Monika Levay: "Sisi kommt immer auf mich zu"

Die Musik der Sisi-Filme gibt es jetzt auf CD - und das Musical "Elisabeth" soll verfilmt werden. Paul Hertel und Monika Levay über die ewige Kaiserin.

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(c) APA/HERBERT NEUBAUER

Ins Haupthaus hinein, mit einem Lift hinauf, ziemlich lang den Gang entlang – dann befindet man sich irgendwann direkt über den ehemaligen Schlafgemächern des Kaiserpaars. Und mitten im Salon von Monika Levay: goldgerahmte Spiegel, ein Bösendorfer-Flügel mit dem Namen ihres Mannes – und ein Blick über den Schlosspark hinweg bis hinauf zur Gloriette. Wo könnte man sich besser treffen, um über Sisi zu sprechen, als im Schloss Schönbrunn?

Monika Levay wohnt hier seit gut 15 Jahren. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Komponisten Sylvester Levay, lebt sie in einer der rund 150 Wohnungen, die hier vermietet werden. Seit ihrer Kindheit interessiert sich Levay für die Kaiserin, sie besitzt drei ihrer Kleider – und eine wertvolle Sammlung anderer Gegenstände. Wenn es um Sisi geht, wird sie konsultiert. So wie jetzt, da es eine CD mit der Musik der Sisi-Filme zu vermarkten gilt.

Ausgedacht hat sich das CD-Projekt Herbert Tucmandl als Einweihung für die renovierte Synchronhalle der ehemaligen Rosenhügelstudios. Der Geschäftsführer der Vienna Symphonic Library hat knapp zehn Millionen Euro investiert und ein Tonstudio geschaffen, das man in Hollywood inzwischen für das potenziell beste der Welt hält („Die Presse“ berichtete). Die erste Aufnahme sollte also eine symbolische Brücke schlagen – zwischen Österreich und Hollywood, zwischen dem Heute und Österreichs Film- und Filmmusiktradition. „Und es gibt nichts, was diese Brücke besser bildet“, sagt der beauftragte Komponist Paul Hertel, „als die Sisi-Filme.“

Die spannende Frage sei gewesen, „ob das überhaupt geht“. Es ging: Gemeinsam mit einem Kollegen hat er in der Musikhandschriftensammlung der Wien-Bibliothek mehr als 500 Partiturseiten des Komponisten Anton Profes für die „Sisi“-Filme gefunden. Aus den verschiedenen „Fuzeln“ zu einzelnen Szenen (à la: Sisi auf der Jagd mit ihrem Vater oder Franzl – wobei sie natürlich jedes Mal das Wild erschreckt) hat Hertel nun mehrere zusammenhängende Stücke geformt.

Sie wisse noch sehr genau, wann sie den ersten Sisi-Film gesehen habe, sagt Monika Levay, aufgewachsen im bayerischen Altötting, „wo die Herzen sämtlicher Wittelsbacher Könige liegen“. Es war Teil zwei, „mein erster Film, ich war sechs Jahre alt“. Und dank ihrer Mutter mit der Figur der Kaiserin Elisabeth schon sehr vertraut. Weil ihre Mutter keine Zeit fand, wurde Levay mit ihrem Kindermädchen ins Kino geschickt – wo alle Karten ausverkauft waren. „Ich war so traurig, dass mich der Vorführer im Auto in den nächsten Ort mitgenommen hat, wo es danach noch eine Vorführung gab“, erzählt sie. „Er hat mir die Filmrolle auf den Schoß geworden, mit den Worten: Halt fest!“

Den Film mit der „zuckersüßen Romy Schneider“ fand die Sechsjährige dann durchaus gewöhnungsbedürftig, hatte ihre Mutter ihr doch längst von einer „schwierigen Frau erzählt und nichts beschönigt“. Bis heute hält sie so manche Sisi-Adorantinnen für „überspannte Wesen. So einfach war das mit Sisi nicht.“ Die enge Verbindung zur Figur der Kaiserin sollte dennoch ein Leben lang andauern. „Manchmal nervt mich die Frau“, sagt Levay lachend. „Sie kommt immer auf mich zu.“

So wie damals, als ihr Mann, Sylvester Levay, nach 20 Jahren als Filmkomponist in Hollywood das Angebot bekam, mit Librettist Michael Kunze das Musical „Elisabeth“ zu schreiben. Drei Jahre lang sträubte er sich, ehe er zusagte. Seine Frau war daran freilich nicht ganz unbeteiligt. Soeben feierte das Stück 23 Jahre nach der Uraufführung in Hamburg eine umjubelte Premiere. Und aus Hollywood, sagt Levay, liege ein Angebot für eine Verfilmung des Musicals vor.

 

60-Jahr-Jubiläum

Was genau sie an Sisi so fasziniert, kann Levay freilich selbst nicht genau sagen. „Ich finde es toll, dass sie sich als Frau nicht hat unterkriegen lassen. Sie wurde ja dressiert und gemobbt, und hat sich befreit. Doch das allein ist es nicht. Aber ich finde es noch heraus.“ Die Idee, dass man die „Sisi“-Filmmusik auflegen könnte, hatte Levay jedenfalls selbst schon vor 20 Jahren. Für die jetzt realisierte CD hat sie einen Text fürs Booklet geschrieben. Darin zieht sie Parallelen zwischen Sisi und Romy Schneider, „die sich beide der Welt verweigert haben“.

In einem Mehrstufenplan soll das musikalische „technische Hochglanzprodukt“ (Hertel) nun auch international vermarktet werden. Vor allem in Japan und den USA ziehe der Mythos Sisi nach wie vor. Praktisch, dass die drei weltweit gefeierten Filme zwischen 1955 und 1957 im Jahrestakt herausgekommen sind: So kann man gleich drei Jahre lang 60-Jahr-Jubiläum feiern.

AUF EINEN BLICK

Paul Hertel ist Komponist, Musikproduzent und Dirigent und hat aus Anton Profes' „Sisi“-Filmmusik die bekanntesten Melodien zu einem Bogen verschmolzen. Monika Levay interessiert sich seit ihrer Kindheit für die Kaiserin und besitzt eine umfangreiche Sammlung. Sie ist mit Sylvester Levay verheiratet. Er komponierte u. a. für Filme wie „Hot Shots“ und „Navy Seals“ und die Musicals „Elisabeth“, „Mozart!“, „Rebecca“ und „Marie Antoinette“. Die beiden leben in Wien und Bayern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2016)

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