Er ist sehr auf Diskretion bedacht und liebt es nicht besonders, wenn man ihn zu seiner Beziehung zu seinem Vater, dem französischen Staatspräsidenten befragt. Als dieser am 16.Mai 2007 sein Amt antrat und sich mit seiner versammelten Familie – damals noch mit seiner zweiten Gattin Cécilia sowie den drei Söhnen Pierre, Jean und Louis – im Élysée-Palast fotografieren ließ, sagte Pierre Sarkozy zu den Medienleuten: „Das ist das erste und das letzte Mal, dass ihr mich seht.“
Tatsächlich hörte man dann in Frankreich und im Ausland lange gar nichts mehr von ihm, während sein um ein Jahr jüngerer Bruder Jean wegen seiner politischen Ambitionen für Schlagzeilen sorgte. Sein Vater wollte ihm nämlich zu einem Posten als Verwalter des Geschäftsquartiers La Défense im Westen der Hauptstadt verhelfen. Die Geschichte des protegierten „Fils à Papa“ war Jeans Karriere nicht gerade förderlich.
Die beiden Söhne, die aus Sarkozys erster Ehe mit der Korsin Marie-Dominique Culioli stammen, gleichen sich sehr mit ihren blonden Mähnen. Während Jean (25) seinem Vater die politische Rhetorik und seine Gesten abgeschaut hat und die Öffentlichkeit sucht, ist Pierre (26) seit jeher sehr reserviert. Von den drei Söhnen des Präsidenten gilt er als der Unbekannte. Das ist kein Wunder, denn er hat sich unter einem Pseudonym einen Namen gemacht. In Musikkreisen ist Pierre Sarkozy alias Mosey als DJ und Produzent von Rapsängern weit über Frankreich hinaus ein Begriff.
In einem seiner sehr wenigen Interviews hat er der „Bild“-Zeitung verraten, er sei in seiner Kindheit nicht nur ein schlechter Schüler gewesen, sondern auch „ein Einzelgänger und fast autistisch“. Gerettet habe ihn wohl die Hip-Hop-Musik. Noch heute sei er stolz auf die erste Gage, die er mit 20 als DJ verdient habe. Heute reißen sich die Konzertorganisatoren in Europa und Übersee um ihn. Auch im Wiener Volksgarten, im „Pacha“ in Ischgl oder in Kitzbühel ist Mosey schon aufgetreten. Natürlich wissen inzwischen alle, dass der DJ ein Sarkozy junior ist. Für einige seiner Musikerfreunde und deren Fans, die seinen Vater politisch gar nicht mögen, war das fast ein Gewissensproblem.
Pierre sagt von seinem Vater, dieser respektiere seine Laufbahn total. Noch nie habe er etwa verlangt, er solle seine Haare schneiden. Wenn es drauf ankommt, lässt Papa offenbar auch seine Beziehungen spielen. Während eines Besuchs in Odessa Ende Jänner musste Pierre wegen einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein besorgter Vater schickte eigens ein Sonderflugzeug der Staatsführung, einen Falcon-Jet, in die Ukraine, um den (nicht sehr ernsthaft) erkrankten Spross heimtransportieren zu lassen. Das Verständnis der französischen Medien hielt sich in Grenzen, sie witterten einen Skandal.
Zwar hat der Präsident mitteilen lassen, er habe für den Flug 7632Euro aus eigener Tasche bezahlt. Doch der Transport in einem solch exklusiven Jet soll in Wirklichkeit nahezu 40.000Euro gekostet haben. Zudem sind die Staatsmaschinen eigentlich ausschließlich für offizielle Reisen von Mitgliedern der Staatsführung, militärische Transporte oder Evakuierungen in Notsituationen reserviert. Nun wird der fürsorgliche Papa Sarkozy voraussichtlich auch den Rest der Rechnung begleichen müssen, bevor sich Pierre wieder aus dem Rampenlicht zurückziehen kann.
Pierre Sarkozy (26) ist der mittlere der drei Söhne von Nicolas Sarkozy und Musikproduzent und DJ. In der Sarkozy-kritischen Hip-Hop- und Rapszene war er lange nur unter seinem Pseudonym DJ Mosey bekannt. Vor wenigen Tagen erlitt er vor einem Auftritt in Odessa eine Lebensmittelvergiftung; sein Vater ließ ihn mit einer Maschine der Luftwaffe abholen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)
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