Salzburger Festspiele

Die Dirigentin von 300 Statisten

Bei den Salzburger Opernproduktionen wurden heuer so viele Statisten wie selten gebraucht – Barbara Crotti hat sie gesucht und gefunden.

Barbara Crotti leitet die Statisterie für den Opernbereich bei den Salzburger Festspielen.
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Barbara Crotti leitet die Statisterie für den Opernbereich bei den Salzburger Festspielen.
Barbara Crotti leitet die Statisterie für den Opernbereich bei den Salzburger Festspielen. – (c) SF/Anne Zeuner

Junge sportliche Männer, reizende Teenager, Frauen im besten Alter, große und kleine Menschen, Kinder und sogar Pferde oder Schafe: Barbara Crotti hat sie alle in ihrer Kartei – mit Namen, Kontaktdaten und den genauen Maßen. Die gebürtige Italienerin ist als Leiterin der Statisterie der Salzburger Festspiele dafür verantwortlich, dass in den Opernproduktionen auch das Fußvolk bestens besetzt wird. Und auch wenn in einer Aufführung Tiere benötigt werden, ist sie mit Unterstützung ihres Teams, Carina Schwab und Ernst Brandner, zur Stelle.

Heuer war ihr Job besonders herausfordernd: Es braucht knapp 300 Statisten, so viele wie kaum einmal. Regisseur Simon Stone hat für die Oper „Lear“, die am 20. August Premiere hat, eine Massenszene vorgesehen. Allein dafür braucht es 150 Personen. Dazu kamen 44 weitere Statisten, die in anderen Szenen mitwirken und bei vielen Proben dabei sein müssen. So viele Menschen zu finden, die während des Sommers Zeit haben und auf Abruf für die Proben bereitstehen, ist gar nicht so einfach. Der jeweilige Probenplan steht immer erst einen Tag vorher fest, die Statisten müssen daher flexibel sein. „Studierende oder Pensionisten können sich das gut einteilen. Aber wenn man berufstätig ist, wird es schwierig“, weiß die Managerin, die hauptberuflich in der Wirtschaft arbeitet und sich für die Festspiele im Sommer jeweils zwei Monate Auszeit nimmt.

„Männer sind Mangelware“

Für die Opern „Aida“ und „Lear“ wurden viele junge Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren gesucht. „Diese sind Mangelware“, weiß Crotti. Die jungen Männer sind berufstätig oder haben im Sommer etwas anderes vor. Trotzdem hat sie die Rollen alle besetzen können. Sie hat sich in den vergangenen vier Jahren, seit sie die Statisterie leitet, viele gute Kontakte aufgebaut und weiß, wo sie suchen muss. „Man kann alles finden“, weiß sie aus Erfahrung. Sogar bühnentaugliche Schafe, die im Vorjahr in der Oper „Exterminating Angel“ gebraucht wurden, hat sie aufgetrieben.

Gründe, warum man sich als Statist bei den Festspielen bewirbt, gibt es viele: Studierende nützen gern die Gelegenheit für einen unkonventionellen Sommerjob, bei dem man Festivalluft schnuppern und hinter die Kulissen einer großen Produktion blicken kann. Ein theaterbegeisterter Berliner ist heuer bei „Lear“ dabei, um seinen Urlaub als Statist bei den Festspielen zu verbringen. Viele Statisten kommen jeden Sommer, weil ihnen die Atmosphäre so gefällt.

„Viele machen es aus Liebe zum Theater“, erzählt Crotti. Die Gelegenheit, mit großen Stars auf der Bühne zu stehen oder zu erleben, wie eine Produktion entsteht, zählt für die Statisten ohnehin mehr als die Bezahlung. „Auch Leute, die noch nie auf der Bühne gestanden sind, bekommen beim Schlussapplaus leuchtende Augen“, erzählt Crotti. „Dieser Moment ist für jeden Darsteller berauschend.“ Der erste Probentag ist für die Leiterin der Statisterie immer besonders spannend: „Kommen alle, die zugesagt haben?“ Schließlich sind die Castings für die Statisten oft schon Monate vorher. Es kommt immer wieder vor, dass sich die Sommerpläne für einige der Laiendarsteller in dieser Zeit wieder ändern.

„Deshalb schicke ich den Statisten regelmäßig Informationen und halte sie auf dem Laufenden, damit sie sich eingebunden fühlen“, berichtet Crotti. „Sie sollen sich als wichtiger Teil der Festspiele fühlen.“ Zu viel darf sie aber auch nicht verraten, weil vor der Premiere keine Details über die Produktionen an die Öffentlichkeit dringen sollen. Vor der ersten Probe gibt es eine Einführung. Die wichtigste Regel dabei: Pünktlichkeit. Sonst gerät der eng getaktete Probenplan der Festspiele durcheinander.

Schweres Bärenkostüm

Und was war die bisher schwierigste Aufgabe, die Crotti lösen musste? Da muss die Italienerin lang nachdenken, dann fällt ihr doch etwas ein. Im Vorjahr fiel kurzfristig ein Statist aus, der einen Bären in einer Oper mimte. „Da mussten wir innerhalb von zwölf Stunden einen großen Mann auftreiben, der bereit war, in ein heißes und schweres Bärenkostüm zu schlüpfen.“ Nach einigem hektischen Herumtelefonieren und einem Casting mit der Regie am nächsten Tag war Ersatz gefunden, die Vorstellung konnte wie geplant über die Bühne gehen.

Zur Person

Beruf und Hobby. Barbara Crotti ist gebürtige Italienerin. Ein Tipp eines Kollegen führte sie vor vier Jahren zu den Salzburger Festspielen, bei denen sie seither neben ihrem Hauptberuf in der Wirtschaft die Statisterie für den Opernbereich leitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2017)

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