Star-Anwältin: Gloria Allred, die Frau für alle Fälle

US-Staranwältin Gloria Allred schaltet sich nun auch im Fall Harvey Weinstein ein: Sie vertritt Drehbuchautorin Louisette Geiss (im Bild r.), die den Filmproduzenten der sexuellen Belästigung beschuldigt. Allred ist ein Phänomen: Ihre Spezialität sind Frauenrechte und Diskrimierungsfälle, häufig öffentlichswirksame mit der Beteiligung großer Namen. So trat Allred schon gegen berühmte Personen wie O. J. Simpson, Arnold Schwarzenegger oder Donald Trump auf; der Fall Bill Cosby ist ebenfalls eng mit der US-Amerikanerin verknüpft.

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Zu einem pikanten Aufeinandertreffen hätte es übrigens kommen können, wäre Lisa Bloom nicht von ihrem Posten als Anwältin Weinsteins zurückgetreten wäre: Sie ist Allreds Tochter und als Rechtsanwältin ähnlich prominent wie ihre Mutter. Bloom vertritt ebenfalls hauptsächlich Frauen in Diskriminierungs- oder Belästigungsfällen, weswegen ihre Entscheidung, den mutmaßlichen Sexualstraftäter Weinstein zu beraten, heftig kritisiert wurde. Bloom entschied sich schließlich, sich aus dem Fall zurückzuziehen.

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Ihre Mutter verteidigte ihre Tochter allerdings: Sie habe verstanden, warum Bloom mit Weinstein zusammenarbeiten habe wollen, sagte Allred. Sie forderte Weinstein außerdem auf, an einem Mediationsverfahren teilzunehmen. "Wenn er ein Verfahren zulässt, das Gerechtigkeit möglich macht, würde ihm das sehr dabei helfen, seinen Ruf zu reparieren", sagte Allred bei einer Pressekonferenz in Los Angeles.

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Für die US-Amerikaner ist Gloria Allred eine wahre Größe, geht es um emotional schwierige Fälle mit prominenter Beteiligung. Die 76-Jährige trat lange Zeit auch in ihrer eigenen Fernsehshow auf. Wirklich berühmt wurde sie aber durch ihre dramatischen Pressekonferenzen und durchorchestrierten Medienaktionen.

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Mit spektakulären Fällen kennt sich die Anwältin aus. Ihre Karriere begann sie in den 1970er-Jahren mit Gleichberechtigungs- und Frauenrechtsfällen. In den frühen 1990er-Jahren war sie schließlich in einen der bekanntesten Prozesse der US-Geschichte involviert: Allred vertrat im Mordprozess gegen Sportler O. J. Simpson die Familie der ermordeten Nicole Brown (im Bild Browns Schwester Denise Brown während des Prozesses).

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Im Sommer 1997 vertrat Allred (im Bild, Mitte) Kelly Fisher (l.), die Verlobte Dodi Fayeds, die von Fayed für Lady Diana Spencer verlassen wurde. Fisher ließ die Anklage gegen Fayed nach dessen Tod - und dem der britischen Adeligen - schließlich fallen.

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Legendär auch der Allred-Fall von Schauspielerin Hunter Tylo, ebenfalls im Jahr 1997: Filmproduzent Aaron Spelling hatte Tylo gefeuert, weil sie schwanger war. Tylo erhielt 4,8 Mio. US-Dollar Entschädigung - doch wesentlich wichtiger war die verbriefte Errungenschaft, dass Schauspielerinnen trotz Schwangerschaft weiterarbeiten durften.

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Allred widmete sich auch dem Popstar Michael Jackson. Nachdem der Musiker seinen neun Monate alten Sohn Blanket über den Balkon des Hotel Adlon in Berlin gehalten hatte (im Bild), meldete Allred den Fall bei der Familienbehörde in Los Angeles. Schon 1993 hatte sie einen Jungen vertreten, der Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatte.

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Ex-Spice-Girl Melanie "Scary Spice" Brown wandte sich an Allred, als es darum ging zu beweisen, dass Hollywoodstar Eddie Murphy der Vater ihrer 2007 geborenen Tochter Angel Brown war.

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Durch die Arbeit der Anwältin wurde 2008 das Recht auf Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im US-Bundesstaat Kalifornien bestätigt. Allred hatte damals für zwei gleichgeschlechtliche Paare prozessiert - eines davon waren Robin Tyler und Diane Olson (im Bild mit Allred, l., bei ihrer Hochzeit).

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Tiger Woods, damals verheiratet, bekam es 2009 mit Anwältin Allred zu tun, als sie die Pornodarstellerin Joslyn James (im Bild r.) und die Medienpersönlichkeit Rachel Uchitel vertrat. Die beiden Frauen seien "Mätressen" des Profigolfers gewesen sein, hatten einige Medien davor behauptet.

