Marie Boltenstern: Die kreative Schmuckarchitektin

Marie Boltenstern revolutioniert mit dem direkten 3-D-Druck die Schmuckwelt. Dabei setzt sie auf moderne Technik und traditionelles Handwerk.

Marie Boltenstern präsentiert ihren Goldschmuck aus dem 3-D-Drucker.
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Marie Boltenstern präsentiert ihren Goldschmuck aus dem 3-D-Drucker.
Marie Boltenstern präsentiert ihren Goldschmuck aus dem 3-D-Drucker. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

In wessen Fußstapfen tritt Marie Boltenstern eigentlich? In jene ihres Großvaters, des legendären Architekten Erich Boltenstern, der unter anderem in den Fünfzigerjahren den Ringturm in der Innenstadt plante und am Wiederaufbau der Staatsoper nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt war? Oder in jene ihres Vaters, Sven Boltenstern, der nach einer Ausbildung zum Goldschmied ab den frühen Sechzigerjahren weltweite Karriere als Schmuckdesigner machte?

Die Antwort könnte lauten: in keine der beiden. Oder auch: in beide. Genau genommen müsste es aber heißen, dass die 27-Jährige mit Architekturabschluss sowie einem Master in computergesteuerten Designmethoden beide Handwerke miteinander verbindet, dabei aber ihren eigenen Weg geht – und die Schmuckwelt mit der neuartigen Methode des direkten 3-D-Drucks von Wien aus geradezu revolutioniert. Mitte November präsentiert sie ihre erste 3-D-Goldschmuck-Kollektion beim Juwelier Von Köck am Graben, wo es die „Resonance Collection“ exklusiv zu kaufen geben wird.

Im vergangenen Jahr übernahm Boltenstern nämlich die Geschäftsführung des von ihrem Vater gegründeten Labels und will die Marke in eine neue Ära führen. „Ganz oder gar nicht“, begründet sie ihre Entscheidung, die Geschicke des Unternehmens in so jungen Jahren zu leiten.

 

Technik und Handwerk

Armbänder, Ketten und Ringe aus einem 3-D-Drucker – ist das kein Widerspruch zum Wesen von Schmuck, der individuell und von Hand hergestellt sein sollte? Ganz im Gegenteil, der Schmuck werde dadurch auf eine innovative Weise noch einzigartiger und außergewöhnlicher, betont Boltenstern, die in Wien, Berlin und London Architektur (mit Spezialisierung auf 3-D-Druck) studiert hat. Denn für sie stelle der 3-D-Drucker keinen Ersatz und auch keine Konkurrenz für das Handwerk des Goldschmieds dar, sondern sei vielmehr eine Ergänzung, eine evolutionäre Weiterentwicklung.

„Es gibt Konturen, die definitiv einfacher per Hand herzustellen sind, mit dem 3-D-Drucker werden sehr komplexe Formen realisiert, die händisch nicht machbar sind“, sagt Boltenstern. „Außerdem ist kein Schmuckstück vollendet, wenn es aus dem Drucker kommt, sondern geht noch durch sehr erfahrene Goldschmiedhände in der hauseigenen Werkstatt, bevor es beim Kunden landet.“ Daher würden ihre Edelmetallprodukte auch nach wie vor Luxusartikel bleiben – im Gegensatz zur günstigeren Kunststoffkollektion „FabNora“ mit ultraleichten Ohrringen für rund 150 Euro.

Geboren wurde die Idee, 3-D-Schmuck zu designen und herzustellen, beim ersten Kontakt mit einem derartigen Drucker in London. Konkretisiert habe sich der Plan schließlich während eines einjährigen Aufenthalts in Paris, als sie ihre Spezialausbildung in einem Ingenieurbüro einsetzen konnte. „Ob beim Planen eines Hauses oder Designen von Schmuck – die Denkprozesse sind dieselben“, sagt Boltenstern. „Mir macht es Spaß, mich mathematisch auszudrücken und dabei kreativ zu sein.“

Ein Zugang, der auch Swarovski überzeugte – im vergangenen Jahr durfte Boltenstern die Krönchen der Opernball-Debütantinnen entwerfen. Die Inspiration für ihre Kreationen holt sie sich zumeist von Formen in der Natur, so sind ihre Ringe und Armbänder beispielsweise Schuppenstrukturen nachempfunden, die sich wie eine zweite Haut an den Körper anschmiegen sollen.

Obwohl die Werkstatt ihres Labels weiterhin in Wien bleiben wird, arbeitet Boltenstern mittlerweile viel von Berlin aus. „Berlin hat eine sehr lebendige, aufregende Start-up-Szene mit vielen innovativen Unternehmen“, sagt sie. Zu einem solchen Unternehmen will sie auch ihr Label machen und die 3-D-Technologie konsequent weiterentwickeln – möglicherweise auch auf andere Bereiche in der Architektur ausdehnen. Somit werde der 3-D-Druck mit Sicherheit keinem Goldschmied oder anderem Handwerker den Job kosten. Viel wahrscheinlicher sei, dass die Entwicklung dieser Methode neue Jobs schaffen werde.

Zur Person

Schmuckdesignerin. Marie Boltenstern ist die Enkelin des Wiener Architekten Erich Boltenstern und Tochter des Schmuckdesigners Sven Boltenstern. Im vergangenen Jahr wurde sie Geschäftsführerin des von ihrem Vater gegründeten Labels und konzentriert sich auf die Methode des direkten 3-D-Drucks. Mitte November präsentiert sie ihre erste 3-D-Goldschmuck-Kollektion beim Juwelier Von Köck am Graben, wo es die „Resonance Collection“ exklusiv zu kaufen geben wird. Nähere Informationen: www.boltenstern.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2016)

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