Märtha Louise: Eine Prinzessin auf dem Esoteriktrip

29.02.2012 | 18:22 |  von Hannes Gamillscheg (Die Presse)

Die norwegische Königstochter Märtha Louise hat ein Buch über Engel geschrieben, und für jede Menge Hohn und Spott gesorgt. Sie glaube nicht, dass es Engel gibt, sagt sie, „sondern ich weiß das“.

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Eines Tages verlor Märtha Louise ihren Schlüssel und suchte ihn vergeblich. Bis ihr ein Schutzengel vorschlug, „Wer suchet, der findet“ zu spielen. „Ich dachte, jetzt drehe ich durch, ich kann doch nicht hier auf der Wiese zu spielen beginnen.“ Konnte sie doch. Sie begann zu suchen. „Kalt“, sagte Chamuel, so heißt der Engel. Sie drehte sich um. „Wärmer“, sagte er, „wärmer, heiß, stopp!“ Märtha Louise ging in die Knie. Und da lag der Schlüssel.

Solche Geschichten liebt die Älteste von Norwegens König Harald und große Schwester von Kronprinz Haakon. Und solche Geschichten erzählt sie jetzt in einem neuen Buch, das der Aufregung über die Vorlieben der Prinzessin fürs Übernatürliche wieder Nahrung gibt. Als sie und ihre Seelenfreundin Elisabeth Nordeng 2007 die „Astarde Education“ starteten, im Volksmund „Engelschule“ genannt, in der sie den Schülern für ein hohes Kursgeld den Zugang zu ihren Schutzengeln vermittelten, warnten Psychologen vor der Störung unsicherer Gemüter. Publizist Trygve Hegnar urteilte gar: „Reiner Schwindel.“

Auch ein erstes Buch zwei Jahre später stieß auf harsche Kritik, und seit nun der Nachfolger „Die Geheimnisse der Engel“ in den Buchhandlungen ist, erntet die 40-jährige Königstochter wieder Häme. Total durchgeknallt, lautet der Tenor der Kommentare, und der Staatsrechtler Trond Nordby sieht einen „Missbrauch des Titels“, wenn Märtha Louise ihre esoterischen Ergüsse als „Prinzessin“ verkaufe. „Sie selbst kann in ihrer Naivität leben. Aber wenn sie einen offiziellen Titel kommerziell verwertet, ist das nicht in Ordnung.“ „Ich bin nun einmal Prinzessin, das kann ich nicht aus meinem Leben streichen,“ entgegnet Märtha Louise.

Sie glaube nicht, dass es Engel gibt, sagt sie, „sondern ich weiß das“. Sie spricht mit Ariel und Raziel, vor allem aber mit Chamuel, einem „maskulinen Engel, der in einer grünen Frequenz vibriert“. Zu ihr sei er „mild und geduldig und immer bereit zu helfen“. Ihm dankt sie auch, dass sie ihre „feminine Energie“ entdeckte, nachdem sie davor das Mädchenhafte gehasst hatte. Wie man ein Passwort brauche, um ins Internet zu kommen, brauche man einen Schutzengel für den „Kontakt zum Herzen“, beteuert sie. Sie spürt die Aura, die sie umgibt, sie hört Donnerstimmen und riecht wunderbare Gerüche. Und sie findet Federn, überall. „Mein Mann sagt, die Federn verfolgen mich, sie sind immer da, im Sommer und Winter, in Stadt und Land.“


Eines Tages wären sie und ein paar Freunde auf einem Feld gelegen und hätten meditiert. Als sie die Augen wieder öffneten, waren sie alle mit weißen Federn bedeckt, erzählt die Prinzessin. Da hätten weniger Gläubige an die Daunenjacke gedacht, die Märtha Louise ständig trägt, oder an eine nahe gelegene Hühnerfarm. Für sie aber war es ein Beweis für die Gegenwart der Engel.

Spötter schlagen vor, man solle ein Chamuel-App einrichten, damit sich Leute, die etwas verloren haben, der übernatürlichen Hilfe via Smartphone bedienen könnten. Doch trotz Häme hat die Engelschule weiterhin großen Zulauf, wobei offen bleibt, ob die Botschaft lockt oder die Anwesenheit einer echten Prinzessin. „Wir betreiben nicht Psychiatrie, sondern Selbstentwicklung mit einer geistigen Dimension“, sagt Märtha Louise, „es ist für Menschen auf der Suche“.

Der Religionswissenschaftler Dag Øistein Endsjø sieht den Glauben an ein geheimes Universum, das sich dem Suchenden öffnet, in der Tradition sowohl religiöser Mystiker wie von New Age. Das müsse man nicht negativ sehen, sagt er. „Wir alle können Märtha Louises Verwandlung von einer unsicheren Person in eine Frau, die vor Selbstsicherheit und innerer und äußerer Schönheit strahlt, bezeugen“, schrieb der Theologe in der Zeitung „Aftenposten“. „Ungeachtet dessen, ob die Engel echt sind oder nicht: Sie ist der Beweis dafür, dass der Engelglaube wirkt. Für sie zumindest.“

Auf einen Blick

Interview mit einem Engel. Für ihre unpopulären Ansichten ist Prinzessin Märtha Louise in Norwegen bekannt, nun gibt sie ihren Landsleuten neue Tipps zur Kontaktaufnahme mit Engeln. „Die Geheimnisse der Engel“ ist eine Art Fortsetzung des 2009 veröffentlichten Buchs „Entdecken Sie ihren Schutzengel“. Diesmal verraten sie und ihre Freundin Elisabeth Nordeng eigenen Angaben zufolge Geheimnisse der Engel, die den Lesern „die Kontaktaufnahme mit ihnen“ erleichtern sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2012)

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14 Kommentare
Gast: Inpenia
04.03.2012 20:44
0 1

Esoterik

Ich schreibe hier mit meinem "Seelennamen", jedoch nicht weil ich durchgeknallt bin, sondern weil ich eine Seele mit diesem Name habe.

