LONDOn.Jim Carrey mit Vollbart. Das ist was Neues. Der kanadische Star mit irischen Wurzeln, der heute in L. A. lebt, präsentierte in London seinen neuesten Streich: In Robert Zemeckis Neuverfilmung des „Christmas Carol“ für Disney, ab heute, Donnerstag, im Kino, gibt Carrey den Geizhals und die ihn erschreckenden Geister.
Colin Firth spielt den Neffen Fred, Bob Hoskins Scrooges Angestellten Cratchit. Als Kind habe er sich zu Tode gefürchtet vor dieser Geschichte, bekannte Hoskins. Wird es nicht auch kleinen Kindern so ergehen, wenn sie den Digitalstreifen in 3-D sehen? „Man sollte Kids nicht vor Schrecken bewahren, sondern ihnen beibringen, wie man damit umgeht“, rät Hoskins. „Kinder lieben es, sich zu fürchten“, meint Firth. Carrey erzählt, dass es die Rolle war, die ihm anfangs Angst einflößte, vor allem der Vergleich mit Alastair Sim, dem wohl bekanntesten Scrooge-Darsteller. Als Carrey den fertigen Film sah, war er beruhigt. Allerdings, scherzte der gelernte Komiker und Parodist, traue er sich nicht heim zum Weihnachtsfest: „Der alte Scrooge schaut aus wie mein Vater. Das war für mich schockierend, ist es aber wohl auch für Paps.“
Grandpa als Santa Claus
Scrooge wird von den Geistern der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft heimgesucht, alle spielt Carrey. Sein Liebling war der Geist der Vergangenheit, eine Kerzenflamme. Fast scheint es, als wäre Firth ein wenig neidisch auf Carrey wegen dessen Dominanz: „Er ist eben der Wichtigste. Und Scrooge ist ein großer Christmas Hero.“ Was war für Firth das schönste und was das schlimmste Weihnachtserlebnis? Dass sein Großvater alljährlich als Weihnachtsmann erschien – und die traurige Entdeckung, dass es bloß Grandpa war und nicht Santa Claus. Was ist die Botschaft dieser teilweise sentimentalen Story von der Läuterung des erbarmungslosen Scrooge? „Die Geschichte bringt einen Aufschwung für das kollektive Ego“, sagt Carrey. Verdient jeder eine zweite Chance? Hoskins grinst: „Wenn es die nicht gäbe, wäre ich wirklich in Schwierigkeiten.“
Und wie halten es die Darsteller selber mit dem Geiz? Kein Thema, klar. „Ich bin ein Verschwender, meine Frau schimpft darum auch immer mit mir“, sagt Hoskins.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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