Dropkicks und Tofu: Das Leben des Bryan

Beruflich steht WWE-Star und Wrestler Daniel Bryan mehr als 300 Tage pro Jahr im Ring. Privat liest er gern Chomsky, hört Wagner und lebt vegan. Der 30-Jährige im Gespräch mit der "Presse am Sonntag".

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(c) WWE

Mehr als 300 Tage pro Jahr ist die WWE (vormals World Wrestling Entertainment) mit ihrer Mixtur aus Unterhaltung, Athletik und Action-Seifenoper auf allen Kontinenten auf Tour. Zuletzt gastierte sie auch in Österreich. Daniel Bryan ist einer der Superstars. Und als Veganer entspricht er nicht unbedingt dem Bild, das man üblicherweise von Ring-Entertainern hat.

 

Sind Sie zum ersten Mal in Wien?

Tatsächlich bin ich zum ersten Mal hier und finde es wirklich aufregend, da mein Lieblingsautor in Kindertagen John Irving war. Und Irving hat in seinen Büchern sehr viel über Wien geschrieben.

Sie haben vor einigen Tagen getwittert, dass Sie „Hopes and Prospects“ von Noam Chomsky fertig gelesen hätten. Was gefällt Ihnen an Chomskys Thesen?

Ich lese viele politische Bücher. Vor allem von Autoren, die über jene Entwicklungen schreiben, die nicht an die amerikanische Öffentlichkeit gebracht werden sollen. Noam Chomsky ist international sehr populär, aber nicht in den Vereinigten Staaten. Er hat zwar keine klare Anti-USA-Linie, aber er schreibt über Dinge, über die amerikanische Medien nicht berichten.

Lesen Ihre WWE-Kollegen auch politische Literatur à la Chomsky?

Nein, nicht wirklich. Die meisten von ihnen sehen sich Filme an, spielen Videospiele oder hören Musik. Im Flieger kann ich auch gut bei Musik entspannen. Aber wenn ich nicht müde bin, ziehe ich Lesen vor.

 

Wie trainieren Sie?

Das hängt natürlich davon ab, ob wir auf Tour sind oder ob ich zu Hause bin. Daheim kann ich mal für eineinhalb Stunden Gewichte heben und später mit einem Partner an Haltegriffen arbeiten oder Jiu-Jitsu trainieren. Wenn du auf Tour bist, nutzt du die Zeit dazu, wann immer du sie hast.

Einige Legenden der WWE wie Steve Austin („The Expendables“) oder Dwayne „The Rock“ Johnson („The Other Guys“) sind ins Filmfach gewechselt. Könnten Sie sich das auch vorstellen?

Ich habe kein sehnliches Verlangen danach. Wenn es an mich herangetragen wird, würde ich es machen. Aber generell bin ich kein großer TV-Konsument, sehe mir nicht viele Filme an. Daher wäre das Filmbusiness auch keine große Sache für mich.

Was halten Sie von Darren Aranofskys Film „The Wrestler“?

Ich fand den Film sehr gelungen und war selbst auch beim Casting. Mickey Rourke hat großartig gespielt. Es hat mit der Realität bei WWE aber sehr, sehr wenig gemeinsam. Es ist vielmehr ein Abbild der Independent-Wrestling-Szene beziehungsweise von Leuten, die schon sehr lange darin agieren. Also ein wirklich gut gemachter Film.

Sie sind ja bekennender Veganer. Wann haben Sie sich dazu entschlossen, sich vegan zu ernähren?

Ich habe ein wirklich schwaches Immunsystem. 2009 wurden bei mir drei verschiedene Staphylokokkeninfektionen, also Hautinfektionen, festgestellt. Die Bakterien kamen wohl von den vielen Trainings, die ich auf der Matte praktiziere. Also ging ich zu meinem Arzt und sagte ihm, dass ich an der Infektion leide und gerade einen Vertrag mit WWE abgeschlossen habe. Er hat mir dann dazu geraten, mich ab sofort nur noch vegan zu ernähren. Fleisch, Käse, Milch und so weiter entziehen dem Körper bei der Verdauung viel Energie. Wenn du darauf verzichtest, kann sich dein Körper auf dein Immunsystem konzentrieren. So wurde mir das erklärt. Und so wurde ich zum Veganer.

Sind Sie der einzige Veganer bei WWE?

Ja. Ich glaube nicht einmal, dass es einen Vegetarier gibt.

Sind Sie beim Wrestling, in dem ja zwischen den guten und bösen Charakteren unterschieden wird, lieber ein Publikumsliebling oder lieber eine Angriffsfläche?

Das hängt vom Kontext ab. Ich bin ja ein Publikumsliebling – aber als ich gegen den gebürtigen Iren Sheamus in Dublin in den Ring stieg, wurde ich vom Publikum behandelt, als wenn ich der größte Bösewicht aller Zeiten wäre. Das hat mich sehr amüsiert.

Auf Ihrer Facebook-Seite haben Sie knapp 100.000Fans, Sie twittern auch. Welchen Stellenwert hat Social Media für Sie?

Ich halte Social Media für ein sehr mächtiges Tool, sowohl für uns als auch für das Unternehmen WWE. So können Fans mehr involviert werden. Twitter ist wohl das beste Beispiel, es wird vermehrt in unseren TV-Shows verwendet. Zum Beispiel werden die Tweets der WWE-Superstars, wenn sie auf dem Weg in den Ring sind, eingeblendet. Das hilft auch, um ein Trend auf Twitter zu werden. Das Design meines aktuellen T-Shirts konnten Fans via Facebook bestimmen. Vom interaktiven Element profitieren somit beide Seiten.

Bis vor Kurzem war Richard Wagners „Walkürenritt“ Ihre Einzugsmusik. Vor Ihrer Zeit bei WWE kamen Sie zu „The Final Countdown“ von Europe in den Ring. Das ist ja ein recht breites Spektrum.

Ich liebe Wagners „Walkürenritt“. Aber das amerikanische Publikum ist nie wirklich darauf angesprungen.

Dabei kommt der „Walkürenritt“ sogar in US-Filmen wie „Apokalypse Now“ oder „Blues Brothers“ prominent vor.

Aus einem mir nicht bekannten Grund, glauben viele Amerikaner, dass es die „Superman“-Melodie sei.

Und „The Final Countdown“? Wieso gerade europäischer Hair-Metal der 1980er?

Ich las damals einen Artikel mit dem Titel „Schlimmste Songs aller Zeiten“, und „The Final Countdown“ wurde tatsächlich auf Platz eins gelistet. Ich habe mir das Lied dann angehört und habe mir nur gedacht: Ich habe meine Einzugsmusik gefunden. Ich liebe diesen Song.

bryan und WWE

Daniel Bryan wurde am 22.Mai 1981 in Aberdeen, Washington, geboren. Der US-Amerikaner, der mit bürgerlichem Namen Bryan Danielson heißt, zählt zu den größten Stars der WWE. Am 1.April 2012 wird er vor mehr als 70.000Besuchern im Hauptmatch bei Wrestlemania XXVIII in Miami stehen.

WWE: Das börsenotierte Medienunternehmen wurde 1952 gegründet. Die TV-Shows „Smackdown“ und „Raw“ werden in mehr als 145 Ländern ausgestrahlt. Der Livehöhepunkt des Jahres ist seit 1985 die Wrestlemania.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2011)

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