Es ist sehr einfach, alles als esoterisch oder schwachsinnig abzutun.

JedeR sollte bei sich sein und bleiben und nicht Urteil fällen über Menschen, die den Mut besitzen (egal ob königlicher Hintergrund oder einfacher Bürger) zu dem zu stehen was IST.

Wir treffen doch selbst die Entscheidung, ob das in unserem Interesse ist oder nicht?

Es ist ja niemand gezwungen daran zu glauben, denn es darf in unserer freien Welt, JedeR seine Meinung äussern; die Kritik daran sollte dabei weder verletzend sein noch Tritte unter die Gürtellinie versetzen.

Sind wir schon so perfekt?
Oder sind wir alle auf unserem Lebensweg und bekommen immer wieder Möglichkeiten, diesen Weg mit gewissen "Unterstützungen" zu gehen?

Da sind mir die Engel alle mal lieber als korrupte Personen!

Namasté

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Die Königstocher ledet an supranasaler Oligosynapsie!


Antworten Gast: Cobi
04.03.2012 20:50
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Re: Die Königstocher ledet an supranasaler Oligosynapsie!

Neologismen nach 12 Sylvester Studium?

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Engelwahn

Rate mal wer das ist: Die Frau Mama eines österr. Exministers brüstet sich auch in Interviews mit ihrem verdwtorbenen Mann in Kontakt zu sein. Aber weil Sie halt berühmt ist, bleibt ihr die Einweisung in die Psychiatrie erspart. Der Engelwahn ist nichts anderes. Eindeutig ist, dass hier eine Engelmacherin versagt hat oder nicht zum Einsatz gekommen ist. Wenn die Engelmacherin ordentlich arbeitet gibt es eben weniger Engelwähnerinnen!

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Adeliger Esotrampel

Gehen sie in die nächste Buchhandlung, tippen Sie in googel Engel und Channeling, sie erleben ihr esoterisches Wunder in allen nur denkbaren Varianten.
Warum soll auch ein Mitglied eines Königshauses davor gefeit sein?
An jeder besseren Straßenecke engelt es, in jedem Bioladen engelt es, in jeder besseren Coaching Ecke engelt es, dass es nur so ein Grausen ist!

Gast: Johann S
01.03.2012 17:52
1 0

Selber

begeisterter Leser, tut es mir leid ,daß Papier für derartiges verschwendet wird.

Gast: Knurr
01.03.2012 14:00
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Engel, gibts die?

Wo der wahre Glaube fehlt, steigt der Aberglaub durchs Fenster!

Antworten Gast: xxx
01.03.2012 17:06
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Re: Engel, gibts die?

und wodurch unterscheidet sich ihrer meinung das eine vom anderen?

Antworten Gast: xul
01.03.2012 15:24
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Auch der "wahre Glaube" kennt Engel als

Boten Gottes. Hat jedenfalls nichts mit Esoterik zu tun, soweit es sich im jüd.chr. Bereich handelt, da es keine Geheimlehre für ein paar Auserwählte ist.

Gast: BH
01.03.2012 10:41
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Buch in zweiter Auflage

Seltsam. dass das Buch, für das sie angeblich soviel Häme erntet, auf den Bestsellerlisten steht und nach zwei Wochen bereits in zweiter Auflage gedruckt wird...
Auch sind die Preise in ihrer Schule (siehe Homepage) sicher nicht überteuert. Ich habe für meine DaF-Ausbildung (2 Semester an der KF-Uni Graz) € 2900,- hingeblättert und solche Preise bewegen sich in Österreich noch an der unteren Grenze. Da mache ich doch lieber meine Ausbildung bei Märtha Louise und zahle auch nicht wesentlich mehr (norwegisches Preis- und Verdienstniveau beachten!).

Gast: CL
01.03.2012 07:43
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Eine kleine biblische Klar-Machung:

Engel kommen in der Bibel in Hülle und Fülle vor: In der Einheitsübersetzung des Alten Testaments kommt der Begriff Engel 128 mal vor: (im Pentateuch, d.i. den fünf Büchern Moses 32mal, in den Geschichtsbüchern 49mal, in den Weisheitsbüchern (Jiob, Psalmen, Weisheitsbuch) 9 mal, in den Propheten 35mal). Im Neuen Testament kommt "aggelos" 175mal vor (in den Synoptikern 51mal, Apg 21mal, Apostelbriefe 30mal, Offb 67mal), wobei nur an 3 Stellen Menschen als aggeloi bezeichnet werden (Lk 7,24; 9,52; Jak 2,25).

Gast: E.Gabriel
29.02.2012 23:24
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Lesen Sie mal

zum Beispiel von Dr.Murphy u.a. zu welchen Leistungen Ihr Unbewußtes fähig ist, wenn Sie den Schlüssel richtig benutzen. Ob Engel oder nicht, jeder ist mit allem in Kontakt.

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Re: Lesen Sie mal

Ja, ja, und die die ganz offen sind, denen fällt auchdas Hirn heraus!

Antworten Antworten Gast: CoBi
04.03.2012 20:56
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Re: Re: Lesen Sie mal

Stimmt so leider nicht:

der Geist weitet sich aus und man bemerkt/erkennt, wozu man das Ge-Hirn eigentlich nutzen sollte!

Daher die Erkenntnis! Kann sehr hilfreich sein.

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