening-Party statt. Bei Down under the bridge locke, so schätzen die Initiatoren, vor allem der inoffizielle Charakter. Keine Einladungen, keine Werbung, kein Eintritt, keine Imbiss- oder Getränkestandln. „Es ist der Freiheitsgedanke, der das so groß gemacht hat“, sagt Stellner. Diese Publicity wollen die Musiker freilich für die „in Wien bedrohte Art Straßenkünstler“ (so sagt es iO!) nutzen. „Dass sich ein 15-Jähriger auf die Straße stellt und seine drei Lieder vor Publikum ausprobiert, das geht fast nicht mehr“, sagt er, der fast jeden Tag in Wien spielt.

Seit die neue Wiener Straßenkunstverordnung Mitte 2012 in Kraft getreten ist, fühlen sich die Künstler verdrängt. An den touristischen Hotspots wird nun im Vorhinein festgelegt, wer wo genau und auch dann nur nach Ausstellen einer Genehmigung auftreten darf. Auch Geld verdienen ließe sich damit kaum. „Eine Zeit lang habe ich versucht, zumindest die Strafen hereinzuspielen“, sagt er, schlage sich doch jedes Mal, wenn er nicht genau am genehmigten Platz oder ein wenig zu lang spiele, mit mindestens 70 Euro zu Buche. „Jetzt mach ich es nur mehr der Erfahrung wegen und zähle nicht mehr mit“, sagt er, der wie seine Kollegen von einem regulären Job lebt.

 

Kanal als Bühne ohne Bürokratie

Am Samstag erwartet Stellner keine großen Probleme mit den Behörden. Schließlich ist es keine offizielle Veranstaltung und entlang des Donaukanals dürfen Straßenmusiker an mehreren Stellen gratis und ohne Genehmigung auftreten. Solange es keine Verstärker oder Getränkeverkauf gibt, seien keine Probleme zu erwarten, wie man bei der Polizei erfragt habe.

Aber der Samstag soll nur ein Anfang sein. „Es geht nicht nur um den einen Tag. Sondern darum zu sagen: Schauts' euch den an, wenn es euch gefällt, geht's auch einmal zu einem Konzert“, sagt Stellner, der seine Mundart-Songwriter-Musik nur mehr selten auf der Straße, mitunter aber bei bis zu zehn Konzerten im Monat spielt.

Zur Person.

David Stellner und seine Wiener Singer-Songwriter-Kollegen hatten eigentlich nur ein kleines Konzert am Donaukanal geplant. Nun wollen Tausende kommen.

Down under the bridge findet am kommenden Samstag, dem 18. April, ab 14 Uhr am Donaukanal statt. Neun Künstler bzw. Bands treten auf der improvisierten Bühne unter der Rossauer Brücke auf. Das Flex Café öffnet dazu ab 14 Uhr, ab 19 Uhr treten die Musiker auch dort auf. Bei Schönwetter werden bis zu 200 Straßenmusiker den Donaukanal entlang spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2015)

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