25.05.2012 10:45 | Meine Presse Merkliste 0

England: 60. Dienstjubiläum der Queen

05.02.2012 | 18:39 |  von Julia Kastein (Die Presse)

Ein Arbeitstag wie jeder andere: Tee trinken, Regierungsdokumente lesen, Besprechungen und der Besuch einer Kleinstadt - feiern lässt sich die "Diamond Queen" erst im Sommer.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Dem Bürgermeister der nordenglischen Kleinstadt King's Lynn in West Norfolk wird heute eine besondere Ehre zuteil. Colin Sampson wird einer der wenigen sein, die Königin Elizabeth II. persönlich zum 60.Dienstjubiläum werden gratulieren können. Weil die offiziellen Feierlichkeiten für die „Diamond Queen“ erst im Sommer stattfinden und ihre Majestät auch mit 85Jahren nicht ans Kürzertreten (geschweige denn an Ruhestand) denkt, hat der Palast einen ganz normalen Arbeitstag für sie geplant.

Zwei öffentliche Termine gehören dazu: der Besuch einer Grundschule und die Visite im Rathaus. Immerhin bleibt der Queen eine lange Reise erspart: Sie und Prinz Philip (90) sind derzeit, wie immer zu Jahresanfang, noch auf ihrem Landsitz Sandringham, nur rund 15 Kilometer von King's Lynn entfernt. Sampson freut sich sehr auf den Besuch – auch wenn er diese Freude auf Wunsch des Buckingham Palace nur in einem von den PR-Leuten der Queen abgesegneten kurzen Statement per E-Mail zur „Presse“ ausdrücken darf: „Ich bin hocherfreut, dass Ihre Majestät King's Lynn an so einem bedeutenden und historischen Tag besucht, und ich heiße sie mit großem Stolz in unserer Stadt willkommen. Es wird der Höhepunkt meiner Amtszeit sein.“

Ob die Begeisterung gegenseitig ist, ist fraglich – doch die Königin hat in den vergangenen 60Jahren mehrere tausend ähnlicher Termine stets klaglos (zumindest nach außen), mit demonstrativem Interesse und freundlichem Lächeln absolviert. Die Queen tut ihre Pflicht – auch wenn ihr Enkel Harry findet, dass sie es damit ein bisschen übertreibt: „Das sind die Dinge, die sie in ihrem Alter nicht mehr tun sollte, und trotzdem macht sie weiter“, so der Prinz gegenüber der BBC.

Also wird Elizabeth II. auch heute erst einmal ihren Earl-Grey-Tee trinken, die Nachrichten in der BBC hören und den „Daily Telegraph“ lesen – und vielleicht an ihren Vater, George VI., denken, durch dessen plötzlichen Krebstod sie am 6.Februar 1952 Königin wurde. Dann macht sie sich an die Arbeit: eine Auswahl der rund 300 Briefe und den Inhalt der roten Boxen mit Regierungsdokumenten lesen, die sie täglich bekommt. Sie wird sich mit ihrem Privatsekretär treffen, Termine besprechen, Dokumente durchgehen und unterschreiben. Vielleicht ist neben dem Mittagessen und dem Besuch in King's Lynn sogar noch Zeit (und Energie) für einen ausgiebigen Spaziergang mit ihren sechs Hunden – drei Corgis und drei Dorgis (ihrer eigenen Kreuzung aus Corgi und Dackel). Abendtermine sind nicht geplant – also wird die Queen vielleicht ein paar Mitglieder des königlichen Haushalts für eine Runde Canasta zusammentrommeln.

Der 60.Jahrestag ihrer Inthronisierung ist für die Queen ein vergleichsweise leichter Arbeitstag – doch die kommenden Monate werden für die greise Jubilarin anstrengend genug: Sie und Prinz Philip planen ein knappes Dutzend Reisen durch Großbritannien. Dazu kommen die Feierlichkeiten zum Diamant-Jubiläum im Juni (1. bis 4.), mit einer historischen Parade von 1000 Booten auf der Themse, Pferderennen, Straßenpartys im ganzen Land und einem Fackelfest, das zeitgleich in allen 15Ländern, in denen die Queen Staatsoberhaupt ist, stattfinden soll.


Immerhin auf die bislang üblichen zwei Überseetrips verzichtet Elizabeth dieses Jahr, wohl auch aus Rücksicht auf ihren Mann. Zu Weihnachten musste Philip wegen eines Herzanfalls behandelt werden. Inzwischen geht es ihm offenbar wieder gut. Schon im vergangenen Juni hat der Prinzgemahl im BBC-Interview angekündigt, dass er jetzt endlich etwas kürzer treten wolle: „Ich habe meinen Teil getan, ich will jetzt ein bisschen Spaß haben. Mit weniger Verantwortung, weniger Herumhetzen, weniger Vorbereitung, weniger Gedanken daran, was man sagen soll.“ Seine Frau würde das öffentlich wohl nie zugeben. Sie tut ihre Pflicht – seit 60 Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
mannimmond
07.02.2012 16:04
0 0

Abendtermine sind nicht geplant –

also wird die Queen vielleicht ein paar Mitglieder des königlichen Haushalts für eine Runde Canasta zusammentrommeln.

Wünschen gute Karten.