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Pop: Adele, die große Antikunstfigur

10.02.2012 | 18:37 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Adele ist nach der Stimmband-OP zurück und Favoritin für die Grammy-Verleihung. Nur Karl Lagerfeld bekrittelte (kurz) ihr Gewicht.

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Lagerfeld sei Dank. Jetzt hat auch Adele ihre Regenbogenschlagzeile. Nicht, dass sie Wert darauf legen würde, aber ist ein Popstar ohne Klatschgeschichten überhaupt ein Popstar? Jedenfalls hat Karl Lagerfeld der Zeitung „Metro Paris“ erklärt, die 23-jährige Britin sei „ein bisschen zu fett“ (habe aber ein wunderschönes Gesicht und eine göttliche Stimme). Kein Thema für Adele. Sie habe ohnehin nie wie ein Covermodel aussehen wollen, konterte sie. Sie sei eine normale Frau, und stolz darauf. Inzwischen hat sich Lagerfeld formell entschuldigt. Der Satz sei im Vergleich zu Lana Del Rey gemeint gewesen, und Adele sei ihm ohnehin lieber.

Mit seiner Begeisterung ist Lagerfeld nicht allein. Auf Adele und ihre soulige, schöne Stimme können sich irgendwie alle einigen. „Because it's fucking good and it's real“, meint Foo Fighter Dave Grohl, so wie sie grammy-nominiert. Für die morgige Preisverleihung ist sie mit sechs Nominierungen die große Favoritin. Kanye West könnte zwar noch mehr Preise (sieben) holen; alle Augen richten sich dennoch auf die Britin: Ihr mit Spannung erwarteter Auftritt markiert ihr Comeback nach einer Stimmband-OP mit anschließender, monatelanger Ruhepause. Schon im Juni hatte sie ihre Tournee abbrechen müssen, Anfang November wurde sie operiert. Die verordnete Schweigephase, gestand sie kürzlich, habe sie nur mithilfe einer Voice-App überstanden, die auch Flüche zulässt.

Ist Adele nicht ganz so brav, wie es manchmal scheinen mag? Gern wird die Sängerin zur Anti-Gaga stilisiert. Sie ist nicht dünn, sondern rundlich, trägt Kleider statt Verkleidungen, ist die lebende Verkörperung der „Rückkehr zum Authentischen“ angesichts von zu viel Künstlichkeit. Etwas böse formulierte die „Welt am Sonntag“, Lady Gaga sei Pop gewordene Emanzipation, Adele die Sängerin gewordene Zeitschrift „Brigitte“. Das klingt allerdings nach Mittelmaß und lässt ein wenig außer Acht, welche Rekorde Adele inzwischen aufgestellt hat, seit 2006 eine Freundin ihre Songs auf „MySpace“ stellte.


Da wären (in willkürlicher Auswahl): Als erster Act seit den Beatles konnte sie gleichzeitig zwei Singles und zwei Alben in den UK-Top-Five platzieren. Seit dem „Titanic“-Soundtrack hielt es kein Album länger in den US-Billboard-Charts. Ihr zweites Album „21“ ist in Großbritannien das bisher meistverkaufte des 21.Jahrhunderts (sprich: mehr als Amy Winehouse). Niemand verkaufte 2011 mehr Alben als sie (15,2 Millionen – gegenüber 5,5 Millionen für Lady Gaga). Und Billboard wählte sie 2011 als erste Frau zum Top Act des Jahres. Adeles Kommentar, was sie von anderen Stars unterscheide? Etwa, „dass über mein Leben nicht spekuliert wird“.

Geboren wurde Adele Laurie Blue Adkins 1988, als Tochter eines (abtrünnigen) Werftarbeiters und einer damals minderjährigen Mutter in Tottenham. Mit vier begann sie zu singen, die Spice Girls wurden ihr Idol. Später, als sie mit ihrer Mutter nach Südlondon zog, machten sie Freunde mit R&B à la Destiny's Child bekannt. Selbstständig entdeckte sie Ella Fitzgerald oder Etta James. Mit 19 veröffentlichte sie ihr erstes Album (Name: „19“), im Vorjahr „21“. Die Inspiration für die Lieder, die sie schreibt, lieferten schmerzhaft gescheiterte Beziehungen und ihre eigene Entwicklung. Man ist geneigt, ihr kein dauerhaftes Liebesglück zu wünschen. Gern dafür ein paar neue Grammys.

Zur Person

Adele (Adele Laurie Blue Adkins) wurde 1988 in Tottenham in Nordlondon geboren. Sie absolvierte die Brit School for Performing Arts & Technology und wollte erst Künstlermanagerin werden. Mit Songs wie „Rolling in the Deep“, „Someone Like You“ und ihren Alben „19“ und „21“ stellte sie mehrere Rekorde auf. Sie ist für sechs Grammys nominiert, die am Sonntag in Los Angeles vergeben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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2 Kommentare
Gast: Imke
11.02.2012 19:34
2 1

Aalso...

...dünn ist sie aber jetzt auch nicht gerade, und die Optik zählt schon bei einer Musikerin immer auch mit. Der Wahrheit sollte man schon die Ehre geben. Wobei man´s aber nicht so ungeschickt machen sollte wie diese Modemann.

Gast: b754
10.02.2012 20:42
9 1

wenn einer so eine persönlichkeitsstörung hat wie lagerfeld

sollte er besser nicht über andere herziehen gehört aber zum krankheitsbild