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Gespür für Sex: Erster Orgasmus mit 79

28.02.2010 | 17:02 |  von Isabel Groetzinger-Singer (Die Presse)

Tabubrecherin? Sexsüchtige? Clevere Geschäftsfrau? Früher verfasste Elfriede Vavrik Märchen für Kinder. In "Nacktbadestrand" schreibt sie heute über Sex im Alter und ihren ersten Orgasmus mit 79.

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This is where the magic happens“, sagen die Amerikaner. Für Elfriede Vavrik stimmt der Satz. Im Schlafzimmer der 80-Jährigen geht es seit einem Jahr heiß her. Mit 79 Jahren erlebte sie ihren ersten Orgasmus – und seither möchte sie nicht mehr auf Sex verzichten. „Ich wusste nicht, dass ich Sex so empfinden kann“, stellt Vavrik fest.

Diese Empfindung hat sie jetzt auch in ihrem ersten Buch festgehalten. Darin begibt sie sich auf die Spuren von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“, dem Aufreger der 2000er-Jahre. Denn Elfriede Vavrik hat den Sex für sich entdeckt – und lässt nun mit „Nacktbadestrand“ die ganze Welt daran teilhaben. In ihrem Buch erklärt sie, dass ihr, nachdem sie ihre Buchhandlung aufgegeben hatte, zu Hause die Decke auf den Kopf fiel. Natürlich sei ihr fad gewesen, gesteht Vavrik. Es geht aber auch um Geld: Mit dem Buch will sie ihre kleine Pension aufbessern. Und wenige Dinge verkaufen sich so gut wie gebrochene Tabus.

Es begann mit einem Inserat. Mehr als hundert Zuschriften bekam sie darauf. Mit vielen Bewerbern telefonierte sie nur, mit einigen traf sie sich, mit einer Handvoll ging sie gleich ins Bett: mit einem 25-jährigen Selbstständigen („wundervoll“); mit einem verurteilten, muskelbepackten, über und über tätowierten Mörder („ein harmloser, unschuldiger, armer Mann“) und mit einem Musiker („Vorliebe griechisch“).

Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Frau Vavrik suchte aber nicht nur Sex. Sie würde die „Aufmerksamkeit“ und das „Mitgefühl“ der Männer schätzen. „Gute Gespräche und gemeinsame Interessen“ wären ihr auch wichtig, sagt sie. Deswegen ließ sie mittlerweile von ihren jugendlichen Bettgespielen wieder ab. Ihre aktuellen Liebhaber sind beide um die 50 Jahre alt. Obwohl die Männer-Generation 50+ vor den Augen der alten Dame nicht unbedingt Gnade findet: Wenn sie unsportlich sind, wären sie ihr zu schwabbelig und würden im Bett nichts mehr taugen.

„Ich habe mir die ausgesucht, die mir zustehen“, sagt Vavrik über ihre Sexualpartner. Sie hat deshalb gleich zwei davon. Die 80-Jährige behauptet, Männer wären nicht für die Monogamie geschaffen; sie selbst aber auch nicht. Für Gruppensex sei sie allerdings nicht zu haben. Ihre Liebhaber wissen voneinander, kennen sich aber nicht. Die alte Dame wolle sich voll und ganz auf einen Mann „konzentrieren“, dabei würde der jeweils andere stören.

Dass viele junge Menschen Altensex „grauslich“ finden und ihn sich lieber nicht vorstellen wollen, versteht Vavrik: „Man ist ja nicht mehr so appetitlich. Ich habe keine glatte Haut, habe Falten und kann nicht mehr bieten, was ein junger Mensch bieten kann. Aber die, die zu mir kommen, erwarten nicht, dass ich ausschau wie eine 18-Jährige. Die Jungen werden auch noch draufkommen, dass es in Ordnung ist.“ Vavriks vorwiegend weibliche Leserschaft ist begeistert – sagt zumindest sie. Ihre 87-jährige Schwester meinte etwa: „Du warst immer anders, und ich find das großartig.“

In vollen Zügen genießen kann Frau Vavrik ihren Erfolg derzeit allerdings nicht: Nach einem Oberschenkelhalsbruch kann sie sich nur schwer in ihrer kleinen Wohnung bewegen. Jeder Schritt ist mühsam. Als der „Presse“-Fotograf sie fragt, ob er sie auf dem Bett ablichten dürfe, fackelt Frau Vavrik jedoch nicht lange. Er gefällt ihr.