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Auch Schauspielerin Charlotte Lewis wählte 2010 Allred aus, sie dabei zu unterstützen, zu erzählen, dass Regisseur Roman Polanski sie als 16-Jährige vergewaltigt habe.

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Lewis ist freilich bei weitem nicht die einzige Frau, die solche Anschuldigungen gegen Polanski erhebt. Allred vertrat 2017 auch Robin M. (im Bild l.), die ebenfalls angab, als 16-Jährige von Polanski sexuell missbraucht worden zu sein.

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Schauspiel-Star Jodie Foster entschied sich 2010 für Allred, um den damaligen HP-CEO Mark Hurd der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Hurd trat schließlich zurück.

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2011 erschütterte der Vorwurf der Ex-Pornodarstellerin Ginger Lee (im Bild vorne) das politische Establishment der USA: Sie sei als eine von sechs Frauen mit dem demokratischen Abgeordneten Anthony Weiner in einer sexuellen E-Mailbeziehung gewesen. Weiner hätte sie überzeugen wollen, über die Beziehung zu lügen, um den Skandal nicht zu verschlimmern; er musste anschließend seinen Sitz im Repräsentantenhaus zurücklegen. Weiner ist mittlerweile wegen "Sextings" mit einer Minderjährigen verurteilt.

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Während des US-Präsidentschaftswahlkampfes entschieden sich einige Frauen, ihre Vorwürfe des sexuellen Mussbrauchs gegen den damaligen Kandidaten und heutigen Präsidenten Donald Trump vorzubringen. Allred war die Anwältin ihres Vertrauens. (Die Frauen, die Allred vertritt, sind lange nicht alle, die den Präsidenten sexuellen Missbrauchs bezichtigen.)

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Zu den Frauen, die Allred gegen Trump vertritt, gehört Summer Zervos, die 2005 Teilnehmerin von Trumps Fernsehshow "The Apprentice" gewesen war. 2007 habe Trump sie bei einem Meeting gegen ihren Willen mit offenem Mund geküsst, ihre Brüste begrapscht und seine Genitalien an ihr gerieben.

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Auch Karena Virginia (im Bild r.) behauptet, 1998 Opfer eines sexuellen Übergriffs von Trump geworden zu sein. Die Yogalehrerin wartete auf ein Auto, als Trump - mit dem sie nicht bekannt war - auf offener Straße und umringt von einer kleinen Männergruppe auf sie zukam und begann, Kommentare über ihre Beine zu machen. Dann habe er sie am Arm gepackt und ihre Brust begrapscht. Dabei habe er gesagt: "Weißt du nicht, wer ich bin? Weißt du nicht, wer ich bin?"

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Pornodarstellerin Jessica Drake (im Bild r.) lernte Trump 2006 bei einem Golfturnier kennen. Er habe sie anschließend auf sein Hotelzimmer eingeladen. Sie habe sich unwohl dabei gefühlt und zwei Freundinnen mitgebracht, sagte Drake.

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Trump habe Drake und ihre Begleitung dabei viel zu innig begrüßt. Sie sehe ihre Erzählung als Unterstützung für die vielen Frauen, die ungewollte sexuelle Begegnungen mit Trump erlebt hätten, sagte Drake.

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Aus einer langen Reihe von Geschichten von Ereignissen bei Misswahlen stammt die Geschichte von Temple Taggart, die 1997 Miss Utah USA war. Trump war damals gerade Besitzer des Kontests geworden. Er habe Taggart geküsst und umarmt, was die junge Frau damals so verstört habe, dass angeordnet wurde, dass Taggart nicht mehr allein mit Trump in einem Raum sein dürfe.

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Allreds wohl bedeutenster Fall ist aktuell die Causa Bill Cosby. Rund 60 Frauen werfen dem Entertainer verschiedene Sexualstraftaten vor, mindestens 28 von ihnen werden von Allred vertreten.

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Allred holte viele dieser Frauen vor den Vorhang und ließ sie ihre Geschichten erzählen.

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Bei den Pressekonferenzen hielten die Frauen auch Fotos, die sie zu der Zeit zeigen, in der Cosby sie sexuell missbraucht haben soll.

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Nachdem der erste Prozess gegen Cosby gescheitert war, beginnt der nächste im November. Allred sagte dazu: "Runde zwei kommt."

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Auch wenn Allred bekannt wurde durch ihre Promi-Fälle: 90 Prozent ihrer Fälle seien nicht zu sehen, sagte sie einmal in einem Interview.

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