James Randi: Dem Unfug auf der Spur

Wie aus dem Magier ein ruheloser Jäger nach der Wahrheit wurde.

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(c) imago/ZUMA Press

Vermutlich wünschte sich Peter Popoff zeit seines Lebens, James Randi wäre nie auf ihn aufmerksam geworden. Der gebürtige Deutsche, geboren 1946 in Ost-Berlin, war in den Achtzigerjahren als Fernsehprediger in den USA bekannt. Ein nicht unattraktiver Mann mit schwarzem, dichtem Haar und breitem Lächeln. Die Zähne strahlend weiß. Die Stimme laut und mitreißend, wie es sich für einen Prediger gehört. Und als einen von Gott Gesandten verkaufte sich Popoff.

Er behauptete, die Krankheiten seiner Showgäste zu kennen und sie davon heilen zu können. Bis James Randi auftauchte und nachwies, dass die Zuseher vor jeder Show ihren Namen und ihre Krankheiten auf einen Zettel schreiben mussten. Popoffs Frau sagte ihrem Mann während der Show über ein Knopffunkgerät im Ohr die Gebrechen durch.

Stunt über den Niagarafällen

Aufgedeckt hatte das ein Mann, der selbst mit Zauberkünsten sein Geld verdiente. Randall James Hamilton Zwinge, geboren 1928, war als Magier und Entfesselungskünstler „The Amazing Randi“ bekannt. Einer seiner spektakulärsten Tricks: als er sich an einem Seil über den Niagarafällen hängend aus einer Zwangsjacke befreite. Weltweit bekannt wurde er aber mit etwas anderem: Seiner akribischen Arbeit selbst ernannte Propheten, Gedankenleser und Heiler auffliegen zu lassen.

Einfluss auf diese Entscheidung hatte sein Großvater. „Er war ein wundervoller Mann. Der Einzige in meiner Familie, zu dem ich eine enge Beziehung hatte. Ich erinnere mich noch, als ich als junger Bub mit ihm am Strand spazieren ging und er eine Glasscherbe aufhob. Ich fragte ihn, warum er das tue. Und er sagte: ,Irgendwann werden Kinder auf dem Strand spielen.‘ Das war meine erste Lektion darin, dass man auf andere Menschen achtgeben soll, auch wenn man sie nicht sieht. Ich habe das nie vergessen.“

Dass Randi (seine) Tricks erklärte, anstatt andere damit zu täuschen, führte übrigens dazu, dass besonders eifrige Anhänger des Übernatürlichen ihm nachsagten, er hätte selbst paranormale Fähigkeiten und würde diese hinter seinem Tun als Aufklärer verstecken. Er trug neben dem 13 Jahre jüngeren Richard Dawkins maßgeblich dazu bei, dass die Skeptikerbewegung ihren Platz in der Welt fand. Er gründete die amerikanische Gesellschaft zur Untersuchung von Parawissenschaften mit, deren Ziel nicht das Negieren von Parawissenschaftlichem ist, sondern das wissenschaftliche Überprüfen der Phänomene. Als Randi die Tricks des „Mentalisten“ James Hydrick, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde, vor mehr 30 Jahren auffliegen ließ, sagte er: „Ich suche noch immer nach einem Beweis für paranormale Fähigkeiten, aber bis jetzt habe ich keinen gefunden.“ Erstmals für Aufsehen sorgte seine Entlarvung des israelischen Mentalisten Uri Geller. Vor laufender Kamera hatte Randi dessen telekinetische Fähigkeiten infrage gestellt und sich anschließend mit ihm einen jahrelangen Rechtsstreit geliefert, den Geller verlor. Bis heute hat die James Randi Educational Foundation eine Million Dollar für jene Menschen ausgeschrieben, die ihre paranormalen Fähigkeiten wissenschaftlich untersuchen lassen und den Test bestehen können – bis heute hat niemand das Geld gewonnen.

Mittlerweile gibt es ein weltweites Netzwerk an Ärzten, Wissenschaftlern und Journalisten, die sich der Skeptikerbewegung angeschlossen haben und die unerklärliche Phänomene oder offensichtliche Falschmeldungen zu enttarnen versuchen. Dazu zählen Chemtrails ebenso wie Homöopathie, verschiedene Zweige der Alternativmedizin, die Astrologie, behauptete Entführungen durch Außerirdische und die Leugnung des Holocausts oder die Frage, warum Bioessen manchmal gar nicht so viel besser ist als Essen, das nicht bio ist.

Was wusste Randi?

Frei von Täuschungen ist auch das Leben James Randis nicht, der sich mit 85 Jahren als homosexuell outete. 2014 wurde der Film „An Honest Liar“ gedreht, in dem sein Leben als Jäger von Paranormalen geschildert wird. Während der Dreharbeiten kam heraus, dass José Alvarez, seit 25 Jahren Randis Lebensgefährte, unter falscher Identität in den USA lebte. Eine Diskussion entbrannte, ob jener Mann, der Lügner ihrer Taten überführte, nicht selbst in ein Täuschungsmanöver involviert gewesen sei. Seine vielen Fans nahmen ihm das nicht übel. ?

Blick zurück

Erst kürzlich erschienen ist das Buch „Spinner, Schelme, Scharlatane“ (Styria Premium Verlag, 224 Seiten). Autor Johannes Sachslehner porträtiert darin aufwendig skurrile Eigenbrötler und wirrköpfige Visionäre der vergangenen dreihundert Jahre, wie den Illusionisten Johann Nepomuk Mälzel, den Verjünger Eugen Steinach oder den Arioheroiker Jörg Lanz von Liebenfels.

Steckbrief

James Randi, geboren am 7.August 1928 in Toronto, ist Zauberkünstler und Gegner von Pseudowissenschaften. Er ist Mitglied der Skeptic Society.

Eine größere Bekanntheit erlangte er, als er in den 1970ern die öffentlichen Behauptungen von Uri Geller anprangerte. In seinem Buch „The Magic of Uri Geller“ stellte er Geller als Scharlatan dar, der sich gewöhnlicher Zaubertricks bediente, um seine angeblich paranormalen Taten zu vollbringen. Randi hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter „Flim-Flam!“ (1982).

Der Dokumentarfilm „An Honest Liar“ (2014) zeigt die wichtigsten Stationen in Randis Leben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2016)

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