DiePresse.com

DiePresse.com | Leben | Menschen | Artikel DruckenArtikel drucken


Prinz Friso nach London verlegt

01.03.2012 | 18:29 | von Helmut Hetzel und Köksal Baltaci (Die Presse)

Prinz Friso wurde am Donnerstag mit einem Ambulanzjet in eine Klinik nach London geflogen. Königin Beatrix und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie werden Österreich bald verlassen.

Der bei einem Lawinenunglück am 17. Februar im Skigebiet von Lech verschüttete und schwer verletzte niederländische Prinz Friso ist Donnerstagnachmittag außer Landes gebracht worden. Laut Polizeiangaben erfolgte die Ausreise gegen 14 Uhr mit einem Ambulanzflugzeug unter ärztlicher Begleitung via Flughafen Innsbruck. Friso wurde im Londoner Wellington-Krankenhaus aufgenommen. Das teilte das Niederländische Königshaus am Abend auf seiner Website mit. „Dort kann Prinz Friso in seinem heutigen Zustand optimal versorgt werden“, erklärte das Königshaus. Auch biete London – der frühere Wohnort des Prinzen und seiner Familie – ideale Voraussetzungen für Frisos Kinder.

Trotz des anhaltend schlechten Zustandes von Prinz Friso ist schon tagelang über einen Transport ins Ausland spekuliert worden. „Der Patient muss künstlich beatmet werden. Aber mit den notwendigen Apparaten kann man Friso nach London fliegen“, so der Neurologe Johann Donis. Da auch Prinzessin Mabel in London arbeitet, ist es für sie wesentlich einfacher, ihren schwer verletzten Mann, der nach der Verschüttung durch eine Lawine 50 Minuten lang keinen Sauerstoff bekommen hat, in der Londoner Spezialklinik zu besuchen.

Es ist fraglich, ob Prinz Friso jemals wieder aus dem Koma erwachen wird. Die Chancen dafür stehen nach Ansicht der behandelnden Ärzte in Innsbruck nicht sehr gut. Auch wenn der Prinz wieder aufwachen sollte, wird er wohl unter schweren Schäden des Gehirns leiden. Es gibt Neurologen, die behaupten, dass die Chance auf eine vollständige Genesung von Prinz Friso bei 0,01 Prozent liege.

Aller Voraussicht nach dürften noch vor dem Wochenende auch Königin Beatrix und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie der Niederlande Österreich verlassen. Sie logieren derzeit im Hotel Post in Lech am Arlberg. Sowohl die 74-jährige Königin Beatrix als auch ihr ältester Sohn und Thronfolger Kronprinz Willem-Alexander (44) waren Anfang der Woche kurz in Den Haag. Warum Königin Beatrix zurück nach Den Haag flog, ist nicht bekannt.

Willem-Alexander vertrat seine Mutter bei der Gedenkveranstaltung zur Schlacht in der Java-See vor 70 Jahren. Damals kämpften niederländische, amerikanische und australische Flottenverbände gegen japanische und verloren die Seeschlacht. Japan konnte nach diesem Sieg die damalige niederländische Kolonie Indonesien besetzen.

Willem-Alexander machte während dieser Gedenkveranstaltung in Den Haag einen sehr gefassten Eindruck. Er bekam beim Verlassen der Klosterkirche, wo das Gedenken stattfand, von Passanten Blumen überreicht. Überhaupt schwappt derzeit eine Welle des Mitgefühls und der Sympathie für die königliche Familie über die Niederlande. Das Lawinenunglück von Prinz Friso ist vielerorts noch immer Tagesgespräch. Am königlichen Palast in Den Haag, Huis ten Bosch, dem Wohnsitz von Königin Beatrix, werden noch immer Blumensträuße abgegeben. Die Sympathiewerte der königlichen Familie von Oranien-Nassau dürften noch nie so hoch gewesen sein wie jetzt.

Der Hof hüllte sich dennoch tagelang in Schweigen. Die letzte offizielle Mitteilung vor der Bestätigung der Einlieferung Frisos in die Londoner Klinik datiert vom 24. Februar. Sie lautete: „Im Namen der Königlichen Familie teilt der Rijksvoorlichtingsdienst mit: Die Familie von Seiner Königlichen Hoheit Prinz Friso muss nun lernen, mit dem Gesundheitszustand des Prinzen umzugehen und ihr Leben neu einrichten. Darum bittet die Familie die Medien, die nötige Privatsphäre der Familie zu respektieren.“ Der Rijksvoorlichtingsdienst ist der offizielle Informationsdienst des Königshauses.

Unklar ist auch, ob der für den 20. März geplante Staatsbesuch von Königin Beatrix im Großherzogtum Luxemburg stattfinden wird.


© DiePresse.com