Wenn Kate irgendwo auftaucht, höre ich bereits die Kasse klingeln.“ Für Bob Betts, Manager des Uhrenherstellers Smith of Derby aus der gleichnamigen mittelenglischen Stadt, ging das Geschäft seit Jahren nicht so gut. Aus Anlass der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton hat das 150 Jahre alte Familienunternehmen mit dem Porzellanhersteller Royal Crown Derby eine „Royal Wedding Celebration Clock“ geschaffen, deren Erfolg ungeachtet ihres mehr als stolzen Preises von 1200 Pfund (rund 1400 Euro) die kühnsten Erwartungen übertrifft. „Wir müssen gerade 100 Stück zusätzlich produzieren“, berichtet Betts.
Traditionell lassen sich die Briten Hochzeiten ihrer Königsfamilie ganz schön etwas kosten. Auf gut 700 Millionen Euro schätzt die Londoner Handelsberatungsfirma Verdict die Ausgaben. „Die Menschen wollen feiern, und sie wollen etwas zur Erinnerung“, sagt Inder Brar, der in Lancashire Teetassen herstellt. „Je näher wir dem Tag der Hochzeit kommen, desto größer wird die Nachfrage.“
Teetassen gehören ebenso zu den traditionellen Erinnerungsgütern wie Porzellanteller, Sektflöten oder die legendären Geschirrtücher. Beinahe wäre der reibungslos verlaufenden PR-Operation des Königshauses hier ein Fehler unterlaufen: Um Geschmacklosigkeiten zu verhindern, wollte man diese Tücher von meist schmerzhafter Peinlichkeit zunächst nicht zulassen. Doch ein Sturm der Empörung zwang den Palast zum Umdenken. Allerdings dürfen „offizielle“ Memorabilien nicht das Konterfei von William und Kate zeigen und den Namen des Herstellers nur an versteckter Stelle tragen.
Neben Kitsch und Peinlichkeiten ist auch eine Vielzahl exzentrischer Produkte zu finden. Von Kondomen „für die Kronjuwelen“ bis zu Apps für das iPhone, darunter ein „Alarm Royale“, reicht das Angebot. Zudem gibt es auch Fleischpasteten, Unterwäsche mit dem Union Jack und Tassen mit der Aufschrift „It should have been me“ oder „Thanks for the day off.“
Über den freien Tag, den Premierminister David Cameron den Briten am Hochzeitstag („ein Tag ungetrübter Freude“) schenkt, freuen sich die Bürger, nicht aber die Wirtschaft. Nach Berechnungen des Verbands der Kleinunternehmen kostet ein verlorener Arbeitstag die Wirtschaft 6,8 Milliarden Euro an Produktionsverlust. „Für uns ist das schwer hinzunehmen“, klagt etwa der Bauunternehmer Dick Searle aus Cambridge.
Die Verluste, hofft man, sollen vor allem Touristen wettmachen. Auf bis zu eine Millionen zusätzlicher Besucher schätzt der Londoner Tourismusverband die Zahl der Gäste, die zu der Hochzeit nach London kommen werden. Besonders aus den USA und Deutschland wird eine starke Nachfrage registriert. Die besten Plätze entlang der Route des Paares werden mittlerweile um über 100.000 Euro gehandelt.
Im Vergleich zu den Gesamtkosten des Spektakels dennoch (fast) ein Pappenstiel: Allein die Sicherheitskosten werden auf 22 Millionen Euro geschätzt, bezahlen muss sie der Steuerzahler (für die übrigen Kosten kommen die beiden Familien selbst auf). „Wenn man bedenkt, dass 79 Prozent kein Interesse an der Hochzeit haben, ist das unerhört“, beschwert sich Graham Smith von der Gruppe „Republic“, die ein Ende der Monarchie fordert.
Smith mag übertreiben, doch Tatsache ist: Hunderttausende Briten werden die „Royal Wedding“ für einen Kurzurlaub zwischen Ostern und dem 1. Mai nützen. Der Reiseveranstalter TUI meldet 35 Prozent mehr Buchungen für die Periode, die Fluglinie Ryanair sogar 65 Prozent Zuwachs.
Wem diese Flucht verwehrt bleibt, bei diesem Spektakel rund um die Hochzeit aber Übelkeit droht, dem kann gleichwohl Abhilfe geschaffen werden: Um umgerechnet wohlfeile 4,50 Euro bietet die Designerin Lydia Leith eine „Royal Wedding Sick Bag“, also ein Speibsackerl, an. „Ich bin nicht gegen die Monarchie, das ist nur ein kleiner Spaß“, sagt sie über ihr Produkt. Es hat sich zum Bestseller entwickelt.
Königliches Geschäft: Häferl, Uhr und Fleischpastete
18.04.2011 | 19:41 | von Axel Reiserer (Die Presse)
Der Handel mit Erinnerungsstücken zur „Royal Wedding“ von Prinz William und Kate Middleton floriert, aber ob die Wirtschaft von profitiert, ist fraglich. Die Verluste sollen vor allem die Touristen wettmachen.
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