"Besser als Sex!": Ina Müllers Wiener Nacht

Das quirlige "Nordlicht" Ina Müller, auch in Österreich durch das Kult-TV-Format "Inas Nacht" bekannt, ist mit neuem Album auf "Juhu"-Tournee.

Ina Müller hat sich mit dem Hotel Sacher endlich einen Traum erfüllt
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Ina Müller hat sich mit dem Hotel Sacher endlich einen Traum erfüllt
Ina Müller hat sich mit dem Hotel Sacher endlich einen Traum erfüllt – Ina Müller hat sich mit dem Hotel Sacher endlich einen Traum erfüllt

Es gibt wilde Rockröhren, und es gibt schlagfertige Kabarettistinnen. Aber nur selten in einer Person. Ina Müller ist beides zu gleichen Teilen. Das quirlige "Nordlicht" Ina Müller, auch in Österreich durch das Kult-TV-Format "Inas Nacht" bekannt, ist mit neuem Album auf "Juhu"-Tournee - die am Freitag in die Wiener Stadthalle führte. Ein musikalischer Klönschnack zwischen Übergewicht, Schuhen und Männern.

Wer die platinblonde Sängerin primär aus ihren TV-Einsätzen kennt, mag verwundert sein, welche Stimmkraft in der 51-Jährigen steckt. Mit rauchigem Timbre im Stile von Gianna Nannini, singt Müller über die Vorzüge von jüngeren Männern, ihre vier Schwestern und das gemeinsame Aufwachsen am Dorf oder das Bestellen bei Zalando. Dabei changiert sie mit ihrer nur fünfköpfigen Band geschickt zwischen Rocknummern, ruhigen Balladen und Tanznummern.

Und doch belässt es die Deern von der Waterkant nicht bei der reinen Musik, sondern setzt zwischen jedes Lied lange Comedypassagen. Was leicht in die Hosen gehen könnte, weil entweder beständig der aufgebaute Flow unterbrochen wird oder die Humorfreunde Gesangsnummern überstehen müssen, greift bei Ina Müller organisch-leicht ineinander. Alles fließt, wirkt vermeintlich improvisiert, lässt der quietschfidele Wirbelwind doch keine Zeit, sich etwaige Genreeinordnungen zu überlegen.

Die Nacht im Sacher

Stattdessen stellt Müller auch abseits des vorbereiteten Programms ihre Qualitäten als spontane Conferencieuse unter Beweis. So greift sie sich einen der Sanitäter und spaziert mit ihm Hand-in-Hand durch die Halle, verfolgt ein Paar, das auf die Toilette geht und amüsiert sich über den "rotgepolsterten Puff" bei ihrem letzten Wien-Konzert - die nebenliegende Halle F. Und sie sinniert über ihre vergangene Nacht im Hotel, habe sie sich doch mit dem Hotel Sacher endlich einen Traum erfüllt ("Besser als Sex!").

Klischee-, Tabu- oder Schamgrenzen sind der Norddeutschen mit der Fähigkeit zur großen Selbstironie dabei gänzlich Blunzn. Dass die Nase läuft und die Füße riechen, findet sie ebenso befremdlich wie den Umstand, dass die Fettzellen vom allgemeinen Zellabbau im Alter nicht betroffen sind oder die Altersflatulenz schon mit 60 einsetzt, während der Geruchssinn erst mit 70 Jahren nachlässt. Dabei turnt Müller über die Bühne, springt fiktives Seil mit ihren Background-Mädels und wuchtet sich auf den weißen Flügel der Marke Schimmel, der ihr hereingeschoben wird ("Dass ich noch mal mit einem weißen Schimmel auf der Bühne stehe!").

Am Ende des dreistündigen Abends stehen aber nicht mehr Figurprobleme ("Leggins und Betrunkene sagen ja immer die Wahrheit") am Programm, sondern der Rock. Müller lässt das Publikum auf Zuruf nach seinen jeweiligen Krankheiten aufstehen und hat so am Ende zum Tanzen alle auf den Beinen. Und dann ist Inas Wiener Nacht irgendwann zu Ende. Schade, denn mit diesem Energiebündel hätte man gerne noch länger die Nacht zum Tag gemacht.

(Martin Fichter-Wöß/APA)

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