Und so stellt die alte Dame ihre Gehhilfe in die Ecke und posiert wie ein Model auf dem grauen französischen Polsterbett. Jetzt könnte man fast vergessen, dass man eine 80-Jährige vor sich hat. Sie wirkt viel jünger und sieht frisch aus, trägt dezentes Make-up und eine moderne Frisur, die ihr Gesicht weich erscheinen lässt. Das warme Licht im hellgelb gestrichenen Schlafzimmer verstärkt den Effekt auch noch, fast so, als wäre man im Fotostudio. Frau Vavrik scheint es zu genießen, im Mittelpunkt zu stehen, und fühlt sich sichtlich wohl. Seit sie wieder ein aktives Sexleben hat, fühlt sie sich frei, sagt sie. Total frei.

Komplexbehaftet und prüde. Schockieren wolle Vavrik mit ihrem Buch aber nicht. Ursprünglich war es an Männer adressiert, weil die „so etwas“ gerne lesen würden. Gleichzeitig will sie aber auch Frauen ihres Alters Mut machen. Ihre Generation sei prüde erzogen worden, über Sex habe man nicht gesprochen. Sie selbst habe als junge Frau mit vielen Komplexen gekämpft, habe sich geniert, sich vor ihrem ersten Ehemann auszuziehen. Sie wuchs auf mit: „Hände da unten, pfui, weg.“

Dennoch sieht Vavrik sich nicht als Emanze. Vor allem hält sie nichts von Gleichberechtigung im Bett. Vehement besteht sie darauf, nicht der fordernde Part sein zu wollen. Der Mann müsse seine Wünsche an sie herantragen, sagt sie. Trotzdem weiß die 80-Jährige, was sie tut und was sie erleben will.

In „Nacktbadestrand“ beschreibt die Pensionistin detailliert ihren Sex. Sie lässt ihre Leser nicht einmal im Unklaren darüber, wie genau sich ihre Darmwände anfühlen, wenn sie Analsex hat. Zwischen Spitzendeckchen, Lampen im Tiffany-Stil und Herrgottswinkel sind „Sex“, „Orgasmus“ und „Selbstbefriedigung“ allerdings noch die anstößigsten Worte, die sie ausspricht. Denn im Interview erweist Vavrik sich als gekonnte Drumherumrednerin. Kein einziges Mal macht sie Gebrauch von der expliziten Sprache in ihrem Buch. Anstatt auf den Punkt zu kommen, lächelt sie nur wissend und verschmitzt.

Als Charlotte Roche für Alte sieht sie sich dennoch nicht. „Feuchtgebiete“, meint sie, finde sie sogar schrecklich. Ihr Zugang sei ein anderer. Geschrieben habe sie ja schon immer gern, in ihrer Jugend verfasste sie etwa Märchen für Kinder. Ob auch „Nacktbadestrand“ ein paar Elemente eines Märchens in sich trägt? „Die Kurzgeschichten zwischen den Kapiteln“, meint sie, „sind frei erfunden.“ Und die Geschichte selbst? „Das ist tatsächlich passiert.“ Und lächelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2010)

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11 Kommentare
Gast: kuss
30.01.2012 20:16
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wahrheit

Ich bin zwar erst 45 Jahre alt und mein Sexualleben ist erfüllend.War 20 Jahre mit einem absoluten Sexmuffel verheiratet und hatte kaum Sex, bis ich eine leidenschaftliche Affäre anfing, die mir den fehlenden Sex gab.Ohne Sex ist das Leben nur halb, es fehlt die körperliche Befriedigung. Kenne aber auch viele Frauen jeglichen ALters, die sich dem Sex entziehen oder ihn ablehnen und wahrscheinlich auch irgendwann mit 80 Jahren stehen und feststellen, hätt ich nur mal guten Sex gehabt und einen einzigen Orgasmus.
Ich finde das Buch Badewannentag faszinierend und beschämend oder vulgär finden es nur diese Frauen, die noch nie einen ohrenbetäubenden Orgasmus unbd MAnn hatten.Die tun mir leid!!!
Für Leibe-welcher Art auch immer-ist es nie zu spät.Wären nur alle Frauen so, gäbs weniger frustrierte und grießgrämige Weiber!!!
Alles Gute!

Gast: w.47
23.06.2011 13:35
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furchtbar

ich bin eine frau die bücher, selbst wenn sie nicht meinen geschmack treffen, nicht wegwerfen kann. mit einer ausnahme, nackbadestrand.
ich habe es nicht nur weggeworfen, ich habe es sogar vernichtet.
wenn junge frauen, mädchen das lesen muß es ihnen ja grauen. da ist die mutzenbacherein ja ein litaraturmeisterwerk . so ordinär und taktlos geschrieben, daß man sich als frau dafür schämt. denn selben inhalt hätte man auch erotisch formschön zu blatt bringen können.
kann nicht verstehen wie so ein buch sich so verkaufen kann. sind die menschen wirklich so scharf auf dreckige details?

ich nicht. schade um das material und das geld!!!

