Die Mode der Salzburger Festspiele: Ein großes Kino für den Kopf

Susanne Pieper, Modistin aus Hamburg, sorgt bei den Salzburger Festspielen für aufsehenerregende Kopfbedeckungen.

Susanne Pieper im Einsatz für die Salzburger Festspiele.
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Susanne Pieper im Einsatz für die Salzburger Festspiele.
Susanne Pieper im Einsatz für die Salzburger Festspiele. – (c) wildbild

Man trägt wieder Hut. Zumindest bei besonderen Anlässen. Die gelernte Hutmacherin Susanne Pieper hat in Hamburg ein kleines Studio, in dem sich alles um die modische Kopfbedeckung für Hochzeiten, Taufen, Cocktailpartys oder Pferderennen dreht. Beim stilvollen Outfit ist der Hut der charaktervolle Tupfen auf dem i. Zu Pieper kommen die Damen der feinen Hamburger Gesellschaft. Im Frühsommer sperrt die Modistin ihr Atelier allerdings regelmäßig zu und übersiedelt für ein paar Wochen nach Österreich. Sie arbeitet in den Werkstätten der Salzburger Festspiele als Hutmacherin. „Wir sind für alles zuständig, was den Kopf bedeckt“, erzählt die Deutsche.

Vor zwei Jahren hat sie durch Zufall eine Stellenanzeige entdeckt, mit der das Festival eine Modistin suchte. Kurzentschlossen bewarb sie sich und war schon ein paar Tage später an der Salzach. „Ich bin die Vorhut“, erzählt sie. Denn der Großteil der Handwerker beginnt in den Werkstätten der Festspiele mit Anfang Juli, Pieper kommt schon im April oder Mai, um in Sachen Kopfbedeckung für die heiße Phase vor den ersten Anproben möglichst viel vorzubereiten. Schließlich muss die gesamte Ausstattung für die Produktionen binnen weniger Wochen fertig für die Premiere sein.

 

Vom Turban bis zum Hut

Wie die Maskenbildner und Schneider bekommt auch Pieper die Entwürfe der Kostümbildner für die Darsteller der geplanten Produktionen. Die Herausforderung ist, die Skizzen der Künstler in reale Kopfbedeckungen umzusetzen. Dabei geht es nicht nur um das Aussehen, sondern auch um die Haltbarkeit. Filz, Stroh, Tüll, Stoff oder das Versteifungsband Crinoline sind die Materialien, mit denen die Hutmacher arbeiten. Eine der Voraussetzungen bei der Wahl: Die Kopfbedeckung darf nicht zu schwer werden. Da ist Kreativität und Einfallsreichtum gefragt. Als bei „Die Liebe der Danae“ im Vorjahr überdimensionale Turbane zu den Kostümen gehörten, mussten diese möglichst leicht sein. Mit Gummischläuchen aus dem Baumarkt und Moosgummi wurde für Volumen bei gleichzeitiger Gewichtsminimierung gesorgt. „Wir tauschen uns bei kniffligen Dingen mit den anderen Mitarbeitern der Werkstätten aus und probieren so lange herum, bis es passt“, erzählt Pieper. Die Hüte und Kappen dürfen eben nicht zu schwer sein und müssen gleichzeitig auch noch sehr gut sitzen. Deshalb hat das Team der Hutmacherei von allen Solisten und Chormitgliedern der Salzburger Festspiele die ganz genauen Kopfmaße.

„Die Menschen müssen sich mit ihrer Kopfbedeckung wohlfühlen“, lautet das Credo der Hutmacherin. Das gilt für den Kunden, der sich im Atelier einen Hut aussucht, wie für die Sänger und Schauspieler auf der Bühne. „Nur wer sich selbst gefällt, kann auch eine gute Leistung bringen“, ist Pieper überzeugt. Künstler sind da besonders sensibel, hält sie dazu fest.

Heuer hatten die Hutmacher in Salzburg einiges zu tun: Bei der Oper Aida mit Anna Netrebko erhielten 60 Priester, 38 Dienerinnen und 24 Priesterinnen zum Kostüm passende Kopfbedeckungen. Im „Wozzek“ wurden die vielen Soldaten mit einfachen Kappen ausgestattet, die Offiziere bekamen auffällige Kappen mit Federbusch. Auch wenn sie 20 oder 30 Mal das gleiche Modell macht, wird dieses Prozedere für Pieper nicht langweilig. „Für mich ist das wie eine Meditation“, lacht sie.

 

„Beruf ist mir über Weg gelaufen“

Der Beruf der Modistin war ihr nicht in die Wiege gelegt: „Ich komme aus einer Familie der Kaufmänner.“ Nach der Matura wollte sie allerdings nicht studieren, sondern suchte nach Alternativen. „Der Beruf ist mir über den Weg gelaufen“, erzählt sie. Eine Wahl, die sie nicht bereut: „Ich mache großes Kino für den Kopf.“ Und in den Arbeitspausen nützt sie jede sich bietende Gelegenheit, um Opern und Schauspielaufführungen bei den Festspielen zu sehen. Nicht nur, um die Stars zu hören, sondern auch, um sich an den Kostümen und den perfekt sitzenden Hüten zu erfreuen.

AUF EINEN BLICK

Susanne Pieper, Modeschöpferin aus Deutschland, übersiedelt rund um die Zeit der Salzburger Festspiele für einige Woche von ihrem kleinen Atelier in Hamburg an den Festspielort. Dort fertigt sie seit zwei Jahren alle Kopfbedeckungen für die Schauspielerriege an – vom Turban über Hüte bis zu Soldatenkappen. Für „Aida“ mit Anna Netrebko lieferte sie die Kopfbedeckungen für 60 Priester, 38 Dienerinnen und 24 Priesterinnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2017)

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