Ein Leben voll Kindertheater

Traude Kossatz hat das größte Figurentheater Wiens gegründet, das sein 20-Jahr-Jubiläum feiert. Sie arbeitet nach wie vor emsig an den Stücken.

Traude Kossatz' Puppen sind Unikate und werden in nur einem Stück verwendet, das „Monster Monstantin“ feiert heute Premiere.
Schließen
Traude Kossatz' Puppen sind Unikate und werden in nur einem Stück verwendet, das „Monster Monstantin“ feiert heute Premiere.
Traude Kossatz' Puppen sind Unikate und werden in nur einem Stück verwendet, das „Monster Monstantin“ feiert heute Premiere. – (c) Mirjam Reither

Der Anfang ist immer am schönsten“, sagt Heide Kossatz, „wenn man ein neues Stück angeht, scheint alles möglich. Später fragt man sich dann, warum man nur so lang getrödelt hat.“ So geht es also auch sehr erfahrenen Theatermachern, zu denen man die 1939 geborene Kossatz nun wirklich zählen kann. Sie gründete das Kindertheater Lilarum, das am jetzigen Standort in Wien Landstraße sein 20-Jahr-Jubiläum feiert.

Angefangen hatte sie mit Wanderbühnen, danach kam ein „Kellerloch“ im 14. Bezirk, in dem die Puppenspieler knien mussten. Dort blieb Kossatz zehn Jahre lang, und obwohl die Kinder anfangs noch danach fragten, wo denn der Kasperl sei, kam das Konzept gut an: fantastische Stücke, die den Kindern visuell viel bieten. Fünf Spieler bewegen die Figuren – allesamt Unikate, die Kossatz häufig selbst entwickelt – zu den aufgenommenen Stimmen bekannter Schauspieler, Musiker, Kabarettisten: Hilde Sochor, Robert Palfrader, Marianne Mendt, Michael Niavarani und Mavie Hörbiger etwa.

Die Stücke müssen in der Vorbereitung fast fertig sein: Auch die Musik wird eigens komponiert und aufgenommen, etwa von den Strottern. Kossatz erzählt viel darüber, was sie in den vergangenen Jahrzehnten gelernt hat. Etwa, dass Kinder nicht zwanghaft mit der Realität konfrontiert werden müssen. Sie setzt auf Themen, die die Kleinen – meist zwischen drei und fünf Jahre alt – auch wirklich verstehen könnten. Grundprinzip sei Ehrlichkeit: Kossatz legt Wert darauf, dass in den Stücken nichts Ironisches oder Satirisches vorkommt, vor allem auch kein Lachen auf Kosten anderer. „Wir sprechen Gefühle an, die immer Gültigkeit haben“, sagt sie – das sei wohl das Erfolgsrezept.

Ihre Eltern hatten Traude Kossatz eigentlich verboten, etwas mit Theater zu machen. Unter dem Motto: Um Gottes willen, da kannst du ja gleich auf den Strich gehen. Sie studierte also Malerei und wurde später, als sie Kinder hatte, auf das Puppentheater aufmerksam – hier konnte sie Malerei und Bildhauerei mit dem Theater verbinden, das war der Reiz. Und er blieb. „Mittlerweile kommen schon die Kinder, die früher Zuschauer waren, mit ihren Kindern“, sagt Kossatz, „das finde ich sehr lieb.“ Die Konkurrenz sei groß, aber das Haus gut gefüllt: 40.000 Besucher im Jahr.

 

Die Suche nach passenden Stücken

Das Theater leitet nun offiziell ihr Sohn, aber die kleine, quirlige Frau blieb aktiv. Der schwierigste Teil ihrer Arbeit sei die Suche nach einem neuen, passenden Stoff. Besonders gern dramatisiert sie Kinderbücher von Erwin Moser, vier solche Stücke gab es bereits. Haben sich die Stücke im Lauf der Zeit verändert? „Früher wollte ich mehr reinpacken, auch für die Eltern. Heute denke ich mir, ist doch egal, ich mache das für die Kinder. Ich möchte, dass sie die Geschichte verstehen, dass sie emotional dabei sind, dass sie mitleiden, sich mitfreuen, mitfühlen können.“

Zum zwanzigsten Geburtstag des Lilarum hat heute, Samstag, das „Kleine Monster Monstantin“ Premiere. Es ist die Geschichte eines Monsters, das in der Geisterbahn Kinder erschrecken soll, aber viel zu liebenswürdig für diese Arbeit ist – und davon träumt, Sänger zu werden. Unter all den Stücken, die schon auf ihrer Bühne gelaufen sind, hat Kossatz übrigens keine Favoriten: „Wenn ein Stück auf der Bühne ist, interessiert es mich schon nicht mehr.“ Dann überlegt sie schon, was sie als Nächstes macht.

ZUR PERSON

Traude Kossatz, geboren 1939 in Wien, wuchs in einer Zeit auf, in der es unschicklich war, ans Theater zu gehen – ihre Eltern verboten es ihr. Sie machte also zunächst eine Uhrmacherlehre und widmete sich dann der Malerei. Als sie selbst schon Kinder hatte, gründete sie das Figurentheater Lilarum, das seit zwanzig Jahren in der Göllnergasse 8 in Wien Landstraße niveauvolles Kindertheater bietet. Nur eines habe die vielfach ausgezeichnete Theatermacherin bisher nicht geschafft, erzählt sie: am Lilarum auch Erwachsenenprogramm zu machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Ein Leben voll Kindertheater

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.