Was war in den vergangenen Jahren nicht alles über John Travolta zu hören und zu lesen – der Tod seines Sohnes Jett, die Geburt seines jüngsten Sohnes Benjamin, die Beziehung zu seiner Frau Kelly Preston, die Mitgliedschaft des Stars bei Scientology, dazu die Leidenschaft für Flugzeuge und das Fliegen, ab und zu ein neuer Hollywood-Film und seit Jahren auch gelegentlich Gerüchte über homosexuelle Neigungen. Was allerdings in den vergangenen Tagen über den Schauspieler zu hören war, hat eine neue Qualität – er soll drei Männer sexuell belästigt haben.
Am Montag, dem 7. Mai, tauchte die erste Klage auf – ein Masseur, der anonym bleiben wollte, gab an, dass ihn Travolta im Jänner bei einer Massage im Beverly Hills Hotel unsittlich berührt habe. Streitwert der Klage: zwei Millionen Dollar (rund 1,5 Mio. Euro). Nur zwei Tage später meldete sich ein weiteres mutmaßliches Opfer, ebenfalls anonym – er gab an, Ende Jänner von Travolta in einem Hotel in Atlanta sexuell belästigt worden zu sein. Und auch er möchte nun zwei Millionen Dollar Schmerzengeld vom Hollywood-Star einklagen.
Der 58-Jährige bestritt die Vorwürfe von Anfang an. Zum Zeitpunkt des behaupteten ersten Vorfalls sei er gar nicht in Los Angeles gewesen, sondern in New York – und ließ seinen Anwalt Marty Singer eine Rechnung eines New Yorker Restaurants vorlegen, die das beweisen sollte. Und dem Internetportal „tmz.com“ spielte er Fotos zu, die den Schauspieler während des fraglichen Zeitpunkts bei einer Kostümprobe für seinen neuen Film „Killing Season“ zeigen sollen. Auch den zweiten angeblichen Vorfall dementierte der Anwalt prompt.
Was Okorie Okorocha, Anwalt der beiden Masseure, nur noch weiter anstachelte. Gegenüber der amerikanischen Gossip-Website „RadarOnline.com“ sprach der Jurist gar von mehr als 100 weiteren Männern, die mit Travolta ähnliche unliebsame Erlebnisse gehabt haben wollen. Er prüfe derzeit sämtliche Fälle und werde dann weitere Schritte unternehmen. Was zu diesem Zeitpunkt stark für Travolta sprach, war, dass beide mutmaßlichen Opfer unter „John Doe“ firmierten – also ihre Identität nicht öffentlich machen wollten.
Doch dann tauchte ein weiterer Mann auf, der sich von Travolta sexuell belästigt fühlte – und der ging mit seinem Namen an die Öffentlichkeit. Fabian Zanzi, ein gebürtiger Chilene, spricht davon, dass ihm der Hollywood-Star 12.000 Dollar (rund 9200 Euro) für Sex angeboten habe. Ort des Geschehens soll das Kreuzfahrtschiff Royal Caribbean gewesen sein, auf dem Travolta im Jahr 2009 unterwegs war – und auf dem Zanzi als Betreuer für VIP-Gäste angestellt war. Zanzi habe das Angebot abgelehnt und den Vorfall seinem Vorgesetzten gemeldet – der hätte ihm aber nicht geglaubt und ihn zunächst in seine Kabine verbannt und später angeblich sogar entlassen.
Die Strategie vonseiten Travoltas sieht indes so aus, dass die Vorwürfe der Masseure zunächst einmal als „absurd“ und „frei erfunden“ bezeichnet werden – und man im Gegenzug sogar plant, juristische Schritte wegen versuchter Erpressung einzuleiten. Und Fabian Zanzi sei nur ein Mitläufer, der hoffe, mit einer drei Jahre alten Geschichte seine 15 Minuten Ruhm zu bekommen.
John Travolta hat trotz allem schon bessere Tage gehabt. Vor allem seit der Geburt seines Sohnes Benjamin im November 2010 schien alles gut zu laufen. Eines der wenigen negativen Ereignisse war, dass im September 2011 sein Mercedes gestohlen wurde. Der auf 35.000 Dollar (rund 25.000 Euro) geschätzte Wagen wurde im Jänner 2012 wieder gefunden, zumindest Teile davon. Aber solange das die einzigen Trümmer in John Travoltas aktuellem Leben bleiben sollten, ist ja alles nur halb so schlimm.
John Travolta (geb. 18.Februar 1954) wurde 1977 durch den Film „Saturday Night Fever“ weltberühmt. Nach einem Karriereknick feierte er 1994 mit „Pulp Fiction“ ein Comeback. Mit seiner Frau Kelly Preston hat er drei Kinder – sein Sohn Jett starb 2009 mit 16 Jahren. Zuletzt machte Travolta Schlagzeilen, weil drei Männer behaupten, von ihm sexuell belästigt worden zu sein.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)
Bettsturz: Gefallene Saubermänner und -frauen
Phettberg, Pornojäger und Prominenz
Life BallWas hat Zilk mit dem Life Ball zu tun?
AnkunftDer Life Ball ist gelandet
amfAR Gala CannesGlamour für den guten Zweck
BritishBentley Flying Spur