Gast: eva42
21.01.2011 16:07
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Es ist nie zu spät für Spaß - Gott sei Dank!

Warum sollte Sex im Alter eklig sein? Jeder Körper ist auf seine eigene Weise interessant und schön - Falten und Narben sind menschlich und ein Teil gelebten Lebens.
Daß man über Kontaktanzeigen merkwürdige Zeitgenossen treffen kann, habe ich auch schon erlebt, mache das aber nicht am Alter fest. An der teilweise deftigen Wortwahl im Buch scheiden sich die Geister - ich persönlich finde sie überhaupt nicht abstoßend. Besonders mag ich, daß Frau Vavrik sich bei Gott für die Erfüllung ihrer Träume bedankt (auch wenn Ehebruch wahrscheinlich den meisten Christen nicht ins Konzept passt). Ich finde es ermutigend, daß man, wenn man sich etwas traut, auch spät noch Glück erleben kann.

Gast: Bussi
10.10.2010 23:37
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Super diese Frau Vavrik

Danke durch sie liebe Frau Vavrik,habe ich wieder mehr Freude am Sex mit meinem Mann.

Gast: SONI
10.10.2010 23:31
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DANKE FÜR SOVIEL OFFENHEIT


Gast: Pauline
23.09.2010 19:59
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Nacktbadestrand

Nach dem Bericht habe ich mir sofort das Buch gekauft,weil ich dachte,es ist interessant,zu lesen wie eine 79jährige ihr Sexleben nachholt,wo das doch in den meisten Fällen ein Tabuthema ist.Ich bin bei der Hälfte des Buches und mittlerweile ödet es mich an.Es rutscht mehr und mehr ins primitive ab.Am abartigsten war die Sache mit dem Häftling.Manchmal glaube ich,viele ihrer Erlebnisse sind nur erfunden und Phantasie.

Gast: Byhans1968
29.08.2010 01:35
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Hochachtung

ich habe den bericht im Tv gesehn.
Es ist nicht an der Tagesordnung, so denken die meisten im Hohen Alter.diese Dame Lebt ein Leben
so wie sie es möchte und das ist auch gut so.
jegliche Kritik ist unangemessen.Ich freue mich kennen zu lernen das es auch Menschen gibt die aus dem Prüden Leben aussteigen und das Publik machen.

ich verneige mich Hochachtungsvoll vor
Frau Elfriede Vavrik


Gast: Reini
07.03.2010 22:11
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Nachholbedarf

Eindeutig hat diese Frau Angst, was im Leben verpasst zu haben, hat sie vielleicht auch - 40 Jahre keinen Sex. Ich gehöre eher zu den Frauen, die vielleicht zuviel Sex im Leben erlebt haben - nicht immer nur positiv -, die eher dann in diesem Alter (oder auch schon 20 Jahre früher) es genießen würden, ihre "Ruhe" zu haben und sich eher einen Partner wünschen, mit einer starken Schulter, an der man sich anlehnen kann, mit dem man interessante Gespräche führen, die Natur, gute Filme, gutes Essen genießen und auch Spaß haben kann - Kuscheln natürlich muss auch drin sein, aber die Rammlerei braucht wirklich nicht im Vordergrund zu stehen, sie macht oft vieles kaputt und was bleibt: eine gewisse Leere, eine SehnSUCHT nach immer mehr ..............

Gast: profeminin
01.03.2010 23:02
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brrr

ich find es sehr schaade, dass Fride es nicht mit einer Frau versucht hat, Männer taugen ja nichtmal zum Sex etwas.

Gast: AlterMuskateller
01.03.2010 15:42
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Gratualtion

Gratulation! Sex, freiwillig und ohne Zwang richtig genossen ist eines der schönsten Sachen auf Gottes Erdboden. Und eben dieser hat uns mit diesem Gefühl ausgestattet. Und Sex macht frei. Darum wird er von fast allen "großen" Religionen als "Feind" angesehen. Freie Menschen mit freiem Willen und freiem Geist lassen sich nur schwer unterjochen. Und das wissen unsere Klerikalen nur zu gut. Daher ist Sex aus ihrer Sicht auch etwas Böses und Verwerfliches. Ohne Sex keine Freude. Ohne Freude führt man ein belangloses Leben. Und die Belanglosigkeit im eigenen Leben macht verführerisch für die Versprechungen im Jenseits.

Gast: Blondie
01.03.2010 09:54
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Nacktgebadet

Na, so eine Sauerei aber auch...;)
Gratulation, Madame und weiter so!