„Post für den Prinzen“

Leopold Altenburg ist Schauspieler, Clowndoctor – und hat als Ururenkel von Franz Joseph und Sisi jüngst noch einmal eine neue Rolle entdeckt.

Schließen
Leopold Altenburg ist Schauspieler, Regisseur und Clown bei den Roten Nasen – und tritt als Ururenkel von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth dann auf, wenn Geschichte auf Entertainment trifft. – (C) Leopold Altenburg/ Screenshot Webseite

Die Aufgabe, die neue „Sisi Experience“ bei Madame Tussauds Wien zu eröffnen, sie fiel am Wochenende ihm zu. Seit Anfang 2016 in Berlin das Musical „Elisabeth“ Premiere feierte und ihn die dortige Presse entdeckte, ist Leopold Altenburg auf eine neue Rolle gebucht: wenn Geschichte auf Unterhaltung trifft, den Ururenkel von Österreichs berühmtestem Kaiserpaar zu geben. Je nach Bedarf eher den von Sisi (wie soeben) oder von Franz Joseph, wie im gerade abgelaufenen Jubiläumsjahr, in dem er sich für Servus TV auf die Spuren seines Ururgroßvaters begab.

Altenburg nimmt die neue Aufgabe mit einer Mischung aus Geschichtsinteresse und Humor. Wie viele Ururenkel es außer ihm noch gebe, weiß er dabei gar nicht. „Jedenfalls sehr viele“ – allein seine Urgroßmutter Marie Valerie habe zehn Kinder gehabt. Zur Freude seines Berlines Briefträgers erhält er bis heute zu Weihnachten, Hochzeiten und Todesfällen die obligate Post für „Prinz und Prinzessin.“

Aufgewachsen ist Altenburg in Graz, der Vater arbeitete im Verlagswesen. Daheim ging die „sogenannte Gesellschaft“ aus und ein, man diskutierte Geschichte und Politik, lehrte die Kinder, „sich ihrer Wurzeln bewusst zu sein, sich aber nichts darauf einzubilden“, und im Übrigen anzuerkennen, „dass man in anderen Zeiten lebe – und dass das gute Zeiten sind“. Als drittes von fünf Kindern sei er schon daheim der Clown gewesen, später habe ihn die Bühnenspielgruppe im Gymnasium „angefixt“, ebenso wie die Sommerschule für Theater und Straßentheater. Das Geld dafür habe er sich zuvor als Straßenkehrer verdient, erzählt Altenburg – und beginnt zu persiflieren, wie die Magistratsbeamten Schaufel und Besen hinter dem Busch verschwinden ließen, um im Wirtshaus abzutauchen, sobald sie der Chef in seinem Citroën passiert hatte – und wie sie sich wunderten, warum der junge Kollege so seltsam nach der „Schreib“ sprach.

Wurzeln im Straßentheater

Dort, im Straßentheater, sagt Altenburg, lägen auch viel eher seine Wurzeln als am Wiener Konservatorium, das er später besuchte. Hier die Begegnung mit Leuten, „die in der freien Szene zu Hause sind, die Schauspieler sind und Regisseure, die Workshops geben und das ganze Spektrum der Kunst nutzen“, dort die Ausbildung mit dem Ziel einer Stelle in einem Stadt- oder Staatstheater. Wobei ihn Lehrerin Elfriede Ott schon fasziniert habe: „Sie ist eine sehr gute Komikerin.“

Zuvor hatte er noch beim Bundesheer in Baden im Offizierskasino als Kellner gedient – den Soldaten sollte er später noch einmal geben, im dritten Studienjahr in Wolfgang Murnbergers „Ich gelobe“, da habe er „dann wirklich robben müssen“. Schon damals absolvierte er seinen ersten Clownworkshop, wenig später war er Teil der neu gegründeten Roten Nasen. Seit seinem Umzug via Bielefeld nach Berlin ist er dort für Kinder, Alte, Psychiatriepatienten, Menschen im Wachkoma oder Flüchtlinge Leo Finow, der Clown.

Aus Bielefeld stammt auch sein Entdecken der Kleinkunst; sein Duo Leopold & Wadowski (versoffener Wiener trifft schüchternen Ostwestfalen) ist bis heute – wenngleich nicht mehr sehr – aktiv. Auch dafür habe sich Berlin als guter Ort entpuppt, „dort gibt es mehrere Open-Stage-Bühnen, wo man sich ausprobieren kann, das hab ich oft gemacht“, und irgendwann wolle er ja auch noch ein Soloprogramm schreiben. In Wien gebe es diese Möglichkeiten kaum, „und wenn, dann wird es gleich zum Wettbewerb“.

Manches sehe er hier freilich positiv, etwa, dass die Künstler vernetzter sind. „Kabarettisten kennen die freie Szene, die kennen Josefstadt und Burgtheater, jeder kennt jeden, und am Ende trifft man sich beim Film.“ Dafür bremse man sich auch gegenseitig, „des kannst net“ höre man oft. Was ihm wiederum gefällt, sei die Tatsache, „dass sich hier das Kabarett mit seiner Geschichte beschäftigt“, statt sich nur mit angloamerikanischen Kollegen zu messen. Die Wurzeln, da sind sie wieder. Große Lust hätte er auch, für Maria Theresia als Geschichtsvermittler zu fungieren. Allein, Servus TV sei leider nicht mehr dabei.

Zur Person:

Leopold Altenburg wuchs in Graz auf, studierte am Wiener Konservatorium Schauspiel. Er arbeitet als Clown bei den Roten Nasen in Berlin, ist Schauspieler, Regisseur, Kabarettist und leitet Workshops. Er ist ein Ururenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth. Weil sein Großvater Clemens Salvator 1930 nicht standesgemäß heiratete, trägt er den Namen Altenburg. Nach Änderungen im Hausgesetz der Habsburger wird er dort nun wieder als Prinz geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2017)

Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    „Post für den Prinzen“

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.