Der junge Grazer Drehbuchautor Alfred Schwarzenberger hatte mehr Glück als anno dazumal Filmikone O.W.Fischer. Letzterer wollte die junge Schauspielerin Elfriede Ott gerne als Partnerin für einen Kinofilm. „Ich bin davongelaufen und habe gesagt, ich hätte eine Theaterprobe“, erinnert sich die mittlerweile 84-Jährige. Es war nicht die einzige Möglichkeit für ein Filmengagement, das sie in ihren Karriereanfängen ausgeschlagen hat.
Später gab es dann keine Anfragen mehr. „Ich glaube, ich war nicht schön genug“, vermutet sie. Die Ott wuchs stattdessen auf den bekanntesten (Burg-, Volks-, Festspiel-)Theaterbühnen des Landes zu einer Schauspielerikone heran.
Bis sie Anfang des Jahres das Drehbuch des Kreativ-Trios Alfred Schwarzenberger/Michael Ostrowski/Uwe Lubrich für eine schräge Filmkomödie vorgelegt bekam: „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ nennt sich das Machwerk, das noch bis 8. November in Graz von Dor-Film gedreht wird. Ott war vom Fleck weg vom Plot begeistert: „Die Geschichte ist zwar schon a bisserl arg, aber ich habe sehr gelacht.“
„Das bin nicht immer ich“
Die Geschichte? Horst (gespielt von Andreas Kiendl) kassiert seit zwei Jahren die Pension der verstorbenen Oma. Alles kein Problem – bis sich ein Lokalpolitiker ansagt, um offiziell zum 95er zu gratulieren. Horsts Freund Toni (Michael Ostrowski, kürzlich im ORF in einer „Vier Frauen und ein Todesfall“-Wiederholung zu sehen) organisiert „Hilfe“. Er „borgt“ sich in einem Krankenhaus eine Leihoma aus.
Klappe, die Erste, für Ott. Wie das so ist, wenn man sich selbst spielt? „Es ist das Schwierigste – und auch wieder nicht“, bleibt Ott vage. Weil „ununterbrochen bin ich ja nicht ich. Was da alles im Film passiert, ist schon auch außerhalb meiner Möglichkeiten“, sagt sie mit der kindlichen Freude einer Filmnovizin.
„Die haut sich voll rein“, freut sich Drehbuchautor Schwarzenberger über ein leistungsförderndes Kleinklima innerhalb der Crew: „Da gibt es ein ,Aufganseln‘ der jungen Garde gegen die Grande Dame.“
Auf dem Filmset – diesfalls eine graue Gemeindebausiedlung im Grazer Bezirk Lend – herrsche eine ganz andere Atmosphäre als im Theater, sagt Ott in einer Drehpause. Zum einen brauche man mehr Geduld, zum anderen spiele der Regisseur eine bedeutendere Rolle. Er forme die Figuren viel mehr als im Theater. „Dort muss es der Schauspieler alleine machen.“ Ein Film dagegen „wird nur so gut, wie der Regisseur ist“, sagt Ott. Und Andreas Prochaska ist gut – davon hat sich Ott überzeugt, als sie eine vom Regisseur überreichte Filmprobe ansah: „In drei Tagen bist du tot“, der wenig einladende Titel von Prochaskas Werk. „Sehr spannend“, lobt Ott. Ähnliches erhofft sie sich für ihren eigenen Film. „Er darf nur nicht fad und langweilig sein, weil Menschen zu langweilen ist eine Sünde“, mahnt die erfahrene Schauspiellehrerin. Ihr eigener Leinwandfavorit? „Shirley Mac Laine! Da braucht man gar nicht lange zu reden.“
„Eine große Komödiantin“
Sie selbst hat jedenfalls Gefallen an der Arbeit gefunden: „Es ist ein Abenteuer, man fängt an, ein Partner der Kamera zu werden.“ „Ott kann auch über sich selbst lachen – das zeichnet eine große Komödiantin aus“, sagt Drehbuchautor Schwarzenberger.
Die mit 2,2 Millionen Euro budgetierte Produktion soll – je nach Konkurrenzangebot – im Frühjahr in die heimischen Kinos kommen. Für die Konkurrenz sorgt die Dor-Film selbst: In Indien wurde gerade der zweite Teil von „Hexe Lilli“ (Regie: Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky) abgedreht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)

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