23.11.2009 00:30 | Meine Presse Merkliste0

Dürre Models: Kates Kurven können mehr

01.11.2009 | 18:46 |  >>STADTMENSCHEN VON MAGDALENA KLEMNUN (Die Presse)

Kate Moss ersetzt neuerdings Dürrheit durch Weiblichkeit. Moss' neuer Look ist nur die Spitze eines Eisbergs. Wenn Konzerne aufspringen, könnten normalgewichtige Models zur Realität werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Auf den ersten Blick tut Kate Moss auf den Fotos für ihre neue Modestrecke schlicht, was sie am besten kann: mit einem Blick, einer Geste, einem scheinbar zufällig arrangierten Detail gerade soviel aus dem Leben einer lasziv-kühlen, immer dezent verbraucht aussehenden Ikone zu erzählen, um Neugierde zu wecken – aber niemals genug, um den Blick auf die echte Moss freizugeben.

Auf den gerade veröffentlichten Fotos, die das Topmodel in der von ihr für den Modekonzern Topshop entworfenen Weihnachtskollektion zeigen, sieht das nach einer Frau aus, die am Ende einer Partynacht die Geschehnisse noch einmal vor ihrem inneren Auge Revue passieren lässt: Konzentrierter Sex-Appeal und ein Hauch von Abwesenheit prägen das Bild – soweit also alles beim Alten. Was tatsächlich verwundert, lässt sich schnell an zwei Punkten der Moss'schen Physis festmachen: erstens Brüste, zweitens Oberschenkel.

 

„Wie ein Wunder“

Da quillt weibliches Oberweitenmaterial zwischen geradezu gefährlich gespannten Paillettenstoffteilen hervor, wo früher nur die kindhafte Leere des von Moss mitgeprägten „Heroin Chic“ der 90er prangte. Gleichzeitig lassen sich unter der Netzstrumpfhose tatsächlich Schenkel mit Beinfleisch vermuten. Können es sich die vormals eher hungrig-schönen Protagonistinnen der Fashionszene plötzlich leisten, ihre Teller (zumindest halb) anzufüllen? Die Antwort verlangt nach zeitlicher Dehnung: Sie können es nicht – zumindest noch nicht.

Denn obwohl Kate Moss' Kommentare zu ihrer neuen Fülle weniger von Antimagersuchtidealismus als eher von mangelnder Kreativität im Umgang mit Modejournalisten zeugen (die Brüste seien ihr „wie ein Wunder plötzlich“ gewachsen, genau) – wenn die ehemalige Dürrheit in Person Kurven zur Schau stellt, kann das weit mehr, als nur Mode zu bewerben.

 

Neuer Trend?

Vor allem, weil Moss' neuer Look nur die Spitze eines Eisbergs darstellt, der schon das ganze letzte Quartal durch das Fahrwasser der Modeszene an die Oberfläche durchschimmerte: Den Anfang macht Alexandra Shulman, Chefredakteurin der britischen „Vogue“, mit ihrem Brief an Designer wie Chanel, Dior oder Versace, in dem sie sich über zu klein geschnittene Exemplare und daher zwanghaft dünne Models erzürnte.

Karl Lagerfeld reagierte prompt und (in Erinnerung an seine einst selbst mühsam verlorenen Fettringe) etwas empfindlich – und vergaß auch gleich, dass die Kritik von der durchaus schlanken Frau Shulman stammte: Jene, die Modelmaße kritisierten, seien „dicke Muttis, die zu Hause mit der Chipstüte vor dem Fernseher sitzen“, die Debatte sei „absurd“.

Als weniger absurd beurteilte die Chefin einer bodenständigeren Modeinstanz die Sache: Anfang Oktober ließ „Brigitte“-Chefredakteurin Huber (ja, sie heißt mit Vornamen Brigitte) mit der Entscheidung aufhorchen, ab 2010 nur noch mit normalgewichtigen Laienmodels zu arbeiten. Ein gewagter Schritt für ein Magazin, das auch auf Probeexemplare teurer Designerware angewiesen ist – aber ein mutiger. Langsam, aber doch forcieren auch große Modehäuser den Trend.

 

Nur Strohfeuer?

So ist es kein Zufall, dass Chanel ausgerechnet die schlanke, aber keineswegs dürre Sängerin Lily Allen zum Star einer Taschenkampagne macht (war Lagerfeld auf Urlaub?). Auch das Septemberfoto der eher üppigen Lizzie Miller im US-Magazin „Glamour“ und der Auftritt des „Plus Size Models“ Laura Catterall bei der Londoner Fashion Week passen ins Bild. Eine Revolution scheint möglich – wenngleich manche die Debatte nach wie vor nicht ernst nehmen: Schuhdesigner Christian Louboutin, dem die zweifelhafte Ehre des neuen Barbie-Designers zuteil wird, kritisiert etwa die Fußgeometrie der Puppe: Sie habe „fette Knöchel“. Arme dicke Barbie.

Zur Person

Kate Moss, 1974 in London geboren, gilt als die Ikone des „Heroin Chic“ und ist eine der schillerndsten Figuren im Modelbusiness. Einst nur 43 Kilo schwer, sorgt sie nun mit neuem Aussehen für Aufsehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

6 Kommentare
Michael
02.11.2009 09:01
0 0

Schon klar ...

... dass angesichts der massiven Volksüberfettung schlanke Models als "magersüchtig" bezeichnet werden.

Auch klar, dass ich jetzt dafür negative Bewertungen bekomme :-)

Kantig
02.11.2009 12:28
0 0

Re:Ihre persönliche Ansicht reicht für eine Bewertung nicht aus!

Modeindustrie als Auftraggeber und Kunden als Auiftraggeber entscheiden.

Klappergestelle verkaufen besser, weil unter dem Stoff mehr Luft für Fantasie bleibt.

Die Kantigkeit (hat nichts mit Kant zu tun) selber ist unweiblich.

Sich mit einer Schönheit oder mit einer Intelligenten zu unterhalten macht den Unterschied der Unterhaltungsart aus.

megadoc
02.11.2009 09:28
0 0

Magersucht

Vielleicht sollten Sie einfach nur den Unterschied zwischen schlank und magersüchtig nachlesen (wie wärs mit googeln?)!

Michael
03.11.2009 23:10
0 0

Re: Magersucht

In halbaufmerksamer Analyse meines postings müssten Sie erkennen, dass gerade ich auf den Unterschied hinweisen möchte, den Sie mir unterstellen, nicht zu kennen.

Aber sprechen wir nicht davon, reden wir lieber vón der viel weiter verbreiteten Fresssucht! :-)

megadoc
04.11.2009 12:01
0 0

BMI

Vielleicht können wir uns auf einen BMI von 20-25 einigen?

Michael
07.11.2009 20:16
0 0

Re: BMI

Bei 18,5 - 25 bin ich dabei :-)

Man muss auch beachten, dass es immer mehr Menschen gibt, welche aufgrund des übermässigen Fleischkonsums und anderer Ernährungsfehler der Vorfahren gar nicht mehr zunehmen können bzw. ein viel engeres Skelett haben (was oft als Anpassung an geringere körperliche Anstrengungen missgedeutet wird).

Diese Menschen sind aber, selbst wenn sie den BMI von 20 nicht überschreiten, definitiv nicht magersüchtig.

Schlagzeilen Leben