Eine Bar, die keine Bar sein darf: Die Dampfer auf der Wienzeile

Mehrere Jahre betrieben Josef und Bettina Gross ihre Dampfbar im Einstein. Nun eröffneten sie ein Geschäft, das wie ein Café wirkt, aber keines ist.

Bettina und Josef Gross in ihrer kürzlich eröffneten Dampfbar auf der Wienzeile.
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Bettina und Josef Gross in ihrer kürzlich eröffneten Dampfbar auf der Wienzeile.
Bettina und Josef Gross in ihrer kürzlich eröffneten Dampfbar auf der Wienzeile. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Schein ist hier ein ständiger Begleiter. Die Bar, die seit einigen Tagen auf der Linken Wienzeile 46 geöffnet hat, ist gar keine. Und die Raucher, die ihre Wolken in die Luft blasen, rauchen auch nicht wirklich. Es sind Dampfer, die hier neue Mischungen für ihre E-Zigaretten probieren. Und hier, das ist die sogenannte Dampfbar. Ende Februar haben Bettina und Josef Gross den Laden eröffnet, in dem früher der Goldene Spiegel residierte, ein schwules Szenelokal. Vom Interieur im Schankraum erinnert nichts mehr daran, abgesehen von einem Nirostaschrank und einer Espressomaschine, die man behalten hat. Den Rest, sagt Josef Gross, hat man komplett neu gemacht.

Bartische mit Hockern, eine Sitzgarnitur, im hinteren Eck eine Sitzlandschaft im Zelt – es wirkt wie ein Szenelokal, nur eben tagsüber, bevor die Gäste bei gedämpftem Licht zu Ambient-Sound auf den Polstern herumlungern. Selbst eine Bar gibt es, an der Getränke ausgegeben werden. „Aber wir geben das gratis her, für unsere Kunden.“ Die Kunden, genau, sie stehen ums Eck auf der anderen Seite der Bar und schauen auf Inhalatoren, Flüssigkeiten und diverses Zubehör, das zum Rauchen, pardon, Dampfen eben gebraucht wird. „Es ist ein Geschäft“, sagt Gross, „wir haben keine Gastronomie.“ Die Umgebung sei eben dazu da, dass man sich wohlfühlt und vielleicht auch eines der gekauften Produkte gleich ausprobieren kann.

Dampfbereich im Einstein

Der Schein des Lokals, der hat auch mit dem Namen zu tun – wie würde denn einen Dampfbar wirken, die einfach wie ein ganz normaler Shop für E-Zigaretten aussieht? „Und der Name war halt schon etabliert“, ergänzt seine Frau, Bettina. Denn bis vor wenigen Wochen fand sich die Dampfbar noch im Café Einstein nahe dem Wiener Rathaus. In jenem Lokal, das Josef Gross über Jahre hinweg betrieb. Und eines Tages eben mit einem eigenen Raum ausstattete, in dem Besucher E-Zigaretten ausprobieren und kaufen konnten. Ein Konzept, das von Anfang an gut funktionierte. „Das Hobby hat sich zu einem Fulltime-Job entwickelt.“ Und irgendwann lief das Geschäft so gut, dass er beschloss, dass er das Einstein verkaufen und die Dampfbar als eigenes Geschäft aufmachen würde.

Als das Geschäftslokal auf der Wienzeile frei wurde, war es dann schließlich so weit. Das Einstein wurde verkauft – die Dampfbar übersiedelte nach Mariahilf. Josef und Bettina Gross warten nun, wenige Tage nach der Eröffnung darauf, dass die Behörden das erste Mal vorbeikommen. Ihrer Ansicht nach ist das Konzept rechtlich in Ordnung. Im Tabakgesetz sei das Dampfen dem Rauchen eins zu eins gleichgestellt – in Lokalen gelten strenge Regeln. Doch man betreibe ja kein Lokal. In Trafiken wiederum sei das Rauchen erlaubt, sagt Josef Gross. „Und wir sehen uns in diesem Fall als Trafik.“ Nur eben für E-Zigaretten.

Das Paar – beide nehmen selbst immer wieder tiefe Züge aus ihren Dampfern – betont auch laufend die positiven Aspekte des Dampfens. Vor allem, weil viele Menschen sich damit das Rauchen abgewöhnen würden. Und damit viel Geld sparen und natürlich auch gesünder würden. Wobei: „Gesund ist es nicht“, sagt Josef Gross, „aber auf jeden Fall gesünder als Zigaretten.“ Das sei ähnlich wie beim Alkohol – wenn man von einer Flasche Whiskey am Tag auf eine Flasche Bier umsteige. Sie seien früher selbst starke Raucher gewesen. Doch seit Sommer 2013, als sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Dampfen kamen, hätten sie keine Zigarette mehr angerührt.

Die Kunden aus der Dampfbar im Einstein habe man zum Großteil mitgenommen – und jeden Tag kämen rund zehn neue hinzu. Es ist in jedem Fall ein Geschäft. Ein so gutes, dass die beiden sogar in Kürze einen weiteren Standort eröffnen wollen. Wo, wie und mit welchem speziellen Zugang, das halte man aber noch geheim.

AUF EINEN BLICK

Gastronomen: Bettina Gross betrieb das Café ihrer Eltern in der Josefstädter Straße. 2004 lernte sie im Lokal Josef Gross kennen, dem damals schon das Einstein am Rathausplatz gehörte. Zunächst arbeiteten beide in ihren Lokalen weiter, ehe Bettina Gross das Café aufgab und gemeinsam mit ihrem Mann (die beiden hatten geheiratet) im Einstein einstieg. Dort etablierten sie die Dampfbar, die schnell zu einem kommerziellen Erfolg wurde. Anfang 2017 übergaben sie das Einstein und eröffneten im Februar eine eigene Dampfbar auf der Linken Wienzeile.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2017)

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