"Ich habe nie in meinem Leben gearbeitet.“ Mit dieser Begründung lehnt Patrizia Gucci den Freigang aus dem Gefängnis ab, der ihr zustehen würde. Die 62-Jährige will tagsüber keiner Beschäftigung nachgehen, wie dies an sich vorgesehen ist, berichten italienische Medien.
Seit 1997 sitzt Gucci in Haft – sie wurde zu 26 Jahren verurteilt, weil sie den Mord an ihrem Exmann, dem Modeunternehmer Maurizio, in Auftrag gegeben haben soll. Maurizio Gucci war am 27. März 1995 vor seinem Büro in Mailand auf offener Straße erschossen worden. Laut Anklage war es ein „eiskalt geplantes Verbrechen“. Sie habe es nicht ertragen, von ihrem Mann verlassen worden zu sein und ihren gesellschaftlichen Status als Jetset-Königin verloren zu haben. Sie selbst beteuerte stets ihre Schuldlosigkeit und sprach von einer „Verschwörung“ der vier anderen Angeklagten.
Alle fünf Verurteilten, unter ihnen auch der Killer Benedetto Ceraulo, wurden zu Haftstrafen zwischen 19 und 29 Jahren verurteilt. Nach Auffassung der Anklagevertretung handelte Patrizia Gucci aus „Geldgier, Neid und Hass“.
Gucci scheint nach den langen Jahren in Haft resigniert zu haben. 2001 war sie verurteilt worden, danach hatte sie noch länger versucht, den Prozess neu aufzunehmen. Doch lehnten die Richter den Antrag ihrer Anwälte ab, so wie auch einen Antrag auf sofortige Enthaftung, – die hatten ihre Rechtsanwälte beantragt, weil ihre Mandantin geisteskrank sei. 2004 lehnte das römische Kassationsgericht, die dritte und letzte Instanz im italienischen Strafrechtssystem, einen weiteren Antrag auf Enthaftung ab, den Guccis Töchter gestellt hatten. Die beiden Töchter Alessandra und Allegra hatten die Freilassung ihrer Mutter gefordert, weil sie angeblich an einem Tumor leidet. Zudem hätte sie auch noch einen Selbstmordversuch unternommen.
Der Fall Gucci war Mitte der 1990er-Jahre einer der spektakulärsten Prozesse in Italien und eines der düstersten Kapitel in der Geschichte des Hauses Gucci. Das Unternehmen wurde 1921 von Guccio Gucci in Florenz gegründet, zunächst nur als kleine Lederwerkstatt. Der Durchbruch kam mit der „Bamboo Bag“ – einer Handtasche mit Bambusgriff, die noch heute verkauft wird. 1953 starb der Firmengründer, das Unternehmen expandierte dennoch und wurde weltweit bekannt. Doch in den 80er-Jahren folgten Streitigkeiten in der Gründerfamilie – und der Verkauf von 50 Prozent des Familienbetriebes an ein Investmentunternehmen. 1993 verkaufte schließlich Maurizio Gucci, Enkel des Firmengründers, die übrigen 50 Prozent. 1995 wurde er ermordet.
Der Verdacht fiel schnell auf Patrizia Gucci. Sie lebte bereits getrennt von Maurizio, der wieder in einer neuen Beziehung war. Paola Franchi, seine letzte Gefährtin, war es dann auch, die nach dem Mord ihren Verdacht äußerte: „Sucht die Killer nicht in der Schweiz oder sonst wo auf der Welt, sondern hier, ganz in der Nähe.“ Einige Zeit später stand die Polizei tatsächlich vor der Wohnung von Patrizia Gucci – mit einem Haftbefehl. Gestanden hat sie den Auftragsmord nie, sie hat immer von einer Verschwörung gesprochen. Immerhin, heute darf sie jedes zweite Wochenende das Gefängnis verlassen. Sollte sie aber tatsächlich freigehen, kommt schon ein weiteres Problem auf sie zu: Sie muss noch einen Gucci-Aufseher entschädigen, der beim Mordanschlag auf Maurizio verletzt wurde.
Zuletzt kam der Fall 2009 erneut ins Gerede – Regisseur Ridley Scott plante einen Film über den Gucci-Mord. Patrizias Rolle sollte Angelina Jolie übernehmen, als Maurizio war Leonardo DiCaprio im Gespräch. Der Gucci-Clan drohte damals mit rechtlichen Konsequenzen, sollte die Dynastie auf beleidigende Weise dargestellt werden. Umgesetzt ist der Streifen bis heute nicht worden.
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