„Ich hatte nie ein anderes Ziel“

Die in Großbritannien geborene Schauspielerin Katherine Waterston spricht über ihren neuen Film „Alien: Covenant“ und ihre Kindheit als Tochter eines Stars.

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Katherine Waterston.
Katherine Waterston. – (c) REUTERS (NEIL HALL)

Wenn in Ridley Scotts „Alien“-Filmen ein fast unbesiegbares Überwesen eine Raumschiffbesatzung dezimiert, geht es niemals bloß um Grusel und Schauwert. Es geht immer um die Zukunftschancen der gesamten Menschheit. Dem sechsten Teil zufolge waren diese noch nie so schlecht. Die Frage ist nur: Sind wir es wert, gerettet zu werden? „Alien: Covenant“ startet am Donnerstag in den Kinos. Katherine Waterston, die weibliche Hauptdarstellerin, im Interview.


Bevor Sie in „Phantastische Tierwesen“ und nun „Alien: Covenant“ mitgespielt haben, waren Sie in kleinen Independent-Filmen zu sehen. Ist es aufregend oder Furcht einflößend, plötzlich die Hauptrollen in solchen Blockbustern zu übernehmen?

Katherine Waterston: Hm... Irgendwie beides. Natürlich ist es spannend und aufregend, etwas zu tun, was man noch nie gemacht hat. Nicht zu wissen, ob man einer Herausforderung gewachsen ist, kann einen beflügeln. Wenn ich im Vorfeld weiß, dass ich etwas kann, dann wird es womöglich langweilig. Aber ich habe schon auch kurz drüber nachgedacht, was wohl mit meiner Privatsphäre und solchen Dingen passieren würde. Denn natürlich war mir klar, dass ich Filme drehe, die ein großes Publikum finden werden.

 

Hat sich viel verändert in Sachen Privatsphäre?

Das hält sich in Grenzen. Wobei sich meine Bedenken nicht nur darauf bezogen haben. Als eine, die selbst Filme liebt, weiß ich einfach, dass man Schauspielern, die besonders bekannt sind und über die man ganz viel Privates weiß, manche Rollen nicht mehr so ohne Weiteres abnimmt. Je prominenter man ist, desto härter muss man arbeiten, um das Publikum zu überzeugen. Und ich wusste nicht, ob ich dazu bereit war, härter zu arbeiten (lacht). Letztlich waren aber die Herausforderungen reizvoller als die Skepsis.

 

Wussten Sie als Tochter eines erfolgreichen Schauspielers schon früh, dass Sie in seine Fußstapfen treten wollen?

Ich war zwischen fünf und zehn Jahre alt, als ich merkte, dass ich Schauspielerin werden will. Wobei ich gleichzeitig sehr naiv war, was diesen Wunsch anging. Die Leute denken immer, dass ich eine Ahnung von der Branche haben musste, weil mein Vater Sam Waterston ist. Doch dem war nicht so.

Hat Ihr Vater Sie nie zur Arbeit mitgenommen?

Doch, das hat er. Aber das eine war, meinen Papa bei der Arbeit zu beobachten. Das andere waren die Geschichten, die ich zu Hause im Fernseher sah. Den Zusammenhang habe ich nicht unbedingt hergestellt. Genauso übrigens, wie ich mir lange den Unterschied zwischen Film und Theater nicht bewusst gemacht habe. Das lag vor allem daran, dass wir zu Hause eine Videokassette mit einem abgefilmten Broadway-Stück meines Vaters hatten. Shakespeares „Viel Lärm um nichts“, davon war ich geradezu besessen. Ich habe jede einzelne der Figuren geliebt. Wenn ich es mir genau überlege, war es das, womit alles anfing.

Haben Sie diesen Traum dann zielstrebig verfolgt?

In meinem Herzen hatte ich nie ein anderes Ziel. Lange mit mir gerungen habe ich allerdings trotzdem. Einfach weil ich immer ein so dickköpfiges, unabhängiges Kind war und nicht die geringste Lust hatte, in jemandes Fußstapfen zu treten.

Lassen Sie uns noch kurz auf „Alien: Covenant“ zu sprechen kommen. Wenn man als Frau mit einem Maschinengewehr durch ein Raumschiff rennt und ein Monster jagt, kann man vermutlich den Vergleich mit Sigourney Weaver nicht ausblenden, oder?

Da widerspreche ich. Das klingt vielleicht seltsam und ausgedacht, aber ich habe beim Dreh ihre ikonische Figur Ellen Ripley wirklich komplett ausgeblendet. Als ich mich um die Rolle bei Ridley Scott bewarb, kam mir natürlich dieses Vermächtnis in den Sinn, aber jetzt merke ich, dass kein einzelner Journalist den Vergleich nicht zieht.

Wissen Sie noch, wann Sie selbst den ersten „Alien“-Film gesehen haben?

Ich muss ungefähr zehn Jahre alt gewesen sein, als der große Bruder einer Freundin uns ins Wohnzimmer rief: „Das müsst ihr euch ansehen!“ Und dann sah ich da im Fernsehen diese Szene aus dem ersten „Alien“-Film, in der das junge Alien bei einem Mann durch den Brustkorb bricht. Das hat mich so traumatisiert, dass ich den Film erst wieder gesehen habe, als ich in meinen Zwanzigern war.

Steckbrief

1980
wurde Katherine Waterston in London geboren, wuchs teilweise in den USA auf und studierte Schauspiel an der New York University.

2015
wurde sie mit einer Nebenrolle in „Steve Jobs“ einem breiteren Publikum bekannt. Ein Jahr später spielte sie eine Hauptrolle im Fantasyfilm „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Sie ist die Tochter des Schauspielers Sam Waterston. ?Reuters

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2017)

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