Zuletzt begab sich die Präsidentengattin Carla Sarkozy-Bruni persönlich am Mittwochabend in die Studios von Radio Europe-1, um noch einmal mit aller Deutlichkeit die Gerüchte über eine Ehekrise oder Ehebruch zu dementieren, die seit Anfang März vor allem in ausländischen Medien zirkulieren. „Ich bin gekommen, um eine Affäre zu relativieren, die ohne Bedeutung ist. Diese Gerüchte sind für meinen Mann und mich völlig unwichtig“, beteuerte die französische First Lady.
Nicht alle nehmen allerdings diese üble Nachrede so unwichtig. Der Staatschef will die Sache nicht auf sich beruhen lassen; er ist hingegen auf Revanche aus, er will wissen, wer dahintersteckt. Und es besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Strafen für die Schuldigen dem großen Zorn des beleidigten Staatsoberhaupts entsprechen werden.
Wenn es um sein Privatleben und seine Intimsphäre geht, versteht Sarkozy keinen Spaß. Seine Mitarbeiter im Elysée-Palast werden zum Kriegsrat versammelt. Sein Medienberater Pierre Charon sprach von einem „casus belli“. Er droht den Drahtziehern der Verleumdung: „Die Angst wird jetzt die Seite wechseln.“
Es geht da nicht um einen privaten Ehesegen, sondern um die Ehre der Nation. Charon und auch Sarkozys Anwalt Thierry Herzog mutmaßen laut, dass sich hinter den Gerüchten über Seitensprünge ein waschechtes Komplott aus politischen Interessen verbergen könnte. Gewisse obskure „Mächte“ könnten ein Interesse daran haben, den Präsidenten mit Verleumdungen zu schwächen, bevor er den Vorsitz der G8-Gruppe übernimmt. Ein Zufall sei es ja nicht, dass die Gerüchte gerade in Großbritannien, Italien und Deutschland sofort die Runde gemacht hätten. Da ist es kein Wunder, dass die französische Gegenspionage zu Ermittlungen eingeschaltet wurde.
Sarkozy wartete deren Ergebnisse nicht erst ab. Der in Ungnade gefallenen Ex-Justizministerin Rachida Dati ließ er zur Strafe schon das Dienstauto samt Chauffeur und Leibwächtern wegnehmen, weil er sie verdächtigt, die Gerüchte in Umlauf gebracht zu haben. Dati beteuert vergeblich ihre Unschuld. An ihr hat der Präsident schon einmal ein Exempel statuiert. Auf Druck aus dem Elysée hat die Verlagsgruppe Hachette-Lagardère auch Strafklage wegen Manipulation des EDV-Systems beim „Journal du Dimanche“ eingereicht, das auf einem Blog das Gerücht über eine Ehekrise publiziert hat. Der verantwortliche Praktikant und sein Chef wurden bereits gefeuert, aber das reicht offenbar nicht. Es sollen noch andere Köpfe rollen.
Nun stellt sich doch die Frage, warum die Staatsführung mit derart schwerer Artillerie auffährt, wenn doch an der ganzen Geschichte überhaupt nichts wahr und alles so total belanglos ist, wie Carla versichert. Durch die Hartnäckigkeit und Rachsucht, mit der Sarkozy der Sache auf den Grund gehen will, bekommt die Angelegenheit erst recht Gewicht. Nun reden auch die französischen Zeitungen, die bisher aus berufsethischen Gründen oder Angst vor Repressalien sehr zurückhaltend über die Gerüchte geschwiegen haben, über diese Elysée-Affäre.
■Nicolas Sarkozy macht Jagd auf jene „dunklen Mächte“, die das Gerücht über Seitensprünge von ihm und seiner Frau lanciert haben. Gattin Carla Bruniversuchte indes im Radio, die Vorwürfe zu entkräften.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2010)
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