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Rachel McAdams: "Ich habe gelernt loszulassen"

11.02.2012 | 18:22 |  von RÜDIGER STURM (Die Presse)

In ihrem aktuellen Film "Für immer Liebe" spielt Rachel McAdams wieder die Rolle eines süßen Mädchens. Ein Problem hat sie damit nicht, wenn sie sich selbst auch um einiges vielschichtiger sieht.

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Ihre erste Rolle war die einer Elfe. Und so fragil und zauberhaft wirkt Rachel McAdams noch immer – ein zartes Persönchen mit blasser Haut. Aber ihr Lächeln verrät Selbstbewusstsein, und längst hat die 33-jährige Kanadierin ihren Weg durch Hollywood gefunden. In Filmen wie „Für immer Liebe“ (derzeit im Kino) spielt sie zwar immer noch die jugendliche Romantikerin, aber längst haben Regisseure wie Woody Allen und Terrence Malick ihr Talent entdeckt. Und bevor sie ganz von der Maschinerie der Branche aufgesogen wird, zieht sie sich zurück und übt sich im Stillsitzen.

 

„Wie ein einziger Tag“ machte Sie zum Romantik-Star – mit „Für immer Liebe“ bestätigen Sie das. Passt das zu Ihnen?

Rachel McAdams: In gewissem Sinne schon. Ich bin in einer Familie voller Romantik groß geworden. Meine Eltern haben eine enge Beziehung, voll zärtlicher Gesten. Mein Vater bringt meiner Mutter ständig Blumen; einmal, als wir Kinder besonders garstig waren, schenkte er ihr sogar einen Diamantring, obwohl er nicht viel Geld hatte.


Ist es nicht lästig, auf die Kategorie des süßen Mädchens festgelegt zu werden?

Ich würde sagen, dass ich dieses Etikett inzwischen abgestreift habe. Ja, ich bekomme immer noch viele solcher Filme angeboten, aber ich tue alles, um mich weiterzuentwickeln. In diesem Job gibt es eine ziemlich steile Lernkurve, und ich nutze jede Figur, um etwas Neues über mich herauszufinden.


Was haben Sie da so gelernt?

Loszulassen. Beim Film ist man so sehr von anderen Menschen abhängig – man steckt in einer großen Maschinerie. Und ich weiß inzwischen, dass ich das akzeptieren und genießen muss. Anstatt zu versuchen, eine Szene zu steuern, warte ich ab, welche Energie meine Mitstreiter einbringen und was daraus entstehen kann. Das ist auch eine allgemeine Lektion fürs Leben.

Aber in so einer großen Maschinerie kann man sich selbst leicht verlieren.

Ich bin, wie ich bin. Es bereitet mir keine Sorgen, was andere Leute von mir denken. Offen gestanden ist es mir sogar recht, wenn andere meine eigentliche Persönlichkeit gar nicht kennen.


Ist es in einer so hektisch-chaotischen Branche nicht schwierig, mit seinem wahren Ich in Kontakt zu bleiben?

Ja, deshalb mache ich zwischen einzelnen Projekten Pausen. Ich wünschte, ich wäre der Menschentyp, der in einer Tour arbeiten kann, aber das ist mir unmöglich. Ich brauche Phasen, wo ich still und ruhig sein kann.

Dann sitzen Sie starr wie ein Ölgötze da?

So ungefähr (lacht). Wie ein Buddha. Ich liebe es zu meditieren, ich mache Yoga und beschäftige mich mit sehr erdverbundenen Dingen – Gartenarbeit, Kochen. Bei der Schauspielerei setze ich mein Gehirn stark ein, und hier kann ich es einfach ausschalten.

Warum haben Sie die Schauspielerei überhaupt für sich gewählt?

Als Kind brauchte ich ein Ventil, um meine Energien herauszulassen. Deshalb steckte mich meine Mutter in Malkurse, dann versuchte ich es mit Eiskunstlauf. Aber ich war immer sehr nervös, das blockierte mich. Deshalb hörte ich damit auf. Aber gleichzeitig hatte ich die Schauspielerei entdeckt. In einem Theatercamp spielte ich die Fee in einem Shakespeare-Stück. Mit geringsten Mitteln simulierten wir eine fantastische Welt, das war eine solche Freude, dass ich dachte: „Ich will nichts anderes mehr.“

Und Ihre Eltern haben Sie unterstützt?

Nein, sie sagten: Geh auf die Uni, mach einen Abschluss. Du hast noch viel Zeit, um Schauspielerin zu werden. Diesen Beruf musst du wirklich wollen, sonst solltest du es lieber bleiben lassen. Ich bin froh, dass ich das dann selbstständig durchgezogen habe – und jetzt sind meine Eltern natürlich voll auf meiner Seite.

In „Für immer Liebe“ vergessen Sie nach einem Unfall einen Abschnitt Ihres Lebens. Gibt es Erfahrungen in Ihrer Karriere, die Sie am liebsten wegblocken möchten?

Ich will nicht versuchen, diplomatisch zu klingen. Aber selbst wenn man scheitert, kann das zu einem größeren Erfolg führen. Die einzige Erinnerung, auf die ich verzichten kann, sind meine Mathematikstunden. Da saß ich heulend über meinen Büchern und dachte: Wann ist diese Lebensphase endlich vorbei? Am liebsten hätte ich jetzt gar nicht mehr daran gedacht ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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