Washington. Beth Topinka und Karen Blutcher hatten das große Los gezogen. Die Lehrerin aus New York und die Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom aus Florida mischten sich am Donnerstagabend als „Normalsterbliche“ in einem weißen Zelt auf George Clooneys Basketballplatz unter die Hollywood-Prominenz von Robert Downey jr. bis Salma Hayek.
Während die Filmstars für das Menü des gebürtigen Kärntners und Oscar-Kochs Wolfgang Puck – Peking-Ente und Lamm – 40.000 Dollar auf das Spendenkonto von Barack Obama überwiesen, gewannen die beiden Frauen unter dem Motto „You, Me and George“ das Ausschreiben unter Zigtausenden Anhängern des Präsidenten mit einem Mindesteinsatz von drei Dollar. Insgesamt spülte der Abend beinahe 15 Millionen Dollar in die Spendenkassen Obamas – eine Rekordsumme für eine Spendenparty.
Weil seine ehemaligen Fans in New York, die Finanz-Tycoons der Wall Street, schlecht auf ihn zu sprechen sind, grast Obama nach dem Vorbild Bill Clintons Hollywood ab. Nach seinem „Outing“, seinem Bekenntnis für die Schwulenehe, stehen ihm die Türen in Los Angeles offen. Der Präsident hätte sich also keinen besseren Empfang in der Clooney-Villa in Studio City, inmitten eines weitläufigen früheren Studio-Areals, vorstellen können.
Clooney war als Gastgeber für DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg, einem der engagiertesten Obama-Aktivisten in der Filmmetropole, eingesprungen. Dessen Domizil ist zurzeit eine Baustelle. Und Clooney war nur zu gerne in die Bresche gesprungen. Seitdem er sich – wie Dutzende andere Stars – im Wahlkampf 2008 für Obama eingesetzt hat, ist er so etwas wie Stammgast im Weißen Haus. Unlängst erschien der Polit-Aktivist und Polit-Darsteller („Die Iden des März“) als Stargast bei einem Staatsbankett für den britischen Premier David Cameron.
Der Präsident war blendender Laune, als er vor 150 handverlesenen Gästen von seinem amikalen Verhältnis zu Clooney erzählte. Das berühmte „Hope“-Wahlposter sei nach dem Modell eines Fotos mit dem Schauspieler entstanden: „Das erste und einzige Mal, dass George aus einem Foto rausgeschnitten wurde.“ Mit Genugtuung bemerkte Obama, dass ein „Hope“-Poster auch die Clooney-Villa ziert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)
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