Ulli Fessl: „Machen und genießen“

Die ehemalige Burgtheaterdame Ulli Fessl spielt im Café Prückel demnächst die Salonière Berta Zuckerkandl. Ein Besuch bei Sekt und Brötchen.

Ulli Fessl spielt Berta Zuckerkandl – und ist selbst eine charmante Gastgeberin.
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Ulli Fessl spielt Berta Zuckerkandl – und ist selbst eine charmante Gastgeberin.
Ulli Fessl spielt Berta Zuckerkandl – und ist selbst eine charmante Gastgeberin. – (c) Mirjam Reither

Ein Besuch bei Ulli Fessl ist ein durchaus vergnügliches Unterfangen. Sie öffnet mit einem verschmitzten Lächeln, summt fröhlich vor sich hin, hat Trzesniewski-Brötchen besorgt – und die Flasche Sprudel ist auch längst eingekühlt. „Im Moment“, erklärt die 75-Jährige, nachdem sie in hohe Sektflöten eingeschenkt hat, „bin ich so fleißig wie noch nie in meinem Leben.“ Da wäre die Komödie am Kai, wo sie zuletzt täglich im „Dressierten Mann“ auf der Bühne stand, „da muss ich 25 Jahre jünger sein, als ich bin“. Herrlich verblödet, erzählt die ehemalige Burgschauspielerin, sei ihre Figur da, im Unterschied zur Berta Zuckerkandl, die sie vormittags probt. „Eine schöne Mischung. Für die Seele ist das ganz gut.“

Der Zuckerkandl hat sie sich vor ein paar Jahren schon angenähert. Nach der Renovierung von deren einstigem Salon über dem Café Landtmann hatte man mit verteilten Rollen aus Helmut Korherrs Stück gelesen. „Das hat den Leuten gut gefallen und eigentlich völlig gereicht.“ Doch dann sei der „der Herr Korherr ehrgeizig geworden“, scherzt sie, und auf die Idee gekommen, das Stück richtig auf die Bühne zu bringen. „Er hat dann noch herrliche Dinge gefunden“, Einspielungen von Karl Kraus etwa mit boshaften Bemerkungen über Zuckerkandls überschwängliches Lob für den „Jedermann“ (die Salonière betrieb PR für die neuen Salzburger Festspiele) – wo Hofmannsthals Stück laut Kraus doch so ein Schmarrn sei.

Doch Zuckerkandl war auch kritisch, das zeigen die Szenen aus mehreren Jahrzehnten, die Korherr aneinanderreiht. Sie beklagte früh das Blutvergießen des Ersten Weltkriegs, besuchte den schwer kranken Freud, kritisierte das „Deutsche Haus“ auf der Pariser Weltausstellung, schloss schließlich 1938 ihren Salon und ging ins Exil. Premiere des „Salon Zuckerkandl“ ist am kommenden Donnerstag im Keller des Prückl. Für Fessl schließt sich damit ein Kreis. „Vor tausend Jahren“, sie sei noch in der Schauspielschule gewesen, wurde dort unter Ernst Wolfram Marboe ein Studententheater umgebaut. „Da hab ich mitgebaut und Ziegel geschupft.“ Auf dem Plan stand die Verkündigung von Paul Claudel, doch dann verbot Schauspiellehrer Helmuth Krauss seinen Schülern, während des Studiums aufzutreten. „Marboe war ein Leben lang beleidigt, weil ich ihm abgesagt habe.“

Endlich im Prückel

Fessl bekam die Rolle dann doch – in einer Schüleraufführung. Später zogen in den Keller des Prückl die Pradler Ritterspiele. Ein Angebot vom Burgtheater, wo sie schon engagiert war, dorthin zu wechseln, lehnte Fessl jedoch ab. „Aber jetzt, nach 60 Jahren, spiele ich endlich doch in meinem Studententheater.“ 50 Jahre lang hat sie am Burgtheater gearbeitet, sieben Direktoren überdauert. Ihr Freund Heinz Ehrenfreund hatte ihr einst aufgeregt den Tipp gegeben, es gebe dort ein Vorsprechen. Fessl war gerade als Leiche an einem schlammigen Donauufer gelegen, eilte aber vom Filmset ins Haus am Ring. „Dort waren 30 wunderschöne junge Mädchen, frisch geschminkt, aber sie haben eine Kellerassel gesucht.“

Das Engagement besänftigte auch die Familie. Die hatte sie einst zur Schauspielerei gebracht, wiewohl eine Karriere nicht gutgeheißen. „Meine Mama hat ein bissl schlecht gehört, und ich hab, so wie alle Oberösterreicher, sehr schlampert geredet“, erzählt die Linzerin, die bis heute gern in einen leichten Dialekt verfällt. Von ihrer Mutter wurde sie daher zum damaligen Doyen des Linzer Landestheaters zum Sprechunterricht geschickt. Noch in der Schulzeit bekam sie Aufgaben bei Rundfunk und Kellertheatern, „aber als ich es dann in echt machen wollte, war die Familie dagegen“. Stattdessen wurde sie nach Wien expediert, um Jus zu studieren. „Das hab ich die üblichen zwei Semester brav gemacht, daneben aber heimlich Schauspielunterricht genommen.“

In diesem Stil erzählt Fessl weiter, reiht Anekdote an Anekdote, ist dabei an der Gegenwart höchst interessiert. An ihren freien Abenden geht sie ins Theater, am liebsten in die kleinen, Scala, Freie Bühne Wieden, ins Theater-Center Forum oder ins winzige Leo; bewundert das Können der jungen Kollegen. Einmal im Monat gibt es einen Burgtheater-Jour-fixe, da treffen sich „liebe Alte, die sich immer schon gemocht haben“, in einem Wirtshaus in der Bankgasse. Viel Zeit verbringt sie auch im Waldviertel, dort hatte ihr Mann, der Regisseur Kurt Junek, ein altes Bauernhaus, mit Nebengebäuden „ein halbes Dorf“, gekauft, dort gern „riesige Feste“ gegeben. Er ist inzwischen seit 25 Jahren tot, doch Fessl hält mit Freuden in Haus und Garten die Stellung. „Solang es geht, muss man es machen und genießen.“

ZUR PERSON

Ulli Fessl wurde 1942 in Linz geboren, sie wurde an der Schauspielschule Krauss ausgebildet. Anfang der Sechziger wurde sie ans Burgtheater engagiert. Im Fernsehen war sie u. a. 1980 als Kaiserin Maria Theresia zu sehen. Zu ihren musikalischen Ausflügen gehören Sissy (Raimundtheater), Bronners TV-Kabaretts, Schallplatten mit eigenen Chansontexten sowie die Mitwirkung an der Volksoper Wien in „Der Opernball“. „Salon Zuckerkandl. 1938 geschlossen“ von Helmut Korherr (Regie Kurt Ockermüller) hat am 19. April im Souterrain des Prückel Premiere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2017)

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