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Königin Beatrix: Eine Königin und das Internet

03.01.2010 | 18:16 |  >>WELTMENSCHEN VON HELMUT HETZEL (Die Presse)

Die niederländische Königin Beatrix wird nach ihrer Kritik an Twitter, Facebook & Co. scharf kritisiert und für ewig rückständig erklärt.

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Die persönliche Freiheit des Einzelnen hat sich von der Verbundenheit mit der Gesellschaft abgekoppelt. Aber ohne ein Wirgefühl wird unsere Existenz leer. Mit virtuellen Begegnungen kann man diese Leere nicht füllen – im Gegenteil.“

Dieser Satz aus der Weihnachts- und Neujahrsansprache von Königin Beatrix bringt viele Niederländer auf die Palme. Vor allem Jugendliche, die mit dem Internet aufgewachsen sind und für die Twitter, Facebook, Google und die eigene Website zum Leben gehören wie früher das Fahrrad oder ein Plattenspieler, verstehen diese Aussagen ihrer Königin überhaupt nicht. „Königin Beatrix leugnet, dass sich die Gesellschaft verändert. Sie meint, das Internet trenne die Menschen. Wir leben doch nicht mehr in den 50er-Jahren. Ist die Königin etwa in den 50er-Jahren stecken geblieben?“, fragt der Medienwissenschaftler Mark Deuze von der Universität Leiden. „Durch den technischen Fortschritt und die neuen Technologien kommen Menschen aber gerade näher zusammen. Stichwort: Globalisierung. Technologie verbindet. Aber sie verbindet die Menschen eben anders als früher miteinander.“

Nicht gut zu sprechen auf die Weihnachtsansprache von Königin Beatrix, in der diese auch den technologischen Fortschritt als solchen negativ darstellt, ist auch der Erfinder der niederländischen Internetseite „Hyves“, Raymond Spanjar. „Ich biete der Königin kostenlos eine Website samt Account bei uns an. Dann wird sie sehen, mit wie vielen Menschen sie in kürzester Zeit in Kontakt stehen wird“, spottet Spanjar. Seine Seite „Hyves“ ist in den Niederlanden besonders bei Jugendlichen mindestens so beliebt wie das Social Network Facebook.


Noch härter ins Gericht mit dem niederländischen Staatsoberhaupt geht die Königshauskennerin und Historikerin Dorine Hermans: „Dies sind typische Sätze von jemandem, der schon etwas älter ist. Die Königin löst damit einen Generationskonflikt aus, und sie ergreift einseitig für eine Generation Partei. Das haben wir bei ihr noch nie erlebt“, meint Hermans. Königin Beatrix wird am 31.Januar nächsten Jahres 72 Jahre alt. Es ist von ihr nicht bekannt, ob und wenn ja, wie intensiv sie das Internet für ihre Arbeit nutzt. Möglicherweise überlässt sie das Surfen im Netz ihren mehr als 300 Mitarbeitern, die sie am Hof ausschließlich für sie arbeiten.

Die Ansprachen der Königin werden traditionell mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Denn in ihren Reden zu Weihnachten und Neujahr kann die Monarchin weitgehend ihre persönliche Meinung ausdrücken, was etwa in ihrer jährlichen Thronrede im September nicht möglich ist. In früheren Weihnachtsansprachen setzte sich die Königin etwa für den Umweltschutz ein und sie plädierte dafür, dass ihre Landsleute ihr Verhältnis zu den Deutschen kritisch hinterfragen sollten.

Auf einen Blick

Königin Beatrix, 71, warnt die Niederländer vor Gefahren sozialer Netzwerke im Internet. Dafür wird sie nun scharf kritisiert. Das zeige, so die Gegner, dass sie kein Verständnis für junge Menschen habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2010)

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3 Kommentare
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Die niederländische Königin hat recht

Vielleicht hat es mit der Weisheit des Alters zu tun, dass die niederländische Königin genau auf einen wunden Punkt trifft. Denn die Lügen um die "Freundschaften", sozialen Vernbundenheiten etc., die, wenn überhaupt, nur kurzfristig halten, was sie versprechen, sind soweit zustimmungsfähiig, als die sozialen Defizite in der eigenen Befindlichkeit schmerzen. In der Abstraktion sozial zu sein ist ein guter Marketing- Effekt und hat weder mit dem Nächsten auf der Strasse noch den personalenpersonalen Beziehungen zu tun, sonst würden nicht soviele Fiktionen, Unwahrheiten und Vorspiegelungen falscher Eindrücke geschehen. Und dass sogenannte Medienwissenschafter einer geisteswissenschaftlich eher schwächelnden Universität wie Leiden ihre Stimme erheben, zeigt nur die fatale Abhängigkeit der Reflexion vom zu reflektierenden Objekt. Kompliment an die intellektuelle Redlichkeit eines Staatsoberhauptes, das zumindest einmal im Jahr sagen darf, was Sache ist. Und- siehe da, auch es sagt.
n.

Gast: trainingsraum
03.01.2010 19:50
0 1

***

was das "wir-gefühl" schwächt ist nicht das internet, sondern massenzuwanderung.

Antworten Gast: christian
03.01.2010 21:54
0 0

Re: stimmt.

Es ist notwendig geworden, Begriffe wie: "wir", "Volk", "Gemeinde", "Oesterreich" neu zu definieren. Wer sind "wir"? Was haben wir gemeinsam? Was unterscheidet uns von anderen Laendern/Voelkern?
Was ist "Heimat"?