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Jürgen Kampichler: "Es war hart, aber auch wunderschön"

13.06.2009 | 18:18 |  von Wolfgang Knabl (Die Presse)

Jürgen Kampichler war zweimal in Karenz. Und rät allen Vätern, sich diese intensive Erfahrung ebenfalls zu gönnen.

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Ein Mann, der an einem Arbeitstag mit einem Baby im Arm einen vollen Einkaufswagen zur Supermarktkasse schiebt, fällt auf. „Oft wird man anerkennend angeschaut“, meint Jürgen Kampichler. „Aber wenn man mit einem Kind einkauft, hat man meistens gar keine Zeit, sich um die Blicke der anderen zu kümmern.“

Kampichler, 40, ist Radiologietechnologe im Militärkrankenhaus Baden. Er hat zwei Töchter, Katharina, 7, und Isabella, 4. Und er war zweimal in Karenz. Nicht nur, weil er mit seiner Frau Bettina auf Teamwork setzt. Sondern vor allem deshalb, weil sich die Kinder gerade in den ersten Jahren enorm entwickeln. Und davon wollte er möglichst viel mitbekommen. „Diese Zeit kann man nie mehr nachholen“, erklärt Kampichler. Einige seiner Arbeitskollegen haben ihm zu seiner Entscheidung, in Karenz zu gehen, gratuliert. Andere haben ihn belächelt. Und wieder andere haben gefragt: „Warum tust du dir das an – als Mann?“

Absolute Lebensumstellung. Die ersten Monate waren hart. Vor allem die „absolute Lebensumstellung“. „Im Beruf kann man in Ruhe und konzentriert arbeiten, bei einem Kind muss man ständig mit Überraschungen rechnen“, sagt Kampichler. Ein Kind brauche fast immer die volle Aufmerksamkeit. Und das sei – bei aller Liebe – auch anstrengend. Drei Monate dauerte es, bis sich Jürgen Kampichler an sein neues Tagesprogramm – putzen, kochen, spielen, waschen, singen, einkaufen, auf den Spielplatz gehen – gewöhnt hat.

Karriereknick hatte Kampichler keinen. Er hat durch die Zeit mit den Kindern sogar einiges gelernt, was ihm im Job nützt: Geduld und Gelassenheit. Und für das Verhältnis zu seinen Töchtern war die Karenz enorm wichtig. In dieser Zeit habe er Katharina und Isabella noch besser kennengelernt. „Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Wir haben zusammen viel Schönes erlebt und stressige Alltagssituationen gemeistert. Die Karenz ist eine intensive, abwechslungsreiche Zeit. Auch gefühlsmäßig.“

Wie ein Abschied. An manchen Tagen fühlte sich Kampichler zu Hause eingeengt. Er vermisste seinen Job, die Konversation mit den Kollegen. Er merkte, wie anstrengend es sein kann, immer und immer wieder „Alle meine Entlein“ zu singen. Und er erlebte, wie schnell die Zeit mit Kindern vergehen kann. „Wenn die Karenz zu Ende geht, ist das wie ein Abschied“, sagt Kampichler. Sein Rat an alle Väter: unbedingt in Karenz gehen. „Es ist zwar hart– aber wunderschön.